Tourismus will Gewissheit

Markt / 04.10.2019 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Elmar Herburger hofft weiter auf Rückhalt durch Politik.

Rankweil Welche Rolle spielt der Tourismus in der künftigen Landesregierung? Diese Frage stellt sich Elmar Herburger als Vorarlberger Tourismus-Spartenobmann und Gastgeber im Hotel-Restaurant Mohren in Rankweil. „Das Land hat uns in vielen Bereichen der Tourismusstrategie 2020 unterstützt. Wir brauchen aber die Sicherheit, dass die Politik weiterhin finanziell und fachlich hinter uns steht.“

Zum Beispiel im Bereich der Ausbildung, wo in den vergangenen Jahren viele Schritte gesetzt worden seien. In der Tourismusschule Gascht ist man im dritten Schuljahr. Räumlich platze man aufgrund der Schülerzahlen aus allen Nähten. Jetzt gehe es darum, mit dem Bau des Bildungscampus in Hohenems für die Gascht-Schüler und die Tourismuslehrlinge zu beginnen.

Insgesamt, so konkretisiert Spartengeschäftsführer Harald Furtner, würden immer mehr Menschen im Tourismus arbeiten. Gleichzeitig steige aber auch der Bedarf. „Vor allem die Saisonalität ist ein Problemklotz. Denn im Winter brauchen wir um 20 Prozent mehr Mitarbeiter. Das ist jedes Jahr eine Kraftanstrengung, vor allem, weil die Saisonierkontingente regelmäßig zurückgefahren werden.“ Hier brauche es die Unterstützung aller. Man könne das Problem nicht allein den Betrieben überlassen.

Genauso wie das Thema Arbeitsplatzqualität. Mit der „Great place to work“-Zertifizierung habe man hier einen wichtigen Schritt gesetzt, aber bei der Entwicklung hin zur Mitarbeitermarke brauche es die Unterstützung des Landes. „Zudem liegt das Thema Digitalisierung brach. Da müssen wir dringend aufholen“, sagt Furtner. Allerdings würden dafür immer noch die finanziellen Ressourcen fehlen. Vor allem wenn man an ein vorarlbergweites, einheitliches, touristisches Informationssystem denke. „Wenn wir im Wettstreit mit den anderen Tourismusregionen mithalten bzw. uns einen Vorsprung erarbeiten wollen, müssen wir uns organisatorisch und finanziell anders aufstellen. Das schafft die Branche alleine nicht.“

Denn letztlich habe der Tourismus im Land auch eine starke gesellschaftspolitische Komponente. Ein Beispiel sei die Wirtshauskultur. „Hier geht es nicht nur um finanzielle Förderungen. Wir wollen den Gemeinden entsprechendes Know-how zur Verfügung stellen, so dass sie die richtigen Wirte für den jeweiligen Standort finden“, plädiert Herburger für individuelle Einzelstandortkonzepte. „In jedem Gasthaus geht es um ein anderes Thema. Um die Bausubstanz, das Betriebskonzept, den Pächter, die Pachtvorstellungen oder die sozialen Bedingungen.“ Gemeinsam haben alle nur die bürokratischen Belastungen, Bagatellsteuern und nicht mehr zeitgemäße Sperrstundenregelungen. Hier müsse die künftige Landesregierung dringend ansetzen.

In der Hotellerie ortet Herburger indes ein starkes Vorantreiben von Großhotels, die von internationalen Investoren finanziert werden. „Hier sehe ich die Gefahr, dass kleinere, familiengeführte Hotels nicht mehr mithalten können.“ Man müsse sich schon überlegen, wo der Tourismus in 20 Jahren stehen soll.

Gewichtige Rolle

Den baldigen Rückzug von Tourismuslandesrat Karlheinz Rüdisser bedauern Herburger und Furtner. Er sei immer ein wichtiger Mitstreiter und Unterstützer gewesen. Das erhoffe man sich auch in Zukunft. „Egal welchem Ressort zugeordnet, muss der Tourismus in Vorarlberg weiterhin eine gewichtige Rolle spielen.“ VN-reh