Die Chancen sind intakt

Markt / 06.10.2019 • 18:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christian Fegg (r.) war auf Einladung von Schoellerbank-Landesdirektor Johannes Böhler in Vorarlberg.VN/Sams
Christian Fegg (r.) war auf Einladung von Schoellerbank-Landesdirektor Johannes Böhler in Vorarlberg.VN/Sams

Schoellerbank sieht in Aktien weiter Potenzial, Kapital zu erhalten bzw. zu vermehren.

Schwarzach Das Jahr 1926 und 100 Dollar in der Tasche. Was wäre heute daraus geworden? „Am Sparbuch wären es heute 2200 Dollar, am Immobilienmarkt 3600 Dollar, mit Gold 6000 Dollar, mit US-Staatsanleihen 16.000 Dollar, mit Unternehmensanleihen 17.000 Dollar und mit Aktien 785.000 Dollar“, rechnet Christian Fegg, Chefanalyst und Vorstandsdirektor der Schoellerbank Invest, vor. Die Lehre aus der Geschichte sei, Aktien seien die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen. Auch hinsichtlich der steigenden Lebenserwartung und der rückläufigen Zahl an Pensionseinzahlern. „Bereits mit geringen Beträgen kann man hier einem Armutsrisiko vorbeugen. Wenn man mit 20 Jahren 100 Euro im Monat in Fonds anspart, hat man im Alter einen erklecklichen Betrag.“

Am Spannendsten ist für die Schoellerbank derzeit der asiatische Aktienmarkt. „In Asien sind wir mit Aktien derzeit stark übergewichtet. Vor allem aufgrund der Gewinnrendite von neun Prozent“, sagt Fegg.

Eine spannende Branche sieht Fegg derzeit im Basiskonsum, weil hier die Nachfrage immer da sei. „Wichtig ist es, in Firmen zu investieren, die es in 20 Jahren noch gibt. Coca-Cola oder Johnson & Johnson beispielsweise.“ Bei Technologieunternehmen setze er deshalb lieber auf etablierte Schwergewichte wie Microsoft.

Während globale Entwicklungen wie der Brexit, die Situation im Iran oder Handelskonflikte vor allem Ökonomen stark beschäftigen, denken Asset Manager anders. „Vermögenverwalter werden oft als komische Leute angesehen. Sie müssen oft gegen Widerstände ankämpfen“, sagt Fegg und gibt ein Beispiel. „Wenn man im Jänner 1933 Bankvorstände, Politiker, Kunden, Ökonomen und Asset Manager gefragt hätte, ob man in Aktien investieren soll, dann hätten alle bis auf die Asset Manager gesagt ‚Finger weg‘. Denn bis September 1945 war es eine wirtschaftlich und politisch schlimme Zeit. Aber dennoch war es am Aktienmarkt eine der besten Perioden, die es je gab. Der Dow Jones kam auf eine Jahresperformance von 20 Prozent.“

Schlechte Stimmung

Wieso 1933 alles für Aktien sprach? „Weil die Stimmung extrem schlecht, aber die Aktienbewertungen extrem billig waren“, so der Schoellerbank-Vorstand. Hätte damals ein Asset Manager für Aktien geworben, wäre er dafür geprügelt worden. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, unter welchem Druck sie von Kunden- und Beraterseite stehen.“

Dabei ortet Fegg ein systematisches Problem. In Europa würden oft Ökonomen und Bankvorstände an den Schalthebeln des Asset Managments sitzen und darüber entscheiden, ob Aktien über- oder untergewichtet würden. Ganz anders in den USA. Hier sei ein übergewichten der Normalfall.

Am Aktienmarkt könne niemand sagen, wo der Höhe- oder der Tiefpunkt liegt oder wann die nächste Korrekturphase kommt, so Fegg. Als langfristig ausgerichteter Investor dürfe man sich davon aber nicht erschrecken lassen.