Kritische Externe und Problemlöser

Markt / 08.10.2019 • 20:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Berater Arnaldo Romanos-Hofer und Rudolf Lürzer mit ihrem neuen Buch. VN/Raidt
Die Berater Arnaldo Romanos-Hofer und Rudolf Lürzer mit ihrem neuen Buch. VN/Raidt

Die Unternehmensberater Rudolf Lürzer und Arnaldo Romanos-Hofer beleuchten in ihrem Buch Denkmodelle für Entscheider.

Schwarzach Ein erster Blick verrät: Es ist keines dieser klassischen Management-Bücher, von denen es bereits Tausende am Markt gibt. Aber die Frage, wieso die beiden Unternehmensberater Rudolf Lürzer (GCN Consulting, Bregenz) und Arnaldo Romanos-Hofer (Dialogos Unternehmensberatung, Lustenau, Wien) dennoch unter die Autoren gingen, darf erlaubt sein.

„Über Managementmethoden müsste man eigentlich nichts mehr schreiben. Aber Konzepte, die allein naturwissenschaftlich-technokratische Ansätze verfolgen, reichen in Zukunft nicht mehr aus“, sagt Lürzer im VN-Gespräch.

Entstanden ist mit ihrem Buch „Management Anthology Reloaded – 44 Denkmodelle und Methoden für kluge Entscheider“ eine Sammlung von bewährten und zukunftstauglichen Managementkonzepten und Methoden, die Führungskräften helfen sollen, in komplexen Situationen kluge Entscheidungen zu treffen, und die sich den Bereichen Sinnzentriertes, Integriertes, Kritisches sowie Kreatives Denken widmen.

Konkrete Empfehlungen

Eingeflossen ins Buch ist dabei ihre 30-jährige Erfahrung aus der Arbeit mit Kunden. „Sie verstehen die Welt nicht mehr so wie früher. Die Innovationsphasen werden kürzer“, so Romanos-Hofer über das Nachschlagwerk, das Denkmodelle und Methoden für verschiedene Problemstellungen beinhaltet und gleich den passenden lösungsorientierten Denkansatz sowie eine konkrete Handlungsempfehlung bereithält.

Was Lürzer und Romanos-Hofer oft in Unternehmen beobachten, ist das Streben nach Kompromissen. „Viele Firmen haben eine Konsenskultur. Es ist aber wichtig, in der Sache deutlich stärker zu kämpfen und bewusst Konflikte auf den Punkt zu bringen, um etwas Neues zu schaffen. Denn die meisten Konflikte sind Beziehungskonflikte, und diese zerstören oft die Kreativität“, betont Lürzer.

Dass alle paar Jahre eine neue Managementmethode gefeiert wird, sehen die Berater gelassen. „Agilität beispielsweise gab es immer schon, aber eben nicht vor dem digitalen Hintergrund. Es ist eine Haltung gegenüber Veränderungen“, sagt Romanos-Hofer. Letztlich sei es wichtig, dass sich Menschen mit Problemlösungsfragen auseinandersetzen. Nicht immer gehe es nur um Fachlichkeit alleine. „Jede qualifizierte Beratungsbeziehung beginnt mit Fragen. Die Frage ist dann, inwieweit ein Unternehmen sich traut, einen kritischen Geist als Berater zu nehmen oder ob er lieber eine Wohlfühlatmosphäre will, um einen internen Konsens zu bestätigen“, so Lürzer über die Wichtigkeit eines kritischen Externen als Reibebaum.

Es gehe darum, Fragen zu stellen, die noch nie gestellt wurden, erklärt Romanos-Hofer. Nur so könne sich ein Raum für Lösungen auftun. „Wir sind keine Produktverkäufer, sondern Problemlöser.“ Gerade in der heutigen Zeit müsse man sich mehr Zeit dafür nehmen, grundlegend über Dinge nachzudenken und auch einmal zu philosophieren. „Wenn es um Digitalisierung geht, fließt das Geld oft nur zu Softwareexperten. Man muss aber den Mut haben, auch andere Wege zu beschreiten, um die ganze Komplexität zu bewältigen“, ist Romanos-Hofer überzeugt.

Eine Gesamtschau

Die Berater haben sich übrigens bereits an der Universität St. Gallen kennengelernt. Danach gingen sie für viele Jahre unterschiedliche Wege und stießen auf unterschiedliche Methoden. Bis bei einem Treffen die Frage aufkam: „Was könnten wir tun, was wir bislang gemeinsam noch nie getan haben?“ Am Ende steht nun das Werk, das nicht nur eine praxistaugliche Denkschule, sondern auch eine Gesamtschau zweier langjähriger Erfahrungen ist. VN-reh