Noch länger auf dem Weg

Markt / 09.10.2019 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Blick über den See lohnt. Die Nachbarregionen (ausgenommen Tirol) sind durchwegs vor dem Land gereiht. VN/Steurer
Ein Blick über den See lohnt. Die Nachbarregionen (ausgenommen Tirol) sind durchwegs vor dem Land gereiht. VN/Steurer

Stockholm ist wettbewerbsfähigste Region Europas, Vorarlberg auf Platz 74.

Brüssel, Schwarzach Alle drei Jahre erhebt die Europäische Union wie fit die Regionen und Ländern sind. Die Ergebnisse dieses Fitnesstests werden unter dem Titel „Regionaler Wettbewerbsindex“ veröffentlicht. Handlungsanweisungen gibt der Index nicht. Doch die Regionen können sich anhand der Ergebnisse in elf Bereichen, etwa der Stand Infrastruktur, des Gesundheitssystems, der Innovationsleistung und der Bildungsangebote, sowie der makroökonomische Stabilität und der technologischen Leistungskraft der Wirtschaft orientieren und ihre Politik darauf ausrichten. Im Index 2016 landete Vorarlberg auf Platz 98 unter damals 263 Regionen Europas. Nun hat die Europäische Union den neuen Index veröffentlicht und das Land hat sich um 24 Plätze verbessert und erklimmt Rang 74 von jetzt 268 Regionen. Im Österreich-Ranking liegt Vorarlberger mit dieser Wertung hinter der Metropolenregion Wien (mit Niederösterreich) ex aequo mit dem Industrieland Oberösterreich auf Platz zwei.

Umfangreiches Datenmaterial

Wenn man leicht zufriedenzustellen ist, ein gutes Ergebnis. Doch zufrieden kann damit ein Wirtschaftsstandort der Spitzenklasse, wie er von der Vorarlberger Landespolitik immer wieder beschworen wird, nicht sein. Das meint man nicht nur in der Vorarlberger Industriellenvereinigung, die mit ihrem Strategiepapier „Vom Mittelmaß zur Exzellenz“ auf viel Zustimmung, aber auch auf herbe Kritik gestoßen ist. Auch Stefan Höffinger, dessen Beratungsunternehmen Höffinger Solutions in die Untersuchung eingebunden war, sieht für Vorarlberg „Luft nach oben“. Während Vorarlberg beim Thema „Gesund alt werden“ zu den Spitzenreitern in Europa zählt, hinkt es beim Thema Innovation genauso hinterher wie bei der Infrastruktur, so Höffinger zum Ergebnis, das seit Mittwoch das gesamte Zahlenpaket detailliert zur Verfügung stellt und so Vergleiche mit anderen Regionen und eben auch eine eigene Stärken-Schwächen Analyse zulässt. Und diese Zahlen, die zum größten Teil von Eurostat und dem Index des World Economic Forums stammen, zeigen: Vorarlberg bzw. die neue Landesregierung wird wohl noch länger auf dem Weg zur Exzellenz sein.

Dass das Bundesland dereinst Stockholm von der Spitze der wettbewerbsfähigsten Regionen vertreibt, ist allerdings nicht realistisch. Große Städte und ihr Umland haben einfach mehr Hochschulen, mehr Forschung und Entwicklung, sie haben Kliniken und eine breite Infrastruktur. Aber Höffinger ist sicher, dass Vorarlberg noch zulegen kann, etwa bei der Innovation. Die Pläne, sich im Bodenseeraum auf Hochschulebene besser zu vernetzen, seien eine Möglichkeit dazu. Auch die Stärkung der Fachhochschule sei eine richtige Maßnahme, sagt Höffinger im Gespräch mit den VN. Viele Möglichkeiten ortet er auch in der Infrastruktur und betont, dass damit nicht nur Straßen und Bahn gemeint sind, sondern auch die digitale Leistungsfähigkeit der Technik genauso wie die IT- und Fremdsprachen-Kenntnisse der Bevölkerung. „Sehr herzeigbar ist der Arbeitsmarkt und die entsprechenden Maßnahmen“, so Höffinger.

„Weiterentwicklung der FH ist wichtig. Auch bei der Forschung sollte man neue Wege gehen.“

Wettbewerbsindex 2019

Top 5-Regionen

Rang 1 Stockholm (2016: Rang 4)

Rang 2 Region London (2016: 1)

Rang 2 Utrecht (2016: 2)

Rang 4 Berkshire (2016: 2)

Rang 5 Surrey (2016: 5)

 

Österreich

Rang 29 Wien/Niederösterreich (2016: 49)

Rang 74 Vorarlberg (2016: 98)

Rang 74 Oberösterreich (2016: 103)

Rang 78 Steiermark (2016: 98)

Rang 83 Salzburg (2016: 105)

Rang 89 Burgenland (2016: 125)

Rang 91 Tirol (2016: 95)

Rang 101 Kärnten 101 (120)

 

Quelle RCI/EU-Kommission