Mit Zukunftsberechtigung

Markt / 10.10.2019 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Robert Hartlauer übernahm im Jahr 2000 die Geschäftsführung der gleichnamigen Handelskette mit Hauptsitz in Steyr. VN/Lerch
Robert Hartlauer übernahm im Jahr 2000 die Geschäftsführung der gleichnamigen Handelskette mit Hauptsitz in Steyr. VN/Lerch

Je mehr Technik es gibt, desto mehr braucht es Beratung, ist Robert Hartlauer überzeugt.

Schwarzach Robert Hartlauer ist ein Technik-Freak. Die neuen Produkte, die später in seinen österreichweit 160 Geschäften landen, testet der Chef höchstpersönlich. Welche Innovationen ihn aktuell begeistern? „Smartphones mit drei verschiedenen Kameraeinstellungen, Drohnen oder die erste Smartwatch, die permanent Blutdruck messen kann und deren Akku durch Photovoltaik gespeist wird.“

Besonders innovativ zeige sich die Hörgerätebranche. Die Funktionalität sei perfekt. „Die Konnektivität zu Smartphones funktioniert bestens. Zudem können sie simultan übersetzen. Auch wenn die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt.“ Zudem seien Hörgeräte mit vielen hilfreichen Features für den Alltag ausgestattet. „Hörgeräte messen den Pulsschlag und können einen Sturz erkennen und entsprechend einen Notruf absetzen“, erklärt Hartlauer. Das Problem sei nur, dass Menschen mit einem Kauf zu lange zuwarten würden und die Gefahr bestehe, dass das Gehirn bis dahin verlerne, bestimmte Frequenzbereiche zu verarbeiten. Weniger innovativ sieht Hartlauer indes die Fotoindustrie. Bei Kunden merke er einen starken Trend hin zu sehr hochwertigen Systemkameras. Auch weil Smartphones schon sehr viel können. „Aber es gibt beispielsweise keine Kamera mit eingebauten Filtern, mit der man Fotos direkt teilen kann.“

Es tut sich viel in der Branche. Hartlauer, der den Spezialisten für Foto, Handy, Optik und Hörgeräte im Jahr 2000 übernahm, sieht in den großen Trends auch einen Vorteil für sein Geschäft. Denn je mehr Technik am Markt sei, desto intensiver werde die Beratung. „Das bringt dem klassischen Handel und seinen Mitarbeitern auch ihre Zukunftsberechtigung. Die große Chance für uns besteht darin, die Kunden genau nach ihren Bedürfnissen zu fragen, denn das Anforderungsprofil ist bei jedem ein anderes.“

Er glaubt nicht nur an den stationären Handel, sondern besonders auch an die Innenstädte. Die Voraussetzung dafür seien jedoch Parkplätze zu vernünftigen Konditionen. Dass diese gratis zur Verfügung gestellt werden, sei dabei wohl ein Wunschkonzert.

Nichtsdestotrotz ist Hartlauer auch im Onlinebereich aktiv. Aktuell wird das IT-System umgestellt. Man will vor allem in Sachen Lieferzeit und Verfügbarkeit großen Mitbewerbern um nichts nachstehen. „Wir wollen die beiden Welten verbinden, denn es gibt kein Entweder-Oder“, ist Hartlauer überzeugt. Auch der anfangs prognostizierte Hype um Brillen aus dem Internet habe sich nicht bewahrheitet. Hochqualitative Produkte könne man nur bedingt online verkaufen. Das eigne sich eher für Nachbestellungen.

„Online ist nicht schlecht“, sagt Hartlauer. Man müsse nur darüber nachdenken, wo man kauft. Deshalb ist Hartlauer gerade dabei, einen Suchrechner aufzubauen, auf dem ersichtlich ist, welche Handelsfirmen tatsächlich Wertschöpfung in Österreich generieren. Der Start soll im kommenden Jahr erfolgen. „Wir wollen zeigen, welche Firmen in Österreich tatsächlich Mitarbeiter beschäftigen. Denn wenn man bei jenen kauft, die hier keine Steuern und Abgaben zahlen, wird es künftig schwer sein, das Sozialsystem, Pensionen oder Straßen zu finanzieren.“

Bregenz-Erneuerung

Hartlauer beschäftigt 1800 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 262 Millionen Euro im Jahr. In Vorarlberg sieht er sich gut aufgestellt, verfolgt aber noch große Pläne. Bei einer Garnmarkt-Erweiterung will man auf jeden Fall an Bord sein. Zudem wird in Bregenz das ganze Gebäude komplett erneuert.

Zur Person

Robert Hartlauer

geschäftsführender Gesellschafter der Handelskette Hartlauer

Geboren 22.04.1975

Ausbildung Matura an der Handelsakademie, Lehre als Optiker

Laufbahn 2000 Übernahme des Familienbetriebs