„Die Køje“ führt die Viertagewoche ein

Markt / 21.10.2019 • 20:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Christian Leidinger führte Vier-Tage-Woche ein – als erster Handwerksbetrieb. VN/RP
Christian Leidinger führte Vier-Tage-Woche ein – als erster Handwerksbetrieb. VN/RP

Damit will Bludenzer Tischlerei auf das Klimaproblem und den Fachkräftemangel reagieren.

Bludenz Freitag, 10:00 Uhr, Fabrik Klarenbrunn: In der Produktion der Køje stehen die Maschinen still, im Büro ist kein Telefonläuten zu hören. Das ist auf die Viertagewoche zurückzuführen: Seit etwas mehr als zwei Monaten arbeiten alle Mitarbeiter der Produktion und der Verwaltung nur mehr an vier Tagen der Woche. „Wir haben unsere wöchentliche Arbeitszeit um drei Stunden pro Woche gekürzt – alle arbeiten jetzt wöchentlich 37 Stunden“, erklärt Geschäftsführer Christian Leidinger und meint weiter: „Das sind pro Kopf 25 Minuten mehr pro Tag, aber eben nur an vier Tagen. Beim Gehalt ändert sich nichts.“

Gründe für eine Reduktion der Tage von ursprünglich viereinhalb auf vier gibt es mehrere: Dadurch, dass alle Mitarbeiter nur mehr vier Tage pro Woche in die Firma kommen, reduzieren sich der CO2-Ausstoß auch die Heizkosten um jeweils 20 Prozent. Zudem lassen sich Familie, Freizeit sowie Beruf besser vereinen und auch die Erholungsphase ist deutlich länger. Der Bludenzer Unternehmer sieht das Zeitmodell aber auch als positiven Schritt in Richtung Mitarbeiterfindung: „Wir als Handwerksbetrieb haben es nicht leicht, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden. Die Viertagewoche empfinde ich als riesengroßen Anreiz.“

Ziel des neuen Arbeitszeitmodells sei es ganz klar nicht, innerhalb kürzer Zeit mehr leisten zu müssen. „Ich möchte auf keinen Fall, dass sich meine Mitarbeiter unter Druck gesetzt fühlen“, so Leidinger. Er führt weiter aus: „Wir haben diverse Prozesse optimiert und haben gesehen, dass wir unser Arbeitspensum so auch innerhalb von vier Tagen schaffen können.“

Übrigens stimmten die Køje-Mitarbeiter fast einstimmig für eine Einführung der Viertagewoche. „Natürlich muss ich sagen, dass mir ein Freitagvormittag im Büro manchmal fehlt. Ich musste manche Prozesse etwas überdenken“, berichtet Patrizia Luger, zuständig für Finanzen und Organisation.

Podiumsdiskussion

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die am 26.10.2019 von 17 bis18 Uhr in der Fabrik Klarenbrunn in Bludenz stattfindet, wird das neue Arbeitszeitmodell vorgestellt.