Vorarlbergs Handwerker sind ausgebucht: Kunden brauchen Geduld

Markt / 24.10.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
VN/STEURER

Grund dafür sind ein beispielloser Bauboom, der auch weiterhin anhält und der chronische Mangel an Fachkräften. Der Kunde kann nicht viel tun: Er kann Verträge mit verbindlichen Terminen schließen.

Feldkirch, Schwarzach Für den Lauteracher Jakob B. ist es eine echte Geduldsprobe. Der junge Mann renoviert gerade ein Haus aus den 60er-Jahren. Auf einen Generalunternehmer hat er verzichtet, was er inzwischen bereut. Denn es gibt zwar Handwerker, die Aufträge übernehmen, allerdings mit Wartezeiten, die auch über ein halbes Jahr hinausgehen, und es braucht exzellente Koordinationstalente, um alle Gewerke beim Hausbau unter Dach und Fach zu bekommen. Die Vorarlberger Betriebe des Bau- und Baunebengewerbes sind je nach Branche mehr oder weniger auf Monate hinaus ausgebucht. Das untermauern die Zahlen, die gerade von der Sparte Handwerk & Gewerbe veröffentlicht wurden: 17 Prozent der Betriebe erwarten auch weiterhin Steigerungen der Auftragseingänge bzw. Umsätze gegenüber dem vierten Quartal 2018 (Vorjahr: 14 Prozent). 53 Prozent aller Gewerbebetriebe geben an, dass die Auftragsbücher für länger als zehn Wochen gefüllt sind. Der Schwerpunkt liegt bei den Handwerksbetrieben, die am Bau tätig sind (die VN berichteten).

„Wir können keine neuen Aufträge annehmen, das sagen wir auch unseren Kunden. Dann zeigen sie auch Verständnis.“

Samuel Feuerstein, Geschäftsführer Dorfinstallateur

Die Wartezeiten sorgen bei vielen Häuslebauern für Frust. Bauwillige Unternehmen verschieben auch mal ein Bauvorhaben, wenn nicht einmal die Offerte eingereicht werden. Bernhard Feigl, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, und Spartengeschäftsführer Armin Immler verweisen auf die Situation der Betriebe. Feigl: „Es ist schwer, gute Handwerker zu bekommen. Ohne diese können kaum weitere Aufträge angenommen werden, denn die Bücher sind schon ziemlich voll.“ Dass manche Betriebe trotz voller Auftragsbücher noch weitere Arbeit annehmen, sei, so Immler, verständlich, da es zu Verzögerungen bei Aufträgen kommen könne, außerdem sei es in der Vergangenheit ja nicht immer so gewesen, dass die Betriebe auf so lange Zeit ausgebucht waren. Dass möglichst wenig Beschwerden wegen Nichterscheinens eintrudeln, sei eine der Aufgaben, die man mit neuen digitalen Helfern so gut es gehe zurückdrängen wolle, sagt er und beschwichtigt. „Wie überall gibt es auch Handwerker, die sich schwer tun, Nein zu sagen. Mutwillig macht das keiner.“

Bei einem der größten Installationsbetriebe im Land, der Dorfelektriker-Gruppe, sind Termine bzw. Wartezeiten ein ständiges Thema, sagt Geschäftsführer Samuel Feuerstein. Es sei zwar „eine blöde Situation“ für eine Firma, aber man könne einfach keine neuen Aufträge mehr annehmen. „Wir kommunizieren das bei Anfragen und sagen auch, ab wann wir wieder was machen können.“ Generell komme das gut an, wenn offen gesprochen werde, so Feuerstein, dann wissen die Kunden, woran sie sind. Angenommen werden zuerst Aufträge von Stammkunden und in Notfällen sei man ebenfalls gleich zur Stelle, berichtet er über die Strategie beim Dorfinstallateur. Wenn ein Auftrag übernommen worden sei, dann nehme man sich auch die notwendige Zeit dafür, so Feurstein.

Die Ungeduld bei den Auftraggebern sei größer geworden, attestiert Feigl. „Seit man im Internet alles bestellen kann, will man auch, dass der Handwerker am Tag nach der Bestellung liefert.“ Das gehe eben nicht so einfach, dafür könne man mit dem Handwerker vor Ort individuelle Lösungen erarbeiten und bekomme höchste Qualität geliefert, argumentiert er. AK-Konsumentenschützerin Karin Hinteregger rät zu Verträgen mit verbindlichem Termin. Der gilt aber auch umgekehrt: Nämlich dann, wenn der Handwerker wegen Verzögerungen  nicht mit der Arbeit beginnen kann.