Vorarlbergs Industrie spürt Abschwächung

Markt / 24.10.2019 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Handelskonflikte und Brexit sind längst nicht mehr nur internationale Drohgespenster.

Nur mehr knapp die Hälfte aller Unternehmen gibt derzeit eine gute Geschäftslage an. FMTI

Lustenau 43 Vorarlberger Unternehmen mit 26.885 Beschäftigten haben sich an der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer im dritten Quartal 2019 beteiligt. Deren Einschätzung spricht Bände. Denn nur mehr die Hälfte aller Unternehmen, nämlich 51 Prozent, gibt derzeit eine gute Geschäftslage an. Beim Ausblick auf die Geschäftslage in sechs Monaten halten sich günstigere und ungünstigere Einschätzungen die Waage.

„Bei den Betrieben ist quer über alle Branchen erstmals ein Dämpfer bei der aktuellen Konjunktur zu erkennen. Als sehr exportorientiertes Industrieland merken wir sofort, wenn es rund um uns dunkler am Konjunkturhimmel wird“, erklärt Mathias Burtscher, Geschäftsführer der IV-Vorarlberg. Die andauernden Handelskonflikte zwischen den USA und China, der noch ungelöste Brexit oder der schwächelnde deutsche Industriemotor seien längst mehr als nur internationale Drohgespenster. „Unsere Betriebe mit ihren Mitarbeitern schlagen sich aber nach wie vor hervorragend auf den Weltmärkten, eine Rezession ist nach aktuellem Stand noch nicht zu erwarten. Entscheidend in der jetzigen Phase ist es, dass alle Ebenen – Europa, Österreich und Vorarlberg – möglichst rasch wieder handlungsfähige Regierungen erhalten und mit Konjunkturimpulsen und Entlastungsschritten die Betriebe und ihre Mitarbeiter unterstützen“, so Burtscher weiter.

Preisdruck hält an

Die schwierigeren Rahmenbedingungen für die Betriebe zeigen sich insbesondere durch den deutlich erhöhten Druck auf die Verkaufspreise. Fast jedes dritte Unternehmen spricht von fallenden Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten und ist gezwungen, Kosten einzusparen. Stabil – wenn auch nicht so positiv wie die letzten Male – zeigt sich noch der Mitarbeiterstand in drei Monaten. 18 Prozent der Unternehmen planen, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, zwei Prozent planen, den Mitarbeiterstand zu reduzieren.

Konjunkturimpulse setzen

„Die Hoffnung ist groß, dass die künftigen Regierungen auf Bundes- und Landesebene die Betriebe und ihre Mitarbeiter mit Konjunkturimpulsen und Entlastungsschritten unterstützen“, sagt Mathias Burtscher. Eine stärkere Belastung für die Betriebe, überzogene Lohnabschlüsse oder weitere Hürden durch Auflagen wären angesichts der schwierigeren Konjunktur sehr kontraproduktiv. Auf Bundesebene gehe es daher darum, den Faktor Arbeit bei Mitarbeitern und Unternehmen weiter zu entlasten, in den Forschungs- und Technologiestandort zu investieren sowie ein klares Bekenntnis zu einem fairen Freihandel abzugeben.

Wichtige Infrastrukturprojekte

Dasselbe gelte auch auf Landesebene: „In Vorarlberg stehen wichtige Infrastruktur- und Investitionsentscheidungen der öffentlichen Hand und der Betriebe an. Ein wirtschaftsfreundlicher Zugang der neuen Landesregierung ist dabei wichtiger denn je“, ist Burtscher überzeugt.