KV-Abschluss „standortfeindlich“

Markt / 03.11.2019 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
 Hohe Arbeitskosten, aber gute Performance. Der Vandanser Rohrspezialist ELB-Form könnte schon bald doppelt so groß sein wie heute. FA
Hohe Arbeitskosten, aber gute Performance. Der Vandanser Rohrspezialist ELB-Form könnte schon bald doppelt so groß sein wie heute. FA

Erne-Group- und ELB-Form-Eigentümer droht mit Mitarbeiterabbau.

Schlins, Vandans, Wien Stephan Zöchling wird von Verhandlungspartnern und Interessenvertretern oft als schwieriger Gesprächspartner bezeichnet. Der Industrielle, der seit 2016 Eigentümer des Schlinser Unternehmens Erne Fittings und der Vandanser Firme ELB-Form ist, sieht das eher anders. Er würde sich selbst als einen Mensch bezeichnen, der nicht um den heißen Brei herumredet, sondern die Dinge beim Namen nennt. Das tut er auch jetzt: Der Kollektivvertragsabschluss in der Metallindustrie ist für Zöchling, der neben den Firmen in Vorarlberg auch Hauptgesellschafter der steirischen Autozulieferer Remus und Sebring ist, Anlass für klare Worte. Insgesamt beschäftigt er in diesen vier Unternehmen rund 800 Mitarbeiter (600 bei Erne Fittings, rd. 200 bei ELB-Form).

Unzufrieden mit KV-Abschluss

Die KV-Erhöhung von durchschnittlich 2,7 Prozent nach 3,5 Prozent im Jahr 2018 und bis zu 4,4 Prozent beim Mindestlohn (von 1915 Euro auf 2000 Euro) 2019 sei ein weiterer Beweis für die Standortfeindlichkeit der Gewerkschaft und das fehlende Augenmaß. Diesen Abschluss als fair zu bezeichnen, so wie das Gewerkschaftschef Rainer Wimmer tun, ist ein Hohn, angesichts der Inflationsrate von 1,8  Prozent“, poltert er im Gespräch mit den VN und kündigt Konsequenzen an. Und die könnten auch in Vorarlberg zu spüren sein.

Wenn wir Gewinne reinvestieren, kommen diese Investitionen den Arbeitnehmern zugute.

Stephan Zöchling, GF, Eigentümer Erne, ELB-Form

Aber nicht nur mit den Arbeitnehmervertretern hadert er. Auch die Verhandler der Wirtschaft kommen nicht gut weg. Man bekomme „das Gefühl, dass die Gewerkschaft im Fachverband der WKO Platz genommen hat“, sagt er in Richtung Christian Knill, Obmann des WKÖ-Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), der am Verhandlungstisch saß und das Ergebnis der KV-Verhandlungen als gut und vertretbar bezeichnet habe.

Mitarbeiterabbau

Wie schon vor dem Ende der Verhandlungen von ihm öffentlich angekündigt, müsse er rund 60 Mitarbeiter am Standort Österreich abbauen. „Wir haben Standorte in Bosnien, Saudi-Arabien und Kooperationspartner in Ungarn und Polen. Unser Werk in Bosnien beschäftigt aktuell 250 Mitarbeiter, Tendenz steigend. In Saudi-Arabien sind es aktuell 120 Mitarbeiter, Tendenz ebenfalls steigend. Wir verlagern nun Tätigkeiten und Arbeiten aus der Steiermark und aus Vorarlberg nach Bosnien und nach Saudi -Arabien“, droht er. Ob und wenn ja, wie viele Mitarbeiter in Vorarlberg betroffen sind, sagt er nicht. Allerdings fügt er hinzu, dass die Vorarlberger Unternehmen derzeit personell richtig aufgestellt seien. Mit ELB-Form hat er weitere Pläne.