Wieso in der Kreativbranche kaum jemand ausbildet

Markt / 05.11.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sandra Geiler und Hannes Maier haben sich für eine Ausbildung in der Kreativbranche entschieden. Damit sind sie zwei von ganz wenigen in Vorarlberg.  WKV

Große Hürde: Die Berufsschule war bislang nicht in Vorarlberg. Das ändert sich nun.

Schwarzach Fachkräfte sind schwer zu finden. Quer durch alle Branchen wird der Mangel an gut ausgebildetem Personal sowie an Lehrlingen beklagt. Eine Berufsgruppe gibt es dennoch, die mehr Bewerber verzeichnet, als sie Lehrstellen zu vergeben hat: Die Kreativbranche.

Sie hatte nämlich immer eine große Hürde in der Ausbildung. Das war auch der Grund, wieso sich viele Betriebe scheuten, überhaupt Lehrlinge auszubilden. Es gab keine Berufsschule in Vorarlberg. Die Lehrlinge waren drei Monate im Betrieb und mussten dann für drei Monate in die Blockschule nach Salzburg. Das Resultat: „Bei 931 aktiven Betrieben und 1000 Mitarbeitern werden derzeit nur elf Lehrlinge ausgebildet“, sagen Gerhard Hofer (Spiritworks) und Martin Dechant (ikp), Obmann und Stellvertreter der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation. Vor acht Jahren waren es noch 24. Das sei ein Armutszeugnis und man steuere damit auf ein großes Problem zu. Zwar gebe es an der FH ein Kreativstudium. Das bringe aber nicht die Menge an Fachpersonal hervor, die die Agenturen brauchen.

Nun gibt es aber nach vehementem Bemühen eine Lösung. Denn ab Herbst 2020 können Medienfachmann-Lehrlinge in der Berufsschule Bregenz ausgebildet werden. Zudem wurde der Lehrberuf durch die vier Schwerpunkte Webdevelopment/audiovisuelle Medien, Grafik/Print, Publishing/ Onlinemarketing sowie Agenturdienstleistungen ergänzt. Nun gelte es, die Betriebe zu motivieren, Lehrlinge auszubilden.

„Spannender Beruf“

Zu den elf Lehrlingen, die derzeit ausgebildet werden, gehört Hannes Maier. Er ist Lehrling bei der Andelsbucher Agentur mprove. „Wir wollten unsere 20-jährige Erfahrung als Agentur weitergeben und sehen es auch als Verpflichtung an, Fachkräfte auszubilden, trotz der Hürde mit der Berufschule, die als kleiner Betrieb deutlich höher ist“, sagt Ausbilderin Doris Fisar. Denn sich nur zu beklagen helfe nicht, man müsse schon auch selbst aktiv werden. Dass die Lehrlinge nun bald an der Berufsschule in Bregenz ausgebildet werden, freut sie. Gerade weil in der Agentur Projekte über mehrere Monate laufen. Hannes muss in zehn Tagen wieder für drei Monate nach Salzburg. Der angehende Medienfachmann findet es schade, dass er dadurch aus laufenden Projekten herausgerissen wird. Den Beruf findet er spannend. „Ich wollte was mit Computern machen, aber nicht nur programmieren.“

Unüblicher Weg

Christoph Lenz von der Schwarzacher Agentur cunabo ist einen etwas anderen Weg gegangen. Er bildet im Beruf Druckvorstufentechnik aus. Im Ausbildungsverbund mit der Offsetdruckerei funktioniere das gut. „Die Berufschule in Salzburg hätte nicht zu unserem Agenturalltag gepasst. So ist Sandra das ganze Jahr über im Betrieb und kann das theoretische Wissen gleich mit der Praxis verzahnen.“

Sandra Geiler ist froh über diese Lösung. „Es ist einfacher so.“ Auch weil sie gerade ein spannendes Projekt am Laufen hat. Zusammen mit Hannes sowie Erwin Kamoglu (saegenvier) hat sie den Messestand auf der Ausbildungsmesse, die diese Woche im Dornbirner Messequartier stattfindet, entwickelt und gestaltet.