Für Sepp Bayer ist die Verpackung nicht wegzudenken

Markt / 09.11.2019 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Sepp Bayer repräsentiert die dritte Generation bei Bayer Kartonagen in Lustenau. Heute werden rund 80 Mitarbeiter beschäftigt. Produziert wird im Zweischichtbetrieb. VN/PAULITSCH

Mit seinem Unternehmen Bayer Kartonagen blickt er positiv in die Zukunft.

lustenau Sepp Bayer ist geschäftsführender Gesellschafter von Bayer Kartonagen. Im Interview spricht er über die Verpackungsdiskussion, die Zusammenarbeit mit dem Mitbewerb und darüber, wie er in die Zukunft blickt.

Verpackungen und damit die Branche stehen derzeit im Mittelpunkt einer weltweiten Diskussion. Inwieweit betrifft das Ihren Betrieb?

Wir sind in die Kunststoffthematik nicht so involviert. Mit den Klarsichtfenstern tangiert es uns nur am Rand. Aber hier spüren wir schon, wie Kunden nach Alternativen suchen. Diese gibt es. Sie sind aber allesamt noch zu wenig praxisorientiert. Der Endkonsument kann noch nicht unterscheiden, ob das eine verrottbare Biofolie ist oder nicht. Aber grundsätzlich ist der Hype da und es macht Sinn, sich darüber Gedanken zu machen.

Sehen Sie die Diskussion als Chance für die Branche, beziehungsweise Ihren Betrieb?

Das sehe ich schon. Die ganz großen Player geben die Kunststoffreduktion vor und bei der Kompensation kommt Karton eine wichtige Rolle zu. Allerdings nicht so viel, wie man denkt, denn Kunststoff hat als Verpackung schon seine Berechtigung. Vor allem, wenn es um die Haltbarkeit von Lebensmitteln geht. Es macht ja keinen Sinn, wenn man Lebensmittel wegwerfen muss.

Wie sieht insgesamt der Mitbewerb im Kartonagenbereich aus? Wie ordnen Sie sich von der Größe her ein?

Wir sind generell im mittleren Auflagenbereich zuhause. Unsere durchschnittliche Auflagenhöhe liegt zwischen 10.000 und 20.000 Stück. Wir machen also keine Riesenmengen. Darauf sind wir nicht ausgerichtet. Aber damit sind wir durchaus mitbewerbsfähig und können überall mit anbieten. Wir haben auch eine Handarbeitsabteilung, denn auf die Handkonfektion sind andere Betriebe gar nicht mehr ausgerichtet.

Wie sehen Sie die Mitbewerbssituation in Vorarlberg?

Wir sind in Vorarlberg ein Ballungsgebiet für Verpackungsbetriebe. Es hat sich aber in den letzten Jahren so herauskristallisiert, dass die einen im Bereich Wellpappe tätig sind, die anderen im Bereich Faltschachteln. Wir sind mit Karton und Wellpappe irgendwo zwischendrin. Wir arbeiten aber mit anderen Betrieben sehr eng zusammen und ergänzen uns gegenseitig. Das macht Sinn, denn nicht jeder kann alles machen, will es aber dem Kunden mit anbieten. So behilft man sich. Auch wenn wir bei gewissen Ausschreibungen Mitbewerber sind. Es ist sicher besser, im Land zusammenzuarbeiten, anstatt sich in Deutschland oder im Osten Partner zu suchen und die Waren hin und her zu transportieren. Das kommt auch unseren Kunden zugute, wenn sie alles aus einer Region beziehen können. Unter der Marke Vpack haben sich 23 Vorarlberger Verpackungsunternehmen zusammengeschlossen. Im Zuge dessen kommt man öfters zusammen und kann leichter über solche Themen reden.

Bayer Kartonagen wurde im Jahr 1926 von Ihrem Großvater gegründet. Sie führen die Firma nun in dritter Generation. War es für Sie immer klar, in den Familienbetrieb einzusteigen?

Ursprünglich wollte ich Chirurg werden. Aber nachdem ich die Matura nicht fertig gemacht habe, war das dann auch erledigt. Im Betrieb bin ich aufgewachsen und habe immer wieder mitgearbeitet. Daher bin ich gerne in diese Richtung gegangen.

Was ist für Sie das Faszinierende an der Branche? Wieso soll sich ein junger Mensch heute für eine Ausbildung in der Verpackungstechnik entscheiden?

Der Beruf ist sehr vielseitig und abwechslungsreich, weil man viele Maschinen beherrschen muss. Neben der Produktion gehört auch die Verpackungsentwicklung dazu. Hier ist die kreative Ader gefragt. Früher gab es keine Lehre im Verpackungsstechnikbereich. Es gab den Drucker oder man hat die Leute angelernt. Als die Maschinen aber immer mehr Elektronik bekamen, gab es die Initiative für die Ausbildung. Heute werden 30 Prozent aller österreichweiten Lehrlinge in Vorarlberg ausgebildet. Was ich aber immer wieder spüre, ist, dass viele Junge nicht mehr im Schichtbetrieb arbeiten wollen. Allerdings sind die Maschinen zu teuer, um sie nicht entsprechend auszulasten.

Wie blicken Sie für Bayer Kartonagen in die Zukunft?

Ich glaube, dass die Verpackung eine gute und zukunftsträchtige Branche ist, die es auch weiterhin geben wird. Aus heutiger Sicht kann man sie sicherlich nicht wegdenken.

Neben dem Unternehmen sind Sie als stellvertretender Landesjägermeister aktiv. Wie sehen Sie die Rolle der Jägerschaft in der Öffentlichkeit?

Wenn irgendetwas schiefgeht, sind die Negativschlagzeilen immer die größeren. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn ich aber jemandem erkläre, woauf es bei der Jagd ankommt und wie das geregelt ist, erlebe ich es immer wieder, dass die meisten sagen, „das habe ich nicht gewusst“ und es dann von einer anderen Seite sehen. Ich setze mich gerne für die Jagd ein und mittlerweile auch immer mehr für den Lebensraum des Wildes, denn dieser geht zurück.

Wie sieht es dort mit dem Nachwuchs aus?

Aktuell feiern wir im Land 100 Jahre Jägerschaft und freuen uns sehr darüber, dass wir einen enormen Zuspruch beim Nachwuchs haben. Unsere Kurse sind alle ausgebucht. Darauf sind wir stolz und das motiviert uns. Rund 100 Menschen machen jedes Jahr die sogenannte grüne Matura. Rund ein Drittel davon will danach nicht jagen, aber über die Themen Wild, Natur, Forst oder Hundewesen Bescheid wissen.