„Eine gewisse Paranoia ist unerlässlich“

Markt / 14.11.2019 • 20:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Magenta-Vorstandsvorsitzender Andreas Bierwirth setzt auf dem Weg zum Erfolg des Unternehmens auf Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. VN/STEURER

Magenta-Chef Andreas Bierwirth plädiert für weniger Mut und mehr richtiges Tun.

Bregenz Andreas Bierwirth, seit 2012 Vorstandsvorsitzender von Magenta Telekom, gilt international als Treiber von Innovationen und als Digitalisierungsexperte. Als bisherige Erfolge in seinem Managerdasein nennt er selbst die Gründung der Germanwings, weiter seinen nicht unwesentlichen Beitrag zum Überleben und zur Neuausrichtung der AUA. Und am meisten freut er sich über die Entwicklung der Magenta Telekom. Die Kontinuität, sieben Jahre in Folge Erwartungen übertroffen und damit ganz neue Perspektiven für das Unternehmen geschaffen zu haben – das sei sein bislang größter Erfolg. Kein Wunder, dass der Magenta-Chef in der Wirtschaftswelt gerne als Überflieger bezeichnet wird. Beim Wirtschaftsforum sprach er zum Thema „mutige Entscheidungen im Management“.

Nicht immer der richtige Weg

Mut, das stellte der Topmanager klar, ist aber nicht immer der richtige Weg, um den Weg zum Erfolg zu gehen. Oder umgekehrt: „Nichts tun kann auch mutig sein“, so Bierwirth im Gespräch mit den VN. Was es brauche, ist Konsequenz bei der Umsetzung der Pläne, bei der Umsetzung eines Arbeitsumfelds, das dem Management und den Mitarbeitern ermögliche, ihre Leistung zu erbringen. Von aktionistischem Management hält der Pilot und Manager dementsprechend nicht viel, auch wenn er weiß, dass gerade das von den Stakeholdern oder auch der Öffentlichkeit oft gefordert wird.

Feig oder mutig?

Dass Mut und Risiko auch in den Ruin führen können, illustriert er am Beispiel seines Onkels, der sein Bauunternehmen in den Sand setzte, weil er nach der Wende nach Osteuropa expandierte, ohne Erfolg zu haben. Die Formel Mut ist gleich Erfolg, Feigheit Misserfolg könne also genau andersrum auch richtig sein. Man müsse ins Tun kommen. Gerade wenn man als Unternehmen Erfolg habe, sei es aber schwierig, diesen Dreh zu bekommen, die Kraft zu finden, aus dem Erfolg heraus zu wachsen. „Dafür habe ich größten Respekt“, so der Telekommunikationsmanager, der aus der Luftfahrt kommt und bei Fluggesellschaften schwierige Aufgaben übernommen hat, nicht immer so, wie es die Stakeholder, also Eigentümer, Aktionäre oder andersweitig Anspruchsberechtigte wünschen. Es gelte, um erfolgreich zu arbeiten, das Vertrauen dieser Gruppe zu gewinnen.

Auf eigentümergeführte Unternehmen gemünzt, plädiert er ebenfalls für einen Team-Ansatz. Es gibt Visionäre wie Jeff Bezos, Mark Zuckerberg oder Elon Musk, die stark sind, „aber ältere Unternehmen haben keinen Jeff Bezos. Dann muss ein gutes Team im Fokus stehen.“ Ein richtiges Team, das auch richtig arbeite. „Entscheidend ist, dass man die richtigen Leute für die richtige Aufgabe hat.“ Ziel für ihn als Vorstandsvorsitzenden ist das Arbeiten in einer hierachielosen Hierarchie. Dafür arbeitet sein Unternehmen Magenta Telekom auch mit einem Psychologen zusammen, macht Firmenaufstellungen, das gebe schon ein gutes Gesamtbild. „Ich glaube das ist der richtige Weg.“

Den Teilnehmern des Wirtschaftsforums rät er aber auch zu einer gesunden Paranoia. „Die ist unerlässlich.“ Es sei falsch, sich in Sicherheit zu wiegen, wie es viele Firmen bei der Digitalisierung immer noch tun. Kodak sei das beste Beispiel dafür. Der einstige Foto-Weltmarktführer hat bekanntlich die Digitalisierung einfach negiert, heute gibt es das Unternehmen nicht mehr.

Aber auch sein Unternehmen, die damalige Telekom, habe nicht an Whats App geglaubt, als die heute wichtigste Nachrichtenapp zum Kauf angeboten wurde. „Wir haben so lange gewartet bis es zu spät war.“

Zur Person

Andreas Bierwirth

CEO Magenta Telekom

Geboren 8. Mai 1971

Ausbildung Studium Betriebswirtschaft Uni Münster

Laufbahn u. a. Finanzvorstand der Austrian Airlines, CEO Germanwings, verschiedene Aufsichtratsmandate Magenta Mitarbeiter  2500