Streit um Tourismusstudie

Markt / 28.11.2019 • 21:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hotellerie und Gastronomie kämpfen um Mitarbeiter und gegen negative Aussagen wie jene zum Arbeitsklima in der Branche. F/Kn
Hotellerie und Gastronomie kämpfen um Mitarbeiter und gegen negative Aussagen wie jene zum Arbeitsklima in der Branche. F/Kn

Vorarlberger Gastronomen zweifeln Ergebnisse der ÖGB-Arbeitsklimastudie an.

Feldkirch „32 Prozent der Gastronomie- und Tourismusangestellten wollen ihren Job wechseln“, stellte der neue Vorarlberger Gewerkschaftsvorsitzende Reinhard Stemmer unlängst bei einer Pressekonferenz fest. Er zitierte aus einer österreichweit vom Umfrageinstitut IFES durchgeführten Studie. Wie Stemmer haben auch andere Landesgewerkschaften diese Studie zum Anlass genommen, um kurz vor Start der Wintersaison Flagge zu zeigen. Flagge, das ist für die angegriffenen Unternehmen bzw. den Geschäftsführer der Sparte Tourismus, Harald Furtner, aber nichts anderes als der „Rückfall der Vorarlberger Gewerkschaft in ihr altes Rollenmuster“.

„Keine Vorarlberger Zahlen“

Damit nicht genug. Furtner spricht Stemmer die Deutungshoheit ab und zieht das Ergebnis der Studie in Bezug auf Vorarlberg generell in Zweifel: „Selbst IFES konnte auf unsere Anfrage keine Vorarlberger Zahlen vorlegen“, berichtet er. Insgesamt seien überhaupt nur 0,0006 Prozent der österreichischen Tourismusmitarbeiter befragt worden, in Vorarlberg seien es sogar weniger als 30 gewesen. Die Zahl dürfte ungefähr stimmen. „Es waren 30 Personen in Vorarlberg“, so Stemmer auf VN-Nachfrage. Österreichweit wurden rund 900 Personen befragt. Beschäftigte zählt das Hotel- und Gastgewerbe in Österreich 200.000, in Vorarlberg rund 15.000.

Nicht nur wegen des niedrigen Befragungssamples zweifelt man unternehmerseits die Umfrage an. Auch die Hauptaussage der von ÖGB-Chef Stemmer vorgetragenen Umfrageergebnisse gehe in Vorarlberg ins Leere. „Vom Umfrageinstitut wurde uns mitgeteilt, dass dieser Mangel bei den konzernstrukturierten Hotels in den Großstädten festgestellt wurde und nicht bei den kleinstrukturierten und familiengeführten Betrieben.“ In Vorarlberg seien aber etwa 99 Prozent der Betriebe familiengeführt. Das sei aber von der Vorarlberger Gewerkschaftspitze nicht erwähnt worden, beklagt Furtner und setzt noch eines drauf: „Der neue ÖGB-Chef hat bewiesen, dass er den Tourismus in Vorarlberg überhaupt nicht kennt.“ Für die Gewerkschaft war der Zeitpunkt für die Präsentation richtig, für die Gastronomen kam sie zur Unzeit. Denn noch sind noch lange nicht alle Stellen für die Wintersaison besetzt. Tourismussprecher Elmar Herburger spricht von „destruktiver Art der Gewerkschaft“.

Stemmer beharrt darauf, dass die Zahlen auch für Vorarlberg repräsentativ seien. Einem Vorschlag Herburgers würde er aber gerne folgen. Der Rankweiler Mohren-Wirt regt eine Untersuchung im Land an: „Damit diese permanenten unseriösen Angriffe auf die Branche ein Ende haben, werden wir dies durch eine repräsentative Studie zur Mitarbeiterzufriedenheit, bei der wir Partner und gegebenenfalls auch Arbeitnehmervertreter miteinbeziehen werden, darlegen.“ Stemmer bietet an, sich mit den Arbeitgebern zum Austausch an den Tisch zu setzen. „Es wäre gut für Mitarbeiter und Firmen, wenn es im Tourismus Betriebräte gäbe“, moniert er. Derzeit gebe es das in keinem einzigen Tourismusbetrieb. Herburger gibt Stemmer dazu mit auf den Weg, was in puncto Tourismusarbeitsplätze schon alles passiere: ,Great Place to Work‘, die Starcard – die den Mitarbeitern alle touristischen Leistungen, die den Gästen zur Verfügung stehen, anbietet – sowie die Tourismusausbildung ,Gascht‘. VN-sca

„Wir wollen die vor den Vorhang holen, die vorbildliche Arbeitgeber sind.“

„Was wir mehr denn je brauchen, ist ein Miteinander, kein Gegeneinander.“