Rentschler Fill Solutions stellt den Betrieb ein

Markt / 29.11.2019 • 22:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Schon im Sommer baute die Rankweiler Bio-Techfirma Mitarbeiter ab, nun wurde der Betrieb eingestellt.

Rankweil, Laupheim Es war eine Sternstunde für die Vorarlberger Betriebsansiedler, jetzt schaut es danach aus, als ob die Ansiedlung der Firma Rentscher Fill Solutions in Rankweil zum Desaster wird. Am Donnerstag wurden vom Anwalt der Firma, Lukas Pfefferkorn, die verbliebenen rund 40 Mitarbeiter nach Hause geschickt, manche der geschockten Mitarbeiter sprechen sogar von einem „Betretungsverbot“. Die Firma gibt es unter dem bisherigen Namen schon jetzt nicht mehr, sie firmiert unter Impletio Wirkstoffabfüllung mit Sitz in Dornbirn, Messestraße 11. Als Eigentümer scheinen die Regös AG (Anteil: 88,1429 Prozent, im Eigentum von Nikolaus und Friedrich Rentschler) Michaela Christine Adelberger (Anteil: 9 Prozent) sowie Nikolaus Rentschler 2,8571 Prozent) auf. Postadresse ist aber die Adresse von Rentschler, nämlich Rankweil, Römergrund 6. Geführt wird dieses Unternehmen seit 21. November 2019 von Rentschler-Laupheim-Manager Manfred Fraaß.

30 Millionen investiert

Bei der Eröffnung im November 2018 sah die Welt noch rosig aus für den Biopharma-Hersteller. Eigentümer und Politiker verwiesen darauf, dass das Werk zur Abfüllung von Biopharmazeutika weltweit zu den modernsten zählt. Für die zu erwartenden guten Geschäfte wurde auch das Nachbargrundstück für die Erweiterung gesichert. Die Poltik freute sich über einen neuen Wirtschaftszweig, der neben Elektro-, Metall-, Lebensmittel und Textilindustrie für eine breitere Aufstellung des Standortes sorgen werde. Inklusive Anziehungskraft für weitere Pharmaziebetriebe. Immerhin hatte die Besitzerfamilie, die in Laupheim (Kreis Biberach, BW) die Rentschler Biopharm SE betreibt, über 30 Millionen Euro in Rankweil investiert, 60 Mitarbeiter waren die Startmannschaft, in Aussicht gestellt wurde damals die Verdoppelung der Mitarbeiter.

Dazu kommt es zumindest vorläufig nicht. Nachdem bereits im Sommer rund 20 Mitarbeiter abgebaut wurden (die VN berichteten) und ein neuer Vorstand installiert wurde, sind nun auch die restlichen Mitarbeiter freigestellt. Die Firma Rentschler Biopharm SE habe die Zusammenarbeit mit Rentschler Fill Solutions eingestellt, heißt es aus Laupheim mit dem Hinweis, dass die beiden Firmen überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Weitere Informationen sind deshalb in Laupheim nicht zu erfahren. Insider sprechen davon, dass der Medikamenteabfüller Qualitätsprobleme bis heute nicht in den Griff bekommen habe, obowohl Rentschler Fill Solutions im August von der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) die unbefristete pharmazeutische Herstellungserlaubnis für den europäischen Markt erhalten hatte.

Management auf Tauchstation

Konkrete Aussagen seitens der Firma gibt es nicht, denn sowohl Geschäftsführung als auch der Überbringer der Nachricht an die Mitarbeiter, der Dornbirner Wirtschaftsanwalt Lukas Pfefferkorn, ließen Anrufe und Mails unbeantwortet, die Telefonvermittlung von Rentschler erklärte, sie nehme Anrufe für die Firma extern entgegen. Das Management war eventuell damit beschäftigt, nach der Betriebsversammlung alle Firmenschilder am Gebäude in Rankweil zu entfernen und die Homepage offline zu schalten. Ob die „Stilllegung des Unternehmens“, wie es ein Mitarbeiter nannte, nur temporär ist oder in eine Insolvenz mündet, bleibt vorerst unbeantwortet. Sicher ist, dass sich das die Investoren anders vorgestellt haben.

Rentschler-Gebäude mit Beschriftung, seit gestern Freitag ohne Beschriftung. P.Saely/GMS
Rentschler-Gebäude mit Beschriftung, seit gestern Freitag ohne Beschriftung. P.Saely/GMS

Facts

Gegründet 2015

Geschäftsführer Manfred Fraaß Eigentümer Fam. Rentschler

Mitarbeiter Februar 2019 60, August 2019, 40 (Prognose bei der Eröffnung: bis 2020 100)

Investition 30 Mill. Euro

Gesamtkapazität 3,5 Millionen Vials (Injektionsfläschchen)

Produktion flexible und skalierbare Abfüllungen von Medikamenten