Rentschler-Pleite: „Ein menschlicher Fehler ohne Vorsatz“

Markt / 06.12.2019 • 13:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beim Stammsitz von Rentschler Fill Solutions in Rankweil sind die Schilder abmontiert. VN

Am Stammsitz der Eigentümerfamilie in Laupheim spricht man von Qualitätsproblemen.

Laupheim Auch im oberschwäbischen Laupheim wundert man sich über die Pleite der Impletio Wirkstoffabfüllung (vormals Rentschler Fill Solutions, Rankweil). Dort ist nämlich die Rentschler Biopharma SE, ebenfalls im Besitz der Unternehmerfamilie, beheimatet. Sie entwickelt und produziert Biopharmazeutika.

Rentschler Fill Solutions und Rentschler Biopharma wollten eigentlich strategisch zusammenarbeiten. Der Rankweiler Standort sollte für Kunden auf Wunsch die in Laupheim hergestellten Wirkstoffe abfüllen. In Laupheim spricht man nun von „Auffälligkeiten“ bei der Dokumentation, die im Zuge der Vorbereitung auf eine Inspektion in Rankweil entdeckt worden seien, woraufhin der Geschäftsführer von Rentschler Biopharma, Frank Mathias, nach Rankweil geschickt worden sei. Die Probleme seien so gravierend gewesen, dass die Arbeit von Rentschler Fill Solutions nicht mit den eigenen Qualitätsansprüchen und auch nicht mit den strengen gesetzlichen Vorgaben vereinbar gewesen seien, sagt Mathias im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung.

Es gebe derzeit zwar keine Hinweise auf Produktmängel bei den abgefüllten Arzneien, man könne das aber auch nicht zu hundert Prozent ausschließen, weil die Dokumentation nicht wie vorgeschrieben lückenlos gewesen sei. Daraufhin habe man die Kunden informiert und einen Produktionsstopp verhängt sowie den Kooperationsvertrag mit Rentschler Fill Solutions gekündigt. „Es gibt keine Kompromisse beim Thema Qualität“, begründet Mathias diesen Schritt. Nikolaus F. Rentschler, Inhaber und Aufsichtsratsvorsitzender der Rentschler Biopharma SE, habe die Entscheidung ohne Wenn und Aber mitgetragen.

Desaster verursacht

Mathias geht im Interview mit der „SZ“ davon aus, dass menschliche Fehler – „gewiss nicht vorsätzlich“ – das Desaster verursacht haben. In Laupheim ist man nun auf der Suche nach anderen Abfüllern. Denn die eigene aseptische Abfüllanlage wurde dort Ende Juni geschlossen. Zudem sei man in Verhandlungen, diese Anlage vorübergehend wieder in Betrieb nehmen zu können.

Einen Neustart in Rankweil halten indes mit dem Fall vertraute Personen für eher unwahrscheinlich. Eine gestern Nachmittag stattgefundene Betriebsversammlung für die Mitarbeiter habe noch keine Erkenntnisse gebracht.