Hospiz-Hotelier Florian Werner: „Von Generation zu Generation werden die Rucksäcke übergeben“

Markt / 07.12.2019 • 08:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hotelier Florian Werner ist stolz auf die Kunst- und Konzerthalle als Teil seines Resorts. VN/LERCH

Die Verantwortung und den Druck will er seinem Sohn nicht antun.

St. christoph Florian Werner führt das Arlberg Hospiz in dritter Generation. Ein Gespräch über Krisen in der Vergangenheit und Chancen für die Zukunft.

Kürzlich wurde bekannt, dass Sie 51 Prozent Ihres Hotels an Soravia verkaufen wollen. Warum diese Entscheidung?

Konkret kann ich darüber nicht sprechen, weil wir gerade inmitten der Verhandlungen stehen. Aber letztlich ist es egal, wie der Partner heißt. 1997 bin ich im Hotel eingestiegen und von Generation zu Generation werden die Rucksäcke übergeben, mit allen Schulden und Belastungen. Jung und dynamisch unterschreibt man inklusive persönlicher Haftungen. Man ist also verhaftet und kann nicht einfach den Hut draufhauen. Die Chance, den Rucksack wieder loszuwerden, habe ich erst wieder, wenn ich ihn meinem Sohn umhänge. Das will ich ihm aber nicht antun.

Welche Chancen sehen Sie dadurch?

In unserer Branche gilt das als Fauxpas. Aber für mich ist es die Chance, einen Partner reinzuholen und 51 Prozent meiner Schulden loszuwerden. Ich bin dann nach 20 Jahren wieder ein freier Mensch. Meine Stärke ist das Gastgeberdasein und die Stärke eines Geschäftspartners ist die Immobilienseite. Es ist jemand, der genau weiß, wie man damit umzugehen hat. Ich habe 2004 einen Spa-Bereich mit 2000 Quadratmetern gebaut. Nicht weil es Sinn gemacht hat, sondern weil andere bereits 1500 Quadratmeter hatten. In der Zeit musste alles noch größer und besser sein. Mit einem Partner muss ich nicht allein den Druck tragen und muss meinem Sohn nicht die ganze Verantwortung übertragen. Er kann ohne Druck entscheiden, ob er der nächste Werner-Wirt werden will.

Hat sich die Branche zu stark professionalisiert?

Ja. Das wird immer mehr zunehmen. Das Hospiz war immer ein Leuchtturm und vielleicht können wir nun die Branche aufrütteln. Weil es selbst uns erwischen kann und auch wir nicht gefeit vor einer wirtschaftlichen Krise sind.

Sie sprechen die Finanzkrise an?

Die Finanzkrise hat uns erwischt und uns nach den Bombenjahren, die wir zuvor erlebt haben, aus der Spur geworfen. Ein Beispiel: Vor der Finanzkrise haben amerikanische Banken bei uns im Jänner drei Wochen lang 30 Zimmer durchgehend gebucht. Dazu gab es alle zwei Tage Galadinners und Champagnerempfänge. Durch die Finanzkrise blieb das aus. Das hat uns dann gleich mal eine Million Euro an Umsatz gekostet und so schnell kommt man da nicht mehr hoch. Auch weil wir auf eine Krise nicht vorbereitet waren.

Ist der Arlberg krisenfest?

Ich kenne insgesamt niemanden, der krisenfest ist, auch nicht andere Regionen wie das Salzkammergut oder den Wörthersee. Wir haben immer geglaubt, so lange wir Schnee haben, machen wir Geschäft. Und dann kam die Lehman-Pleite und wir haben zu lange gebraucht, um uns davon zu erholen. Jetzt brauchen wir den Impuls durch einen Partner. Ich freue mich sehr darauf, egal wie er dann heißt. Dann ist das Thema der Alleinbelastung vom Tisch. Auch weil nun auch noch die Bruderschaft auf mich zukommt. Man kann allein nicht eine Weinfirma, ein Hotel, eine Alm, eine Bruderschaft, eine Familie und ein Leben haben. Und mitnehmen kann man bekanntlich nichts.

Viele machen die Kunst- und Konzerthalle für die Turbulenzen verantwortlich. Würden Sie zurückblickend auf diese Investition verzichten?

Leider ist sie in Missgunst geraten. Dabei ist es ein großes Glück, dass wir sie haben. Sie ist durchfinanziert, nur in der Bewerbung ist uns die Luft ausgegangen. Mit einem Partner hätte ich es vielleicht anders angegangen, aber sie ist insgesamt ein riesiges Asset für uns.

Was haben die ganzen Jahre mit Ihnen persönlich gemacht?

Ich habe in der Zeit massiv viel gelernt und ich möchte nichts davon missen. Auch wenn viele emotionale Tsunamis dabei waren, wächst man mit jeder Herausforderung. Aber wenn ich mein Leben ins Jahr 2000 zurückdrehen könnte, möchte ich das alles so nicht mehr durchmachen, außer mit dem Know-how von heute. Dass viele Nachfolger in der dritten Generation scheitern, liegt oft an einem Grund: Die erste Generation baut auf, die zweite führt das im gleichen Fahrwasser fort und die dritte soll das ebenfalls. Aber die Welt hat sich verändert und dennoch soll man im Fahrwasser der Generationen bleiben? Das funktioniert nicht. In einem Konzern überarbeitet man auch alle paar Jahre die Strategie. Aufgeben war für mich aber nie eine Option. Heute weiß ich, es wird gut werden.

Welche Gäste kommen ins Hospiz?

Jeder Ort, von St. Christoph bis St. Moritz, hat seinen eigenen Gast. Unser Gast fährt gerne Ski. Er sucht nicht das Glamouröse und muss sich nichts beweisen. Man kann in St. Christoph weder mit seinem Luxusauto durchs Dorf fahren, noch kann man im Pelzmantel flanieren.

Kann St. Christoph auch im Sommer funktionieren?

Darüber denke ich seit 30 Jahren nach. Eine 60 Jahre andauernde Wintertourismusgeschichte umzukrempeln, ist gar nicht so einfach. Zudem sind wir ja eine Destination innerhalb einer Destination und wir liegen 400 Meter höher als Lech, dementsprechend kälter ist es. Es werden letztlich nicht die Wanderer oder die Mountainbiker sein, aber ich glaube, wir werden einen Weg finden.

Stehen Investitionen an?

Wir bleiben traditionell, aber es wird vor allem technische Erneuerungen geben. Denn in schwierigen Zeiten konnten wir nicht viel Geld ausgeben.