Gut vorbereitet in die neue Zeit

Markt / 09.12.2019 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hirschmann Automotive entwickelt für Verbrenner und elektrischen Antrieb. Die Fachkräfte werden in Rankweil (Bild) ausgebildet.FA/Marcel Mayer
Hirschmann Automotive entwickelt für Verbrenner und elektrischen Antrieb. Die Fachkräfte werden in Rankweil (Bild) ausgebildet.FA/Marcel Mayer

Automobilindustrie im Umbruch. Vorarlberger Zulieferer fürchten sich nur vor der Politik.

Schwarzach In Deutschland sitzen die größten Kunden eines bedeutenden Vorarlberger Industriezweiges. Diese Kunden befinden sich zumindest im zu Ende gehenden Jahr in einer Krise, die in den vergangenen Jahren ob ständig steigender Absatzzahlen entweder schlicht nicht gesehen oder aber einfach negiert wurde. Die deutsche Autoindustrie rechnet damit, in den nächsten Jahren bis zu einer Million Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Auch das größte Unternehmen in der Bodenseeregion, der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen, kündigt unangenehme Maßnahmen an. Der Auto- und Lkw-Zulieferer, der weltweit rund 150.000 Mitarbeiter beschäftigt, schließt Kurzarbeit in deutschen Werken für die kommenden Monate nicht aus. Konzernchef Wolf-Henning Scheider sagte am Montag in Stuttgart: „Wir sind in einer sehr angespannten Situation.“ Er rechne mit einer zwei Jahre dauernden Phase der Stagnation.

Krisenmerkmale

Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney unterstreicht die Wahrnehmung von Scheider und warnt vor einer möglichen Krise, die auch die österreichische Automobilindustrie mit ihren 210.000 Beschäftigten treffen könne. Laut A.T. Kearney weisen knapp die Hälfte aller analysierten Automobilzulieferer Krisenmerkmale auf.

Auch der Dornbirner Automobilzulieferer Henn musste seine Wachstumspläne für 2019 zurücknehmen. Unterm Strich könne man mit dem Ergebnis aber noch zufrieden sein, analysiert Henn-Eigentümer Martin Ohneberg und zeigt sich für 2020 leicht optimistisch. Auf der positiven Seite verbucht er, dass die Investitionen in Produktion und Betrieb in den letzten Jahren hoch gewesen seien und jetzt genug Kapazität für die nächsten Jahre vorhanden sei. Man sei für den Umbruch im Autogeschäft auf elektrisch dank intensiver Entwicklung gut aufgestellt, ebenso im Geschäft mit den Verbrennern, das ja auch nicht von heute auf morgen wegbreche. Außerdem: „Die Elektrifizierung sieht überall anders aus, ist in jedem Land und jeder Weltregion anders.“

Volker Buth, CEO bei Hirschmann Automotive, sieht das Rankweiler Unternehmen mit weltweit rund 5500 Mitarbeitern nach einem herausfordernden Jahr, das das jahrelang anhaltende Wachstum gebremst hat, auf dem richtigen Weg. „Wir haben für das kommende Jahr schon sehr gute Aufträge“, berichtet er. „Vieles im Hochvoltbereich, aber auch bei den Verbrennern sind wir gut organisiert“, schätzt er die Lage aus technologischer Sicht positiv ein. Man sei weltweit der erfolgreichste Anbieter im Spezialsegment.

Sorgen machen sich die beiden Automotive-Manager allerdings wegen anderer Dinge, die schlecht zu beeinflussen sind. Die geopolitische Lage mit ihren unwägbaren Akteuren könne, sind sie sich einig, natürlich 2020 einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Und dagegen sei man machtlos. VN-sca

„Wir sind in einer guten Ausgangssituation und rechnen 2020 mit Wachstum.“

„Wir gehen positiv in die Zukunft. Was wir nicht beeinflussen können, ist die geopolitische Lage.“