Großpleiten mit Einfluss

Markt / 11.12.2019 • 19:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die 28-Millionen-Euro-Pleite der Firma Impletio Wirkstoffabfüllung GmbH gilt als größte Insolvenz seit Jahren in Vorarlberg. VN
Die 28-Millionen-Euro-Pleite der Firma Impletio Wirkstoffabfüllung GmbH gilt als größte Insolvenz seit Jahren in Vorarlberg. VN

Heuer mehr Firmeninsolvenzen als im Vorjahr. Auch 2020 soll die Tendenz weitergehen.

Feldkirch Der Konkurs der Rentschler-Nachfolgefirma Impletio Wirkstoffabfüllung GmbH mit Unternehmenssitz in Dornbirn und Rankweil hat die Insolvenzstatistik des heurigen Jahres ordentlich beeinflusst. Bei der größten Pleite der vergangenen Jahre in Vorarlberg geht es um Verbindlichkeiten in Höhe von 28 Millionen Euro, 44 Gläubiger und 40 Mitarbeiter. Es ist nicht nur die größte Insolvenz der letzten Jahre in Vorarlberg, sondern kommt auch österreichweit auf den sechsten Platz der größten Insolvenzen. An Stelle zwei und drei folgen in Vorarlberg die Alge Elastic GmbH mit 14,4 Millionen Euro und 120 Mitarbeitern sowie die HAFI Engineering & Consulting Ges.m.b.H. mit 11,3 Millionen Euro.

65 Prozent mehr Passiva

Die hohen Verbindlichkeiten führten dazu, dass die Gesamtsumme heuer kräftig anstieg. „Diese Insolvenz lässt die Passiva um 65 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres massiv steigen“, sagt Regina Nesensohn, Leiterin des KSV1870 in Feldkirch. Konkret auf 76 Millionen Euro. Insgesamt landeten 2019 123 Unternehmen in der Insolvenz, das sind um 3,4 Prozent mehr als 2018. Davon wurden 76 Insolvenzverfahren eröffnet und 47 mangels kostendeckendem Vermögen abgewiesen. Betroffen sind 329 Dienstnehmer, um 22,77 Prozent weniger als noch 2018.

Für 2020 rechnet der KSV1870 mit einer erneuten Steigerung bei den Firmeninsolvenzen. Denn das Jahr werde für viele Wirtschaftstreibende eine besondere Herausforderung, besonders für die Automobilindustrie. „Die Krise in der deutschen Automobilindustrie wirkt sich auf die Betriebe in Vorarlberg aus. So war der Vorarlberger Prototyphersteller Prototech bereits gezwungen, aufgrund von Umsatzeinbußen Insolvenz anzumelden. Zudem muss in den wachsenden Bereich der Elektromobilität in Umstrukturierungen und Umschulungen der Mitarbeiter investiert werden“, erklärt Regina Nesensohn. Um den wirtschaftlichen Erfolg der Vorarlberger Unternehmen voranzutreiben, spiele die Fachkräfteausbildung eine wesentliche Rolle. „Damit das Ländle als Produktions- und Wirtschaftsstandort attraktiv bleibt, muss auch der technologische Fortschritt sowie die Digitalisierung intensiviert werden.“

Normalität eingekehrt

Während nun die Firmenpleiten in diesem Jahr anstiegen, kehrte bei den ZAhlen zu den Privatinsolvenzen wieder Normalität ein. Die Auswirkungen der Gesetzesnovelle für Privatkonkurse 2017, die bei den Privatpleiten im darauffolgenden Jahr einen enormen Schub auslöste, dämmen sich nun ein. So wurde 2019 bislang ein Rückgang von 21,7 Prozent verzeichnet. Mit 440 Fällen heuer liegt man in Vorarlberg wieder auf dem Mittelwert der Jahre 2017/18.

Die meisten Privatkonkurse wurden in den Bezirken Bregenz und Feldkirch eröffnet. Die durchschnittliche Schuldenhöhe liegt bei rund 93.000 Euro. Dabei gebe es aber einen Unterschied: Während sich die Schulden von Privaten auf durchschnittlich 73.000 Euro belaufen, sind es bei ehemals selbstständigen Unternehmern rund 170.000 Euro.

Zahlen und Fakten

123 Unternehmen schlitterten heuer in die Insolvenz. Das sind um 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

76 Millionen Euro betrugen die gesamten Verbindlichkeiten der Firmen. Das bedeutet einen Anstieg um 65 Prozent.

 

28 Millionen Euro betrugen die Verbindlichkeiten von Impletio. Es ist die größte Insolvenz seit Jahren.