„Haben Platz und mögen die Vorarlberger“

Markt / 17.12.2019 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bürgermeister Hans-Jörg Henle (r.) macht offensive Standortpolitik und hat dabei Rückhalt der Bürger und über die Fraktionsgrenzen hinweg. SL
Bürgermeister Hans-Jörg Henle (r.) macht offensive Standortpolitik und hat dabei Rückhalt der Bürger und über die Fraktionsgrenzen hinweg. SL

Leutkirch im Allgäu setzt auf Doppelmayr-Ansiedlung. Neues Betriebsgebiet mit 60 Hektar entsteht.

Leutkirch Die große Kreisstadt Leutkirch hat, was viele nicht haben. Viel Platz. Mit 175.000 Quadratmeter Gemeindefläche gehört die Stadt zu den flächenmäßig größten in Baden Württemberg. Das gab auch den Ausschlag für eine offensive Ansiedlungspolitik, so Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle im Gespräch mit den VN. Schließlich will die Infrastruktur für die Stadt mit ihren angegliederten Ortsteilen auch finanziert werden. Außerdem wollten die Stadtväter Arbeitsplätze schaffen und Steuern lukrieren. Was gelungen ist. „Wir haben in den letzten zehn Jahren ein Plus von 35 Prozent bei den Arbeitsplätzen geschafft“, zieht er Bilanz. Für den Wolfurter Seilbahnhersteller Doppelmayr ist die Stadt jedenfalls erste Wahl für eine allfällige Expansion. Was macht die Anzeihungskraft des Standortes, 40 Minuten Autofahrt entfernt von Vorarlberg, aus?

95 Prozent Zustimmung

Im Gemeinderat habe man sich auf diese Strategie geeinigt, die Bürger der Stadt ziehen mit. Für die Ansiedlung des Ferienresorts Center Parcs stimmten beim Bürgerentscheid 95 Prozent bei hoher Wahlbeteiligung. Ein Ergebnis, das vorher und nachher nirgends in Baden Württemberg erzielt werden konnte. Ausschlaggebend sei gewesen, dass man von Anfang an sehr transparent über die Pläne berichtet und die Naturschutzorganisationen ins Boot geholt habe. „Wir haben BUND und NABU eingeladen, ein Gutachten zu erstellen und haben selbst eines erstellt. Nachdem wir mehr schützenswerte Pflanzen und Tiere aufgelistet haben als sie, war das Vertrauen da“, berichtet Henle. Nun plant die Stadt in verkehrstechnisch guter Lage nahe der Autobahn Lindau-München den nächsten Coup. „In den nächsten fünf Jahren werden wir auf einem großen Kiesanbaugebiet ein ein Gewerbegebiet mit rund 60 Hektar entwickeln“, berichtet der Bürgermeister. Besiedelt werden soll das Gebiet, darin sind sich die Fraktionen im Rathaus und die Bürger einig, sowohl von heimischen Betrieben, die sich gut positionieren oder vergrößern wollen, als auch von Neuansiedlern.

„Gerne auch aus Vorarlberg“, so der Oberbürgermeister der großen Kreisstadt, denn „wir haben Platz und mögen die Vorarlberger gern, das passt auch menschlich sehr gut“. Natürlich gibt es eine Prioritätenliste. Nämlich produzierende Unternehmen oder Dienstleiser, die Arbeitsplätze schaffen. Eine Lagerhalle hinzustellen, und dann nur zwei Arbeitsplätze zu schaffen, sei zu wenig, begründet er die Zurückhaltung gegenüber Logistikern. „Aber im neuen Gewerbegebiet gibt es dann auch Platz dafür, denn das gehört zu einer funktionierenden Wirtschaft.“

Die Ansiedlung von Doppelmayr spiele für die Stadt eine große Rolle, bestätigt er. „Wir sind sehr aktiv dabei, damit alles klappt“, sagt er und bestätigt, dass die Zusammenarbeit mit den Wolfurtern, die das gesamt elf Hektar große Betriebsgelände erworben haben, sehr gut sei. An seiner Verwaltung wird es nicht scheitern. Denn er kann auch auf die wirtschaftsfreundlichste Verwaltung des Kreises Ravensburg verweisen. „Da haben die Unternehmen abgestimmt“, so der Bürgermeister, weist aber auch darauf hin, dass man nicht auf die Umwelt vergisst. Die Stadt wurde bereits zum achten Mal für ihre Solarstrategie ausgezeichnet, die Maßnahmen zur Energiewende wurden von den Bürgern erarbeitet. „Dabei wurden wir vom Vorarlberger Zukunftsbüro sehr professionell beraten.“ VN-sca

„Bei der Umsetzung unserer Projekte setzen wir auf Transparenz und breite Beteiligung.“

Mehr Informationen: Leutkirch, Wirtschaftsförderung, Thomas Stupka, oder direkt bei Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle (Hans-Joerg.Henle@Leutkirch.de)