Walz 4.0: Erasmus-Programm für Lehrlinge attraktiv

Markt / 17.12.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Johannes Fetzel (li. freut sich auf sein Praktikum, Elias Klinger aus Dresden hat in Hittisau viel Neues gelernt. VN/STEURER

Viel zu wenig bekannt: EU unterstützt auch Auslandspraktika für Lehrlinge

Hittisau, Dresden Auf die Walz gehen Gesellen seit Jahrhunderten, um sich beruflich zu perfektionieren, um neue Länder, Menschen und Betriebe kennenzulernen. Es gibt Branchen, z. B. die Zimmerer, in der heute noch oder inzwischen wieder viele junge Menschen auf Wanderschaft gehen, um sich zu bilden und Weltläufigkeit zu trainieren.

Wertvolle Erfahrungen

Die Walz gibt es auch in modern, sozusagen Walz 4.0. Auf regionaler Ebene funktioniert bereits seit vielen Jahren das Programm xChange, das Lehrlingen die Möglichkeit gibt, in Betrieben rund um den See sowie bis ins Elsaß und nach Salzburg ein Praktikum zu machen. Bislang war auch Südtirol Teil dieser Ausbildungsallianz, doch schärfere Arbeitsgesetze machen das derzeit fast unmöglich, berichtet Markus Faißt, Eigentümer und Gesschäftsführer der Holzwerkstatt Faißt in Hittisau, der das Programm seit vielen Jahren aktiv und aus Überzeugung unterstützt. Faißt, der seine Erfahrungen im Ausland als wertvoll beschreibt, ermöglicht seinen Mitarbeitern die Teilnahme an solchen Studienprogrammen und steht auch als Praktikumsbetrieb zur Verfügung.

„Erasmus+ für Lehrlinge ist ein tolles Werkzeug, aber viel zu wenig bekannt“

Markus Faißt, Holzwerkstatt, Hittisau

Derzeit ist der Dresdner Elias Klinger Teil des Teams, und das sei, so Klinger, wörtlich zu nehmen, denn die Faißt-Mitarbeiter integrieren ihre Berufskollegen in den täglichen Betrieb und leben auch in der Freizeit Kollegialität. Doch die Erasmus-Lehrlinge müssen selbst aktiv werden, wenn sie Unterstützung aus dem Förderprogramm, das gemeinhin mit studierenden jungen Menschen in Verbindung gebracht wird, wollen. Klinger hat sich den Hittisauer Betrieb selbst ausgesucht, hat sich beworben und mithilfe der Mobilitätsbeauftragten der Indunstrie- und Gewerbekammer Dresden alle bürokratischen Hürden überwunden. Dank der Unterstützung hielt sich, so Klinger, der Aufwand in Grenzen. Vom Aufenthalt, der diese Woche endet, ist er begeistert. Der junge Dresdner hat, bevor er die temporäre Stelle in Hittisau antrat, einen Lehrplan mit Faißt ausgearbeitet, für ihn, der in den renommierten Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden vor allem Innenausstattung für Luxusyachten hergestellt hat. Bei Faißt lernt er den Umgang mit Massivholz, was ihn begeistert. Die beiden Stühle, die er im Zuge seines Aufenthalts gefertigt hat, nimmt er mit nach Hause. Bei Faißt wird demnächst Johannes Fetzel ausfallen. Er tritt ein xChange-Praktikum in der Schweiz an und freut sich ebenfalls auf neue Eindrücke – beruflich wie privat.

Mehr Informationen über das Lehrlingsaustauschprogramm xChange und das Erasmus+-Programm: Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Vorarlberg, micheluzzi.sabrina@wkv.at , xchange-info.net