Freiheitsgefühl auf Rädern

Markt / 19.12.2019 • 19:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hymer-Geschäftsführer Martin Brandt war anlässlich des Future Talks zu Gast in Dornbirn. Die Stadt kennt er von seinem Engagement bei Zumtobel. Hymer, VN
Hymer-Geschäftsführer Martin Brandt war anlässlich des Future Talks zu Gast in Dornbirn. Die Stadt kennt er von seinem Engagement bei Zumtobel. Hymer, VN

Wohnmobile erleben einen Boom und werden künftig autonomer und vernetzter.

Dornbirn Als Martin Brandt nach seinem fünfjährigen Engagement im Vorstand der Zumtobel Group 2015 zu Europas Marktführer für Wohnwagen- und Reisemobile wechselte, machte das Unternehmen 900 Millionen Euro Umsatz. Heute sind es 2,5 Milliarden. „Der Markt wächst zweistellig“, sagt der Geschäftsführer von Hymer im VN-Gespräch.

Den klassischen Kunden, der mit seinem Reisemobil vier Wochen nach Italien fährt, gebe es nach wie vor. Aber die vergangenen Jahre seien auch neue Kunden dazugekommen. „Viele wollen ein kompakteres Fahrzeug, das sie auch unterm Jahr nutzen können. Beispielsweise wenn sie am Wochenende zum Klettern oder Mountainbiken fahren“, so Brandt.

Zudem gebe es die Tendenz, auch für Städtereisen das Wohnmobil zu nutzen, weil dort vermehrt Stellplätze entstehen. Der Individualismus spielt Hymer in die Karten. „Für viele sind mittlerweile auch Pauschalreisen zu konform. Dazu kam die Reiseangst durch den Terrorismus“, spricht Brandt weitere Faktoren für den Boom um Reisemobile an. Genauso würden aktuell viele Babyboomer in Pension gehen, die gut verdient haben. „Sie wollen das Freiheitsgefühl von früher, nur eben komfortabler“, betont der Geschäftsführer. 

Viele Marken

23 Marken vereint die Hymer-Gruppe unter einem Dach, darunter auch Finanzierungs-, Vermietungs- oder Zubehörsfirmen. Dass es mit Hymer, Dethleffs, Bürstner, Carado, Eriba oder Laika mehrere Wohnmobil- und Wohnwagen-Marken gibt, erklärt sich vor allem durch den hohen Marktanteil in Deutschland. „Wenn wir in einer Stadt zwei Händler haben, brauchen wir verschiedene Marken. Zudem gibt es eine große Preisspreizung, die zwischen 10.000 und 300.000 Euro liegt. Das ist mit nur einer Marke nicht abbildbar“, betont Brandt.

Hymer produziert im deutschen Bad Waldsee. Das soll so bleiben. Auch wenn das Unternehmen heuer im Februar an US-Marktführer Thor verkauft wurde. „Es hat sich für uns nicht viel geändert. Die Produkte sind sehr unterschiedlich. In den USA gibt es eher größere Wohnmobile, während in Europa eher kompaktere und leichtere Fahrzeuge nachgefragt werden“, sagt der Hymer-Geschäftsführer. Das liegt vor allem an der 3,5 Tonnen Grenze, bis dahin die Reisemobile noch mit einem Pkw-Führerschein gefahren werden können.

Allerdings schielt man nun bei Hymer auch auf den amerikanischen Markt. In den USA soll eine Fabrik gebaut werden, um dort europäische Fahrzeuge mit europäischem Design zu produzieren.

Über 300.000 Fahrzeuge

Zusammenarbeit mit Thor gibt es vor allem im Einkauf, denn man habe oft die gleichen Lieferanten. „Wir produzieren 60.000 bis 70.000 Fahrzeuge im Jahr, Thor 250.000. Zusammen kommen wir also auf ein hohes Volumen“, sagt Brandt.

Technologiesprünge

Aber auch technologische Sprünge stehen den Firmen bevor. Dabei geht es um alternative Antriebe, um autonomes Fahren und um das Thema vernetztes Heim. Das bedeute immense Investitionen. „Gemeinsam können wir das besser bewerkstelligen“, ist der Hymer-Geschäftsführer überzeugt. Batterien seien aufgrund des Gewichts sowie der Reichweite noch schwierig. Dafür arbeite man mit Daimler an Brennstoffzellen-Lösungen und setze auch auf Gasantrieb.