Lehrlingszahl steigt leicht

Markt / 25.12.2019 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

wien Die Wirtschaft ortet eine Renaissance der Lehre, die Statistik zeichnet aber ein differenzierteres Bild. Zwar steigt die Lehrlingszahl – allerdings nur minimal und nach einem Kahlschlag in den vergangenen Jahren. Einen drastischen Rückgang gab es bei der Zahl der Lehrbetriebe, zeigt der 200. Forschungsbericht des Institutes für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw).

Ende Dezember 2018 gab es in Österreich 107.915 Lehrlinge, im Jahr zuvor waren es 106.613. Damit ist ihre Zahl erstmals seit zehn Jahren wieder gestiegen. Wobei nicht nur die Gesamtzahl zulegte, auch der Prozentsatz der Jugendlichen eines Jahrganges, der sich für die duale Ausbildung entscheidet, erhöhte sich. Allerdings war der Anstieg im Vorjahr minimal, der Rückgang im vergangenen Jahrzehnt jedoch beachtlich. So gab es 2008 noch um rund 24.000 Lehrlinge mehr. Der Höchststand bei den Lehrlingen wurde im Jahr 1980 mit mehr als 194.000 erreicht.

Deutlich gesunken ist die Zahl der Lehrbetriebe. Lag sie 1998 noch bei 39.540, sind es mittlerweile nur noch knapp 28.000 Betriebe, die ausbilden. Führendes Bundesland bei der Lehrlingsausbildung ist Oberösterreich mit 23.160 Auszubildenden. Lediglich im Burgenland gab es im Vorjahr einen Rückgang bei der Lehrlingszahl.

Die Sparte mit den größten Zuwächsen ist Information & Consulting (plus 6,9 Prozent), gefolgt von der Industrie (3,9 Prozent). Im Tourismus, der besonders unter Fachkräftemangel leidet, betrug das Plus im Vorjahr 1,6 Prozent. Auffällig dabei: Bei der Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr gab es bei Hotels und Restaurants einen Rückgang.

In keiner anderen Branche klafft die Schere zwischen Lehrstellensuchenden und offenen Stellen weiter auseinander als im Tourismus. Im Herbst 2019 standen 463 Lehrstellensuchende 2.320 offene Lehrstellen gegenüber. Zum Vergleich: 900 Lehrlinge suchten einen Büroarbeitsplatz, ihnen standen 423 offene Stellen gegenüber.

Knapp zwei Drittel der Lehrlinge steigen mit 15 oder 16 Jahren in die Ausbildung ein, immerhin sechs Prozent sind 21. Jahre und älter. 31 Prozent der Lehrlinge starten nach einer polytechnischen Schule mit der Ausbildung, es folgen berufsbildende mittlere Schulen mit 15 Prozent und die Hauptschule/NMS mit 13 Prozent. Aus der Sonderschule kommen 1,6 Prozent, 0,6 Prozent waren zuvor in der AHS-Unterstufe. Der Prozentsatz der 18- bis 24-jährigen ohne weiterführenden Bildungsabschluss liegt in Österreich bei 7,3 Prozent, der EU-Schnitt bei 10,6 Prozent. Schlusslicht ist Spanien mit 17,9 Prozent.

Die Anzahl der Lehrlinge, die ihre Ausbildung abbrechen war in den vergangenen Jahren mit rund 16 Prozent sehr stabil. Geschlechterunterschied gibt es keinen. Allerdings haben 33 Prozent der Lehrlinge mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft die Lehre abgebrochen, während es bei den jungen Österreichern 13 Prozent waren.

Der Anteil der weiblichen Lehrlinge ist seit Jahrzehnten mit rund 30 Prozent stabil. „Weibliche Lehrlinge sind in der Lehrlingsausbildung traditionellerweise unterrepräsentiert. Sie bevorzugen stärker den Besuch weiterführender mittlerer und höherer Schulen“, heißt es in der Studie. Mit 61 Prozent ist ihr Anteil im Handel besonders hoch, in der Industrie sind sie aber nur mit 17 Prozent vertreten.

Auffallend ist, dass zwar 43 Prozent der Betriebe über zu wenig qualifizierte Lehrlinge klagen – aber gleichzeitig nur 7 Prozent der Meinung sind, eine mangelhafte Ausbildung in der Berufsschule „trifft stark zu“.

Einen eklatanten Unterschied bei den Schulabbrechern gibt es zwischen Frauen und Männern. Während der Anteil bei den Frauen bei 5,7 Prozent liegt, sind es bei den Männern 8,9 Prozent. Im Nachbarland Tschechien hingegen ist der Abstand minimal (6,1 zu 6,4 Prozent).