Exportrekord trotz Hindernissen

Markt / 01.01.2020 • 20:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit Innovation und Qualität schlugen sich Vorarlbergs Exporteure – im Bild Galvanisierung bei Firma Collini – sehr gut. Fa
Mit Innovation und Qualität schlugen sich Vorarlbergs Exporteure – im Bild Galvanisierung bei Firma Collini – sehr gut. Fa

Vorarlbergs Außenhandel wächst in schwierigem Umfeld um 2,4 Prozent.

Bregenz, Feldkirch Das vergangene Jahr 2019 war für Vorarlbergs starke Exportwirtschaft eine echte Herausforderung. Der Weltmarkt kämpfte mit dem immer wieder verschobenen Brexit, mit einer US-Handelspolitik, die, um es vorsichtig auszudrücken, unberechenbar war, und mit politischen Krisen in verschiedenen Weltregionen. Dennoch war Vorarlbergs Wirtschaft auf den Weltmärkten weiter höchst erfolgreich unterwegs, wie der aktuelle Bericht, den die Landesstelle für Statistik und die Wirtschaftskammer Vorarlberg gemeinsam vorlegen, bestätigt.

Positive Handelsbilanz

Die Exporte haben im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Jahrs davor erneut zugelegt. Das Exportvolumen betrug von Jänner bis Ende Juni 2019 erfreuliche 5,32 Milliarden Euro, ein Plus 2,4 Prozent. Die Importe erreichten einen Gesamtwert von 4,04 Milliarden Euro (+4,2 Prozent). Damit ist die Vorarlberger Handelsbilanz mit einem Überschuss von 1,27 Milliarden Euro wieder klar positiv.

Für Landeshauptmann Markus Wallner, Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler untermauern diese Zahlen die Stärke der in hohem Maß außenhandelsorientierten Vorarlberger Wirtschaft. „Die hohe Konkurrenzfähigkeit der Vorarlberger Unternehmen trägt wesentlich dazu bei, dass wir trotz des sich andeutenden Abflauens der weltweiten Konjunktur der weiteren Entwicklung des Wirtschaftsstandortes optimistisch entgegenblicken dürfen“, so Wallner und Tittler.

Wie sehr sich die Vorarlberger Wirtschaft auf widrige Situationen einzustellen vermag, zeigen die positiven Ergebnisse mit den USA, wo ein Plus von 9,3 Prozent trotz der protektionistischen Wirtschaftspolitik erzielt werden konnte, Russland mit einem Plus von 1,3 Prozent (trotz Sanktionen), China (+16 Prozent) oder dem Vereinigten Königreich (+5,2 Prozent). Das UK-Wachstum ist wohl auch damit zu erklären, dass viele Firmen aufgrund der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit ihre Lager in Großbritannien gefüllt und Lieferungen noch forciert haben. Zum umstrittenen Thema Handelsabkommen: Die Bedeutung wird mit der Exportperformance des CETA-Abkommens nach Kanada ersichtlich. Das Vorarlberger Exportvolumen hat gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 um 36,8 Prozent zugelegt. Um auch im nicht minder herausfordernden Jahr 2020 zu reüssieren, hat das Wirtschaftsministerium die Exportoffensive „go-international“ bis 2021 verlängert. Insgesamt stehen dafür über zwei Jahre rund 25,6 Millionen Euro zur Verfügung.

Erfolgsgrundlage Qualität

Vorarlberg könne sich gegenüber handelspolitischen und geopolitischen Spannungen und Entwicklungen nicht verschließen, hält Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler fest: „Das macht es immer wieder umso erstaunlicher, wie sich unsere Exportwirtschaft mit Qualität und Mut im internationalen Geschehen behaupten kann.“ Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Das seit Jahren erstmals wieder zurückgegangene Exportvolumen (minus 0,2 Prozent) mit Deutschland sei trotz aller positiven Zahlen bedenklich. Es gelte, die Situation unseres wichtigsten Handelspartners genau zu beobachten, verdeutlicht Metzler. „Der Wettbewerb wird härter, die Musik der Zukunft spielt vorwiegend in Asien“, so der Präsident. In ein paar Jahren würden 90 Prozent des weltweiten Wachstums außerhalb Europas generiert werden. „Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit sind die Wachstumsbringer der Zukunft. Da brauchen wir ein stärkeres Europa, wenn wir im globalen Wettbewerb in der Top-Liga mitspielen wollen“, so Metzler.

Hauptmarkt Europa

Etwa zwei Drittel der Vorarlberger Aus- und Einfuhren entfallen auf die Mitgliedsländer der EU. Den größten Warenwert macht sowohl bei den Ein- als auch Ausfuhren der Bereich Eisen- und Metallwaren aus. Die weiteren im Außenhandel dominierenden Warengruppen sind Kessel, Maschinen und Apparate, Nahrungs- und Genussmittel, Textilien sowie Elektronik.

„Der Wettbewerb wird härter, die Musik der Zukunft spielt vorwiegend in Asien.“

Exportleistung 1. HJ 2019

Wichtigste Länder

Deutschland: Exporte 1,56 Mrd. Euro, Importe 1,54 Mrd. Euro.

Schweiz: Exporte 797 Mill. Euro, Importe: 632 Mill. Euro)

Italien: Exporte: 328 Mill. Euro; Importe: 229 Mill. Euro)

Wichtigste Warengruppe

Eisen- und Metallwaren: Exporte 1,55 Mrd. Euro, Importe 961 Mill. Euro