Das neue Leben des Logistik-Managers Heinz Senger-Weiss

Markt / 02.01.2020 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach rund 20 Jahren im Familienunternehmen Gebrüder Weiss hat für Heinz Senger-Weiss mit Jahresbeginn ein neuer Lebensabschnitt begonnen. <span class="copyright">VN/Steurer </span>
Nach rund 20 Jahren im Familienunternehmen Gebrüder Weiss hat für Heinz Senger-Weiss mit Jahresbeginn ein neuer Lebensabschnitt begonnen. VN/Steurer

Nach dem Ausscheiden aus dem Gebrüder Weiss Vorstand will er sich beim Thema Bildung und Nachhaltigkeit engagieren.

Lauterach Die Meldung schlug im Sommer in der Branche und in Wirtschaftskreisen ein wie ein Blitz. Heinz Senger-Weiss gab seinen Rückzug aus dem Vorstand von Österreichs größtem Speditions- und Logistikunternehmen Gebrüder Weiss zum Jahresende bekannt. Über die Gründe wurde spekuliert, doch Senger-Weiss wie auch das Unternehmen hielten sich bedeckt. Eines ist aber jedenfalls sicher: „Ich werde nichts im Bereich Logistik machen“, sagt Senger-Weiss im Gespräch mit den VN. Wenn er das in Erwägung ziehen würde, dann wäre Gebrüder Weiss der richtige Platz, um so etwas umzusetzen. Vielmehr will er sich so wichtigen Zukunftsthemen wie Bildung und Nachhaltigkeit widmen und dafür seine Erfahrungen und Netzwerke nutzen, sagt Senger-Weiss, der als Mitgesellschafter dem Familienunternehmen verbunden bleibt und auch sein Amt als Vizepräsident der Vorarlberger Industriellenvereinigung weiterhin ausübt.

„Der richtige Zeitpunkt“

Seit 15 Jahren verantwortete Heinz Senger-Weiss die Bereiche Air & Sea, Vertrieb und Zoll des Unternehmens, das weltweit über 7000 Mitarbeiter beschäftigt und ohne Zweifel das älteste Transportunternehmen Österreichs ist. Umso schwieriger die Entscheidung, neue Wege zu gehen. „Es war der richtige Zeitpunkt zu entscheiden, was ich machen möchte“, so Senger-Weiss. Die Entscheidung sei länger gereift und mit der Familie (im Kleinen wie im Großen) besprochen, die für seine Zukunftsplanung  – von Ausstieg möchte der nun ehemalige Logistikmanager nicht sprechen – Verständnis gezeigt hat. „Es wäre wahrscheinlich auch was anderes gewesen, wenn ich das einzige Familienmitglied an der Unternehmensspitze gewesen wäre.“

Seit der Bekanntgabe im August hat Senger-Weiss seine Agenden an den Nachfolger Lothar Thoma, der am 1. September seine Tätigkeit startete, übergeben. Dazu gehörte auch das Abschiednehmen von vielen Mitarbeitern im Gebrüder Weiss-Reich, das inzwischen aus über 150 Standorten weltweit besteht. Bei Thoma sieht er seine Verantwortungsbereiche in guten Händen, „er ist eine starke Persönlichkeit, der diese wichtigen Bereiche weiterführt“. Die Tour gab ihm aber auch Gelegenheit, sich noch einmal mit vielen Menschen zu unterhalten, die ihn in den vergangenen 20 Jahren bei Weiss begleitet haben – von Fahrern über Lageristen und Disponenten bis zu den Kunden.

Im Zentrum des Tuns

„Was für mich wichtig war und ist, sind die Menschen, die immer im Zentrum meines Tuns stehen“, sagt Senger-Weiss. Zahlen und Bilanzen seien das Ergebnis, Basis dafür seien aber die Menschen in einem starken Team. Da habe es berührende Begegnungen und gute Gespräche gegeben, sagt er rückblickend auf die vergangenen Monate und stellt fest: „Ein bisschen weh tun muss es.“

Die Menschen stehen auch bei der künftigen Lebensplanung im Mittelpunkt. „Man muss den Tisch abräumen, bevor man was anderes tut“, sagt der Bregenzer und skizziert künftige Aufgaben wie das Schlüsselthema Bildung, in das er künftig mehr Kraft hineinlegen will. Die Lebensvoraussetzungen für die Zukunft sind ihm ein Anliegen. Nachhaltigkeit nicht als Stichwort, sondern als Aufgabe. Mit seinen Erfahrungen und seinem Netzwerk könne er dazu sicher einen Beitrag liefern. Und in unruhigen Zeiten, wie sie derzeit herrschen, glaubt er, dass man die Welt und die Gesellschaft nicht aus den Angeln heben muss, sondern sie evolutionär verändern kann. Nützlich seien auch „kleine Beiträge, die jeder leisten“ kann, erläutert Senger-Weiss, der seinen Umstieg als „persönliches Outsourcing“ bezeichnet.

Zur Person

Geboren 1. Dezember 1974

Ausbildung FH Eisenstadt, Amsterdam Hogesschool, IESE Barcelona (Advanced Management)

Laufbahn verschiedene Positionen bei Gebrüder Weiss, Leiter Business Development in Singapur, Regional Managing Director Air & Sea, seit 2005 Vorstandsmitglied (Air & Sea, Vertrieb und Zoll)

Familie verheiratet, drei Kinder