Ex-Nissan-Chef Ghosn wird im Libanon vorgeladen

Markt / 03.01.2020 • 17:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Carlos Ghosn (li). <span class="copyright">AFP</span>
Carlos Ghosn (li). AFP

Zur abenteuerlichen Flucht von Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn aus Japan werden immer mehr Einzelheiten bekannt. Der japanische Sender NHK berichtete am Freitag, die Auswertung von Überwachungskameras habe ergeben, dass Ghosn sein Haus in Tokio am Sonntag allein verlassen habe. Der 65-Jährige floh in den Libanon. Dort werde die Justiz ihn kommende Woche vorladen, hieß es in Beirut.

Ghosn habe am Sonntag um die Mittagszeit sein Haus in Tokio verlassen, berichtete NHK unter Berufung auf Ermittlerkreise. Aufnahmen der Überwachungskamera zeigten, dass er allein gewesen sei. Japanische Medien hatten berichtet, der 65-Jährige habe das Haus in einem Kontrabass-Koffer versteckt verlassen.

Ghosn soll mit einem Privatjet vom Flughafen Kansai im Westen Japans nach Istanbul und von dort weiter nach Beirut geflogen sein. In der Türkei teilte die Fluggesellschaft MNG Jet mit, Ghosn habe zwei ihrer Privatjets „illegal“ genutzt. Ein Angestellter habe zugegeben, die Papiere gefälscht zu haben, damit Ghosns Name nicht auftauche. Der Angestellte, der von der Polizei festgenommen wurde, habe „auf eigene Rechnung gehandelt“.

Nach Angaben der Firma buchten zwei verschiedene Kunden bei MNG: der eine einen Flug von Dubai nach Osaka in Japan und von Osaka nach Istanbul, der andere einen Flug von Istanbul nach Beirut. Der Name Ghosn sei nirgendwo aufgetaucht. MNG habe erst nach entsprechenden Zeitungsberichten interne Ermittlungen angestellt und Anzeige gegen die beiden Kunden erstattet.

Im Libanon hieß es in Justizkreisen, die Behörden müssten Ghosn vorladen, weil Japan die internationale Polizeibehörde Interpol eingeschaltet habe. „Sie sind gezwungen ihn vorzuladen. Aber die Justiz kann entscheiden, ob sie ihn festnehmen will oder nicht.“ Die Anhörung werde vermutlich am Dienstag oder Mittwoch stattfinden.

Ghosn besitzt die libanesische, die brasilianische und die französische Staatsangehörigkeit. Der Ex-Automanager war im November 2018 in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, Firmenkapital zweckentfremdet und private Verluste auf Nissan übertragen zu haben, wo er zuletzt Verwaltungsratschef war.

Ghosn selbst sprach von einer Verschwörung bei Nissan, um ihn loszuwerden. Grund sei, dass er Nissan noch näher an den französischen Autobauer Renault heranführen wollte. Er saß rund vier Monate in Haft, war aber im Frühjahr unter strikten Auflagen aus der Haft entlassen worden. Am Sonntag setzte er sich aus Japan ab.

Der Libanon hat kein Auslieferungsabkommen mit Japan. Die libanesische Regierung hat bereits verlauten lassen, Ghosn sei „legal“ eingereist – mit einem französischen Pass und einem libanesischen Personalausweis. Auch Frankreichs Regierung hat bereits erklärt, sie würde Ghosn nicht ausliefern, sollte er einreisen. Der 65-Jährige selbst will sich kommende Woche vor Journalisten äußern.