China ist das neue Deutschland

Markt / 06.01.2020 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Innovationsführer Henn hat bereits eine solide Auftragsdecke für das Jahr 2020. Für das geplante Wachstum der nächsten Jahre sei man gut gerüstet. VN/Hartinger
Innovationsführer Henn hat bereits eine solide Auftragsdecke für das Jahr 2020. Für das geplante Wachstum der nächsten Jahre sei man gut gerüstet. VN/Hartinger

Autozulieferer Henn 2019 mit leichtem Minus und großen Ambitionen für die Zukunft.

Dornbirn Das Jahr 2019 wird in den Annalen der Automobilindustrie besondere Beachtung finden. Es war für die Autobauer ein Jahr des Umbruchs und damit verbunden mit einem jähen Ende des jahrelangen Wachstums. Auch wenn verschiedene Fahrzeugklassen weiter boomen, kämpfte die Branche mit Rückgängen, die besonders die Zulieferindustrie gefordert haben und auch in den kommenden Jahren fordern werden.

Exportanteil 99,2 Prozent

Der Dornbirner Hersteller von Steckverbindungen für den Bereich Ladeluft und Kühlwasser, die Firma Henn, ist in diesem schwierigen Umfeld im vergangenen Jahr zwar nicht gewachsen, konnte aber den Rekordumsatz von 2018 (66,3 Millionen Euro) mit 64,6 Millionen Euro beinahe erreichen, wie das Unternehmen mitteilt. Grund für das im Branchenvergleich gute Ergebnis sei neben Qualität, Zuverlässigkeit und Innovationskraft auch die zunehmende Internationalisierung der Firma, so Eigentümer und CEO Martin Ohneberg. Im Vorjahr wurde insgesamt in 32 Absatzländer verkauft. Dementsprechend hoch ist der Exportanteil von 99,2 Prozent. Der Anteil der 15 Top-Absatzländer macht 92,9 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Exemplarisch zeigt sich bei Henn, wie sich der Markt verändert: „Auffallend war im vergangenen Jahr die Verschiebung von Europa nach Asien. Obwohl im Hoffnungsmarkt China im Vorjahr die Autoverkäufe um 15 Prozent gesunken sind, konnten wir uns in diesem Markt sehr erfolgreich entwickeln“, so Ohneberg.2019 gelang es dem Vorarlberger Automotive-Unternehmen erstmals, in China einen Umsatz von 13,2 Mill. Euro (über 20 Prozent vom Gesamtumsatz) zu erzielen. Damit hat China den bisher wichtigsten Markt Deutschland (12,2 Mill Euro) überholt. „Wir sehen daher in China bzw in Asien weiteres Wachstumspotential, welches wir in den nächsten Jahren nutzen möchten.“

Auftragslage vielversprechend

2020 beginne für Henn trotz des angespannten Automobilmarktes mit einer vielversprechenden Auftragslage und einem geplanten Umsatzbudget von 77 Mill. Euro, doch werden weitere Verschiebungen bei den Absatzmärkten erwartet. Heuer könnte der gesamte Umsatzanteil von Europa möglicherweise erstmals unter den Anteil USA/Mexiko und Asien fallen. Ohneberg: „Aus heutiger Sicht sind wir optimistisch und gut aufgestellt für das neue Jahr – wenn nicht wie im ersten Halbjahr 2019 wieder unerwartete globale Ereignisse eintreten.“

Innovationskooperation

Gut aufgestellt sei das Unternehmen auch für die weitere Entwicklung. Heuer sollen die Weichen gestellt werden, damit der Gruppenumsatz von derzeit etwa 100 Mill. Euro in den nächsten Jahren verdoppelt werden könne. Seit der Übernahme von Henn durch Ohneberg im Jahr 2011 habe man rund 37,5 Mill. Euro in Montageanlagen, Werkzeuge, Prüfstände etc. investiert, 22 Millionen für Forschung und Entwicklung aufgewandt und die Zahl der Mitarbeiter im neuen Headquarter in Dornbirn weit mehr als verdoppelt. Dazu kommen noch zwei Akquisitionen und die 2019 gestarteten Innovations-Kooperationen mit dem Global Player DuPont, mit welchem an Lösungen und Produkten für die Kühlung von Elektrofahrzeugbatterien und -motoren gearbeitet werde.

Die vor Kurzem vorgestellte Schnellkupplung für thermische Systeme – basierend auf Henns Know-how für Ladeluftmanagement und DuPonts Wissen in der Materialforschung und Applikationsentwicklung – sei bislang einzigartig auf dem Markt, ist man im Dornbirner Hauptquartier des Unternehmens stolz. VN-sca

Henn Industrial Group 2019

Umsatz 2019 64,6 Millionen Euro (2018: 66,3 Mill. Euro)

Beschäftigte Henn Industrial Group GmbH & Co KG rd. 300

Investitonen 2011 bis 2019
37,5 Mill. Euro

Investitionen F&E 2011 bis 2019
22 Mill. Euro

Exportquote 99 Prozent

Kunden u. a. Daimler, BMW, Porsche, Nissan, Hyundai, Renault, Toyota