Gewehr bei Fuß

Markt / 07.01.2020 • 22:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Abflauende Konjunktur bringt heuer leichten Anstieg bei Arbeitslosen.

Bregenz Zu Beginn jeden Jahres vereinbaren Land und AMS, wie viel Geld in den Arbeitsmarkt investiert und welche konkreten Maßnahmen damit finanziert werden. Heuer umfasst das Gesamtbudget knapp 47 Millionen Euro. Wobei von AMS und Land Vorarlberg 19,7 Millionen kommen, vom AMS allein noch einmal 23,6 Millionen sowie vom Land weitere 3,6 Millionen.

Geld, das gut gebraucht wird. Schließlich stehen dem heimischen Arbeitsmarkt unsicherere Zeiten als noch in der Vergangenheit bevor. Während man die letzten fünf Jahre recht erfolgsverwöhnt war, weil die Beschäftigtenzahlen stiegen und die Arbeitslosenzahlen zurückgingen, stellt man sich heuer auf ein etwas stürmischeres Jahr ein. Die Konjunkturprognosen verheißen ein geringeres Wirtschaftswachstum von nur mehr 1,2 Prozent. „Bei der Arbeitslosenquote ist in Vorarlberg laut Prognosen ein Anstieg von 5,3 auf 5,4 Prozent zu erwarten“, sagt Landeshauptmann Markus Wallner. Das Ziel sei es deshalb, den Arbeitsmarkt trotz gedämpfter Konjunkturerwartung stabil zu halten.

Beachtlich sei zwar, so Landesrat Marco Tittler, dass die Zahl der Beschäftigten heuer um 1700 Personen ansteigen soll. Aber das wird dennoch nicht genug sein, um für alle Arbeitslosen einen Arbeitsplatz anbieten zu können. So wird für heuer bei den vorgemerkten Arbeitslosen letztlich ein Anstieg von 300 Personen erwartet. Die Aufgabe des AMS bleibt somit ambitioniert. Weil die Anforderungsprofile der Unternehmen nicht immer mit dem Ausbildungsniveau der Arbeitslosen zusammenpassen, wird viel Geld in Höherqualifizierung investiert. Denn knapp 50 Prozent der arbeitslosen Menschen verfügen nur über einen Pflichtschulabschluss. „In dieser Gruppe liegt die Arbeitslosenquote bei 15 Prozent. Sobald man einen Lehrabschluss hat, verringert sie sich auf unter fünf Prozent“, illustriert AMS-Chef Bernhard Bereuter die Wichtigkeit, bei den Qualifizierungsbestrebungen am Ball zu bleiben. Denn: „Fachkräfte werden auch weiterhin fehlen.“ Verstärkt werde das noch durch die anstehende Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation.

Neben Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen liegt der Fokus des AMS auch heuer auf den Jugendlichen. Keiner unter 25 Jahren soll länger als sechs Monate ohne Job, Ausbildung oder Beschäftigungsmaßnahme sein. Zudem gibt es eine Lehrstellenförderung, die direkt an Unternehmen geht, die Jugendliche ausbilden, die entweder schulisch nicht so stark sind oder ein anderes Handicap haben. Zudem wird die Ausbildung von Mädchen in Berufen mit geringem Frauenanteil oder von über 18-jährigen Lehrlingen gefördert.

Finanzielle Möglichkeiten

Insgesamt sollen heuer 4000 Personen von all den verschiedenen Maßnahmen profitieren. Der Betrag von 47 Millionen Euro ist dabei aber nicht in Stein gemeißelt, so der Landeshauptmann über ein mögliches „Krisenszenario“. „Wenn es heuer jedoch zu einer dramatischen Verschlechterung am Arbeitsmarkt kommen würde, würden wir finanziell stärker einsteigen. Wir stehen hier Gewehr bei Fuß.“ VN-reh

„Das Ziel ist es, den Arbeitsmarkt trotz gedämpfter Konjunktur stabil zu halten.“