Altkarton macht Recyclern Sorgen

Markt / 08.01.2020 • 20:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
KATHARINA RUTZ

Altkartonagen überschwemmen Entsorger. Schweizer Betriebe verlangen Gebühren.

Buchs, Götzis Die Chinesen sind schuld. Nicht nur, aber doch zu einem gute Teil, haben sie dafür gesorgt, dass Europa auf einem riesigen Altkarton-Berg sitzt. „Die Lagerkapazitäten in unserem Tiroler Recyclingbetrieb sind voll“, schildert Rondo-Chef Hubert Marte die Situation, in die die Branche geraten ist, weil China die Abnahme des Kartonabfalls aus Europa gestoppt hat – auch weil manche Länder mehr Restmüll als Kartons ins Reich der Mitte geschickt haben. Die Preise für Altkarton fallen ins Bodenlose, zu verdienen ist für die Recyclingbetriebe derzeit nichts. Zumal neben dem chinesischen Engpass auch noch die Weihnachtszeit besonders große Mengen an Altkartonagen in die Recyclingbetriebe gespült hat.

Entsorgungsgebühr in Buchs

Während beim Kartonageerzeuger und Papierrecycler Rondo in Frastanz die Entwicklung beobachtet wird, haben die Entsorger ennet der Grenze im Ostschweizer Rheintal bereits reagiert. Bei der RSA Recycling- und Sortieranlage in Buchs wird für Grosskunden schon seit einigen Monaten einen Gebühr verrechnet, berichtet RSA-Geschäftsführer Martin Risch gegenüber dem St. Galler Tagblatt. Die privaten Kunden bleiben bei dem Recyclingbetrieb verschont von Kosten.

Anders bei Eggenberger Recycling ebenfalls in Buchs. Das Unternehmen der Vorarlberger Loacker-Gruppe verlangt von allen Altkartonage-Entsorgern einen Beitrag und umgeht die Abbrechnung durch ein System, das sich schon anderswo bewährt hat. Wie die Eigentümer von Blumenwiesen hat das Unternehmen am Altkartonage-Container ein „Kässeli“ angebracht und bittet auch private Entsorger um 10 Rappen pro Kilogramm Altkarton.  Der ist übrigens nicht mit Altpapier kompatibel, obwohl Karton und Papier in Vorarlbergs haushalten gemeisam gesammelt werden. Es ist rentabler und auch umweltfreundlicher, wenn die sogenannten Fraktionen in der Sortieranlage wieder getrennt werden.

„Für Privatpersonen ist im Land die Abgabe 2020 jedenfalls kostenlos möglich.“

Reinhard Pierer, Loacker Recycling

In Österreich ist die Abgabe  und das Recycling von Karton und Papier anders als in der Schweiz geregelt. Es wird grundsätzlich zwischen Industrie und Gewerbe einerseits und Privatpersonen andererseits unterscheiden. Für die Betriebe zählt die in Österreich geltende Verpackungsverordnung. Handelt es sich um sogenannte „lizenzierte Verpackungen“ die bereits im Vorfeld bzw. bei Inverkehrsetzung für die spätere Entsorgung bezahlt werden, ist die Abgabe weiterhin ohne weitere Gebühren möglich. Für „freie Mengen“ aus der Wirtschaft muss auch in Vorarlberg für die Entsorgung bereits jetzt bezahlt werden.

„Für Privatpersonen ist im Land die Abgabe weiterhin, jedenfalls in 2020, kostenlos möglich“, stellt Reinhard Pierer, Stoffstrommanager Wertstoffe, bei Loacker Recycling klar. Geregelt und vertraglich abgesichert wird das durch den Umweltverband und mit den Gemeinden bzw. Bauhöfen.