Klare Vorstellungen von richtig und falsch

Markt / 13.01.2020 • 22:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ernst (l.) und Gerhard Fehr im VN-Gespräch: „Es ist wichtig, dass die Aktivitäten und Vor­haben auch dem Gemeinwohl dienen.“  VN/Paulitsch
Ernst (l.) und Gerhard Fehr im VN-Gespräch: „Es ist wichtig, dass die Aktivitäten und Vor­haben auch dem Gemeinwohl dienen.“  VN/Paulitsch

Ernst und Gerhard Fehr: Verhaltensökonomie in der Praxis.

Hohenems Der Hörbranzer Ökonom Ernst Fehr ist, darin ist sich die Fachwelt seit Jahren einig, der wichtigste Wirtschaftswissenschaftler im deutschsprachigen Raum. Seine Stimme wird weltweit gehört, er ist einer der meistzitierten Ökonomen international. Die Erkenntnisse von Fehr, der maßgeblich die Verhaltensökonomie  – oder im Business-Jargon: Behavioral Economics  – geprägt hat, bleiben aber nicht im akademischen Elfenbeinturm. Dafür sorgt Ernst Fehrs Bruder Gerhard, der das Unternehmen FehrAdvice & Partners führt, das weltweit erste Wirtschafts- und Unternehmensberatungsunternehmen, das sich auf Verhaltensöko­nomie spezialisiert hat. 

Mit seinen Kenntnissen von Marktmechanismen, Unternehmensstrukturen, Hierarchien und Prozessen sowie seinem theoretischen Know-how in Behavioral Economics war Gerhard Fehr die treibende Kraft hinter der Entwicklung und Anwendung des Behavioral Economics Ansatzes (BEA) als Instrument in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Ernst Fehr ist Mitglied des Verwaltungsrats von FehrAdvice & Partners und berät genau diese Gruppen. In Vorarlberg haben Ernst und Gerhard Fehr die Grundlagen für die Industriellenvereinigungsinitiative „Unsere Industrie ist für Menschen da“ entwickelt und am Montagabend beim IV-Empfang vorgestellt.

Entscheidungsverhalten

Zusammen mit Ökonomen, Psychologen und Neurowissenschaftlern forscht Ernst Fehr an der Verhaltensökonomie und erklärt, dass gerade die Neurowissenschaften neue Perspektiven eröffnen, das Entscheidungsverhalten von Menschen besser zu verstehen. Etwa das Verhalten, dass Menschen grundsätzlich klare Vorstellungen von richtigem und falschem Verhalten haben, auch wenn das in Zeiten von Populismus, Fakenews und Hass in den sozialen Medien nicht immer leicht zu vermitteln ist. Im Dialog, so Ernst Fehr, sind die Menschen nicht so impulsiv und wenig reflektiert wie allein vor dem Bildschirm. Und hinter populistischen Bewegungen, so Fehr im VN-Gespräch, stünden oft wirkliche Probleme, die „von den Populisten zwar nicht gelöst, aber bewirtschaftet werden“.

Die Vorarlberger Industrie will die Kommunikation mit der Bevölkerung intensivieren, will eine Diskussion auf Augenhöhe führen. Dazu braucht es einen neuen Ansatz in der Kommunikation, Authentizität und eine beziehungsfähige Sprache. Bisher, so die Analyse, haben Interessenverbände, aber auch die Wirtschaft „gefordert, statt gebeten beziehungsweise für ihre Anliegen geworben“. Dass man damit nicht weiterkommt, könne jeder im privaten Bereich nachvollziehen. „Da kann man auch nicht einfach fordern, das führt zu nichts.“ Dass seine Erkenntnisse bei möglichst vielen Gehör finden, hofft Ernst Fehr auch nach dem gestrigen Impulsvortrag beim IV-Empfang (siehe dazu den Bericht unten). VN-sca

Zu den Personen

Univ.-Prof. Dr. Ernst Fehr ist Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich, Mitbegründer der Neuroökonomie und einer der meistzitierten Ökonomen der Welt. Fehr wurde u. a. für den Wirtschaftsnobelpreis nominiert. 

Gerhard Fehr hat Betriebswirtschaft an der Universität Wien studiert und hat auch langjährige Management­erfahrung. Als CEO und Gründungspartner setzt er die Ziele von FehrAdvice & Partners AG um.