Scharfe Kritik an Online-Reisebüros

Markt / 13.01.2020 • 19:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Immer mehr Aufenthalte werden über Online-Plattformen gebucht. VN/RP
Immer mehr Aufenthalte werden über Online-Plattformen gebucht. VN/RP

Die Österreichische Hotelvereinigung leitet rechtliche Schritte gegen Buchungsplattformen ein.

Bregenz Bei dem Jahreskongress der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), der heute endet, diskutierten etliche Vertreter über Themen der Branche. Die Tagung gilt als traditioneller Treffpunkt der führenden internationalen Hotellerie.

Diesmal wurde der Branchentreff im Festspielhaus Bregenz ausgetragen. Ein aktuelles Thema, welchem Hoteliers besonders kritisch gegenüberstehen, sind die Buchungsplattformen. Denn diese sind für die heimischen Hoteliers Fluch und Segen zugleich. Zum einen sorgen sie für mehr Auslastung. Auf der anderen Seite jedoch nützen sie ihre Marktmacht immer wieder aus und versuchen, die Betriebe zu gleichen Preisen wie auf der Plattform zu zwingen. Daher will die Hoteliervereinigung jetzt rechtliche Schritte setzen. „Wir werden das nicht durchgehen lassen, wir prüfen das bereits“, sagt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. Im Rahmen einer Studie befragte die ÖHV über 2800 Hotelgäste aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und dem Südtirol, wie sie Urlaube in Österreich buchen. Die Erhebung erfolgte von November bis Ende Dezember. Rund 70 Prozent der Aufenthalte in Österreich werden direkt über die Hotel-Website, per Telefon, E-Mail oder spontan gebucht. Knapp über 21 Prozent der Befragten gaben an, ihre Buchung über eine Online-Plattform aufgenommen zu haben. „Für einige Hotels stellen sich Plattformen wie diese als unverzichtbar heraus“, informiert Reitterer. Außerdem betont sie, dass die Gäste mit der Direktbuchung grundsätzlich sehr zufrieden seien, und nur leichte Verbesserungsvorschläge hätten.

Hotelbetreiber zeigen sich kritisch

„Ganz anders sieht die Zusammenarbeit mit Plattformen aus: Wir haben sehr konkrete Hinweise, dass Online-Reiseagenturen im großen Stil gegen geltendes Recht verstoßen“, teilt die Präsidentin über das womöglich kritischste Ergebnis der Studie mit. Der Studie zufolge wurden zudem 169 Hotelbetriebe nach den Buchungswegen und der Zusammenarbeit mit den großen Plattformen befragt. Denn die Hoteliers dürfen ihre Zimmer auf der eigenen Homepage auch billiger verkaufen als die großen Online-Plattformen, mit denen sie Verträge haben, oder eben teurer. Vielen sei gar nicht bewusst, über welchen Kanal Zimmer gebucht wurden. „Für diese Machenschaften sind wir nicht zu haben!“, bestätigt Reitterer bei der gestrigen Pressekonferenz. Die ÖHV-Chefin riet den Betrieben, den Fokus verstärkt auf Direktbuchungen zu richten und ihre Gäste verstärkt auf diese Möglichkeit hinzuweisen. VN-AOM

ÖHV-Präsidentin riet Urlaubern, auf Direktbuchungen zurückzugreifen.
ÖHV-Präsidentin riet Urlaubern, auf Direktbuchungen zurückzugreifen.
ÖHV-Präsidentin riet Urlaubern auf Direktbuchungen zurückzugreifen.

ÖHV-Präsidentin riet Urlaubern auf Direktbuchungen zurückzugreifen.

Hotels online

68,7 Prozent der Buchungen in Österreichs Hotellerie erfolgen direkt, 21,2 über Buchungsplattformen. In der Stadthotellerie ist es umgekehrt: 70 Prozent buchen über Plattformen.

 

54,1 Prozent der Gäste nutzen Buchungsplattformen wegen der Informationen, 55,2 wegen der Preise. 33,4 Prozent buchen nicht direkt, weil es keinen Preisvergleich gibt.

 

57 Prozent der Hoteliers in Österreich finden die Provisionen der Hotelplattformen zu hoch, 37,6 Prozent kritisieren die Konditionen.