Rohstoffen geht die Puste aus, Edelmetalle bleiben weiter interessant

Markt / 17.01.2020 • 20:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bregenz Zwischen Januar 2016 und Mai 2018 stieg der marktbreite Bloomberg Rohstoff-Index vor allem aufgrund einer guten Konjunkturlage um rund 50 Prozent. Anschließend kam die Hausse ins Stocken. Handelsstreitereien der USA und eine Verschlechterung der weltwirtschaftlichen Perspektiven ließen die Rohstoffpreise ab Mitte 2018 peu à peu absinken. Einzig die Edelmetalle weisen einen stark anhaltenden Trend auf, der voraussichtlich auch in 2020 anhalten wird.

Die Preisentwicklung am Ölmarkt dürfte im laufenden Jahr vor allem durch eine konjunkturbedingt schwache Ölnachfrage geprägt werden. Nach einem Nachfrageplus von 1,0 Mill. Fass pro Tag im Jahr 2019 wird die globale Ölnachfrage 2020 wohl geringer ausfallen. Demgegenüber dürfte das Ölangebot im Jahr 2020 voraussichtlich wieder zulegen. Nachdem starke Förderkürzungen der OPEC seit Ende 2018 dafür gesorgt haben, das Überangebot am Ölmarkt teilweise abzubauen, rechnen wir nicht damit, dass das Ölkartell vom mittlerweile relativ niedrigen Produktionsniveau aus weitere Outputdrosselungen beschließen wird. Damit dürfte das Ölangebot die Ölnachfrage vorerst weiter übersteigen. Wir gehen für 2020 von einem entsprechenden Überangebot aus. Vor diesem Hintergrund dürfte Brent weiter auf 55 US-Dollar je Fass nachgeben.

Edelmetalle haussieren

Für Edelmetall-Investoren war 2019 ein gutes Jahr! So legte der Goldpreis auf US-Dollar-Basis um knapp 20 Prozent zu. Auf der Nachfrageseite haben zuletzt vor allem die Notenbanken und die physisch hinterlegten ETFs ihre Käufe ausgeweitet. Die Notenbanken erwarben im ersten Halbjahr 2019 36 Prozent mehr Gold als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Somit dürften sie das Jahr 2019 mit einem neuen Rekord beim Golderwerb abgeschlossen haben.

Die zuletzt eher schwächere Nachfrage nach Goldschmuck dürfte sich 2020 stabilisieren, da sich die Währungen wichtiger Goldimportländer wie Indien und der Türkei nach starken Abwertungen wieder gefangen haben. Die Gold-Hausse sollte sich damit fortsetzen. Bis Ende 2020 rechnen wir mit einem Anstieg der Feinunze auf 1 600 US-Dollar. Silber verfügt im Schlepptau von Gold ebenfalls über Potenzial – der hohe industrielle Anteil von ca. 50 Prozent bei der Silbernachfrage mahnt jedoch in Zeiten trüber Konjunkturperspektiven zur Vorsicht!

karl-heinz.strube@hypovbg.at,
Karl-Heinz Strube, CEFA, CIIA, Leiter Asset Management bei der Hypo Vorarlberg Bank AG