E-Card für Saisonniers ist „Schikane hoch drei“

Markt / 25.01.2020 • 08:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit Jahresbeginn ist die E-Card „fotopflichtig“. Arbeitnehmer, die erstmals in Österreich zu arbeiten beginnen, müssen mit Foto persönlich in Feldkirch beim Bundesamt für Asyl erscheinen. APA

Tourismuswirtschaft tobt: Neue ausländische Mitarbeiter müssen für E-Card in Feldkirch vorsprechen.

Feldkirch, Lech Es ist eine „bürokratische Schikane hoch drei“, die den Lecher Hotelier Johannes Pfefferkorn in Rage bringt und die Tourismusbetriebe und ihre Saisonniers trifft. Seit 1. Jänner werden E-Cards nämlich nur noch mit Foto ausgegeben. So weit, so unproblematisch für Österreicher, weil die neuen E-Cards mit Foto in etwa 85 Prozent aller Fälle automatisch zugesandt werden. Das funktioniert, wenn ein Porträtoto in einem öffentlichen Register (z. B. Führerschein, Pass, Personalausweis.) hinterlegt ist. Auch Ausländer, für die ein Foto im Fremdenregister hinterlegt ist, bekeommen die bebilderte E-Card zugesandt.

Bürokratische Hürden

Die mit 1. Jänner in Kraft getretene Regelung, von der schwarz-blauen Regierung beschlossen, um Missbrauch zu verhindern, hält aber für eine ganze Reihe von Personen bürokratische Hürden bereit, an die anlässlich der Beschlussfassung im besten Fall niemand einen Gedanken verlor, im zweitbesten aber bewusst Schikanen für ausländische Arbeitnehmer in Kauf genommen wurden.

Jeder ausländische Arbeitnehmer, der zum ersten Mal hier tätig wird, muss sich für die E-Card nämlich mit Foto persönlich beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl in Feldkirch identifizieren und dort die E-Card beantragen. „Bei allem Verständnis für die Verhinderung von Missbrauch der E-Card ist man hier weit übers Ziel hinausgeschossen“, zeigt Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler dafür kein Verständnis und erklärt: „In Zeiten, in denen die Unternehmen sowieso schon unter der Bürokratisierung leiden und auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sind, ist das ein unzumutbarer Aufwand.“

„Diese bürokratische Regelung für die E-Card schlägt dem Fass den Boden aus.“

Johannes Pfefferkorn, Hotelier, Lech

Insbesondere die Tourismusbetriebe müssen ihre Mitarbeiter in der laufenden Hochsaison aus allen Talschaften extra nach Feldkirch schicken; für die Mitarbeiter, die das mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen, ist das oft eine Tagesreise. „Wenn es sich um einen Mitarbeiter eines Kleinwalsertaler Betriebs handelt und er mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, muss er in Feldkirch übernachten“, nennt Pfefferkon im Gespräch mit den VN ein Beispiel.  Zudem können sie diesen Behördengang dann werktags nur zwischen 11.30 und 15.30 Uhr erledigen – das sind Kernzeiten im Tagesgeschäft der Tourismusbranche. „Das ist kein kundenorientierter Service!“, so WKV-Präsident Metzler.

Pfefferkorn: „Einen Pass kann man in jedem Rathaus beantragen, das muss auch für die E-Card möglich sein in einer Zeit in der die Regierung von Entbürokratisierung, Service, Umwelt und Digitalisierung redet.“ Daran knüpft auch Wirtschaftsbunddirektor Jürgen Kessler an. „Im Zeitalter der Digitalisierung sollte es möglich sein, eine einfache und praktikable Lösung zu finden.“  Metzler fordert die zuständigen Stellen auf, sofort zu handeln und eine praktikable Lösung zu ermöglichen.