Warum sich Vorarlberger bei Pensionen keine Illusionen machen

Markt / 26.01.2020 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eines der wichtigsten Vorhaben nach Antritt der Pension: 71 Prozent der Vorarlberger wollen bei Reisen die Welt kennenlernen. APA

99 Prozent der Vorarlberger glauben, dass sie für die Pension selbst vorsorgen müssen.

Dornbirn Wohl selten klafft eine Botschaft, die von der Politik ausgesandt wird und das, was die Menschen glauben, so auseinander wie bei der Pension. Während Politiker besonders in Vorwahlzeiten mantraartig versichern, dass die staatlichen Pensionen sicher sind, kommt bei den Versicherungsnehmern an, dass es ohne private Vorsorge schwierig wird, Lebensstandard und Pflege zu sichern. Das zeigt die vom Marktforschungsinstitut Imas im Auftrag der Sparkassen und der Sparkassen Versicherung durchgeführte Studie zur privaten Vorsorge, deren Vorarlberger Ergebnisse in Dornbirn präsentiert wurden. Befragt wurden 1000 Österreicher zwischen 16 und 65, pro Bundesland je 100 Menschen.

Vorsichtige Vorarlberger

Die Vorarlberger sehen besonders vorsichtig – man kann auch sagen: realistisch – in die Zukunft im Vergleich zur österreichweiten Auswertung. Deshalb sind sich auch 96 Prozent der Vorarlberger sicher, dass es ohne private Vorsorge nicht funktioniert: Österreichweit sind es auch eindrucksvolle 88 Prozent. 36 Prozent der befragten Vorarlberger machen sich überhaupt keine Illussionen und sind der Ansicht, dass es bei ihrem Pensionsantritt die staatliche Pension in der heutigen Form überhaupt nicht mehr gibt. Mit früheren Pensionisten seien heutige und künftige nicht mehr zu vergleichen, weiß Studienautor Paul Eiselberg. Denn sowohl die Lebenserwartung als auch die Erwartung an das Leben nach dem Ausscheiden aus dem Erwerb sind höher geworden. Heutzutage wollen Pensionisten noch was erleben, 71 Prozent der Vorarlberger planen in der Pension, sich bei Reisen die Welt anzuschauen, ebenso viele nehmen sich vor Sport zu treiben und 69 Prozent verknüpfen das mit einem gesundheitsbewussten Leben. Auch „das Leben genießen, gut essen und trinken“ steht bei 62 Prozent auf der Wunschliste. Das funktioniert nur, wenn auch das Konto stimmt, denn „die 60-Jährigen von heute sind die 40-Jährigen von früher“, stellt dazu Sparkasse-Dornbirn-Chef Werner Böhler fest.

1706 Euro monatlich

Allerdings: Der Wunsch, 150 Jahre alt zu werden, nimmt ab: Nur ein Viertel der Befragten hat dieses Ziel, das laut Wissenschaftlern nicht mehr unmöglich ist,  im Auge, weiß aber auch, dass Älterwerden nicht nur neue Freiheiten, sondern auch gesundheitliche Probleme mit sich bringt. Die finanzielle Lücke zwischen staatlichen Leistungen und tatsächlichen Pflegekosten geben die Vorarlberger mit 1706 Euro monatlich an, die Österreicher rechnen mit 1566 Euro, berichtet Manfred Bartalszky, Vorstand der Wiener Städtischen Versicherung.

„Es hat sich viel geändert: Die 60-Jährigen sind heutzutage die 40-Jährigen von früher.“

Werner Böhler, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Dornbirn

Die Befürchtungen sind zwar in den Köpfen angekommen, doch zur Umsetzung können sich derzeit noch wenige Vorarlberger und Österreicher durchringen, stellen Bartalszky und Böhler fest. Es brauche gezielte und gute Aufklärungsarbeit und Beratung, deshalb schulen die Sparkässler ihre Berater zu diesem Thema intensiv, es brauche aber auch Anreize, die private Vorsorge zu stärken.

Anreize schaffen

„Die Regierung hat in ihr neues Programm sowohl die Vorsorge als auch die Pflege an prominenter Stelle als Zukunftsthemen festgeschrieben, das zeigt, dass erkannt wurde, wie wichtig die Themen in Zukunft werden“, so Böhler, der auch lobt, dass ein weiterer Baustein in der Bewusstseinsbildung der Menschen ebenfalls Aufnahme ins Regierungsprogramm gefunden hat: die Finanzbildung. Denn um Reserven zu schaffen, müssen die Menschen wissen, welche Sparformen wie funktionieren, denn das Sparbuch allein ist heute und in Zukunft kein Instrument für die Altersvorsorge. Es müssen auch entsprechende Anreize geschaffen werden, damit die Menschen relativ früh beginnen, für ihre späten Jahre vorzusorgen, so Werner Böhler abschließend.

Pensionen 2020

71 Prozent der Vorarlberger wollen in der Pension reisen und Sport treiben, 62 Prozent das Leben genießen.  

58 Prozent der Vorarlberger sind der Meinung, dass sie medizinisch nicht ausreichend gut behandelt werden.  

90 Prozent der befragten Vorarlberger sind überzeugt, dass das Pensionsantrittsalter deutlich erhöht wird.