Bei Collini steckt das Know-how in den Köpfen der Mitarbeiter

Markt / 01.02.2020 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Manager und Technikexperte ist seit 2016 bei Collini tätig. VN/STEURER

Peter Puschkarski sieht für Collini noch viel Potenzial und schätzt den Status Familienunternehmen.

Hohenems Peter Puschkarski ist Vorsitzender der Collini-Geschäftsleitung. Im VN-Interview spricht er über den technologischen Vorsprung und die Klimadiskussion.

Wie ist es, als Außenstehender in einen Familienbetrieb zu kommen?

Zunächst ist man jemand, der niemanden kennt. Man versucht, sich einen Überblick zu verschaffen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie die Abläufe und die Kultur funktionieren. So lernt man schrittweise die Personen, das Geschäft und die Standorte kennen und wächst hinein.

Was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Beruflich habe ich mich immer mit Technik beschäftigt. Auch Oberflächentechnik war mir aus meinem früheren Berufsleben nicht unbekannt. Collini war deshalb für mich interessant, weil es ein Familienunternehmen mit einem dynamischen Eigentümer ist, der greifbar ist, und die Firma sehr viel Potenzial hat.

Wie setzen Sie Ihre Strategie für die kommenden Jahre an?

Collini hat sich immer schon sehr weitblickend mit Dingen auseinandergesetzt und sich mit Strategien sowie Veränderungen von Umwelt und Umfeld beschäftigt. Im Zuge des Generationenwechsels haben wir nun die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt und die Strategie weiterentwickelt. Zudem wurde das Projektmanagement neu aufgesetzt, so dass Großprojekte strukturiert verfolgt werden können. Unser Leitbild heißt miteinander, klar und konsequent.

Collini ist mit 13 Werken auf drei Kontinenten vertreten. Wie werden Strukturen implementiert?

Es ist wichtig, dass Bereiche wie Anlagentechnik oder Energie überall standardisiert verfolgt werden. Ich versuche zudem, an die Schlüsselpositionen gute Leute zu setzen, die charakterlich und fachlich gut geeignet sind. Dort, wo das gelungen ist, haben wir Erfolge. Wenn es um ein spezifisches Thema wie Produktivität oder Logistik geht, haben wir Experten, die wir entsenden können.

Welche globalen Entwicklungen bekommt Collini zu spüren?

Mit England haben wir wenig Geschäft. Daher betrifft uns der Brexit kaum. Aber wenn Menschen Sorgen vor der Zukunft haben, könnten sie zurückhaltender in ihren Investitions- und Kaufentscheidungen werden. Der Handelsstreit betrifft uns auch nicht unmittelbar. Denn die Veredelung der Produkte erfolgt regional. Unsere Firma in Mexiko beliefert Kunden in Mexiko, unsere Hohenemser Firma in der DACH-Region und unsere Wiener Firma in Osteuropa. Grund sind die Transportkosten.

Wie hoch ist der Anteil der Produktion für die verschiedenen Branchen?

Der größte ist der Möbelbereich mit Beschlägen, danach folgen der Automobilsektor, die Elektronik mit Steckersystemen und Bauelementen sowie der Bereich Bau mit der Feuerverzinkung und dem Eloxalwerk. Bei der Elektronik sehen wir das größte Wachstum. Wir glauben, dass wir den Umsatzanteil in den nächsten sechs Jahren verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen können. Das liegt an der Digitalisierung, der Automatisierung und der Elektromobilität. Wobei die E-Mobilität nicht alles verdrängen wird. Ich glaube nicht, dass der Diesel mittelfristig stirbt.

Wie erarbeitet sich Collini einen Vorsprung gegenüber dem Mitbewerb?

Wir versuchen technologisch immer voran zu gehen, um entsprechende Funktionalitäten und Eigenschaften erreichen. Zudem ist die Eintrittsbarriere in unser Geschäft sehr hoch. Wir haben eine sehr hohe Kapitalintensität und wenn jemand von Grund auf beginnen würde, ist es zudem schwer, überhaupt die Genehmigungen zu bekommen, weil eine Chemiefabrik besonderen Auflagen unterliegt. Und letztlich steckt unser Know-how in den Köpfen unserer Mitarbeiter und darin, wie wir unsere Anlagen betreiben.

Ihre Branche ist auch aus Umweltgründen ein anspruchsvolles Betätigungsfeld.

Umwelt hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Wir unterliegen höchsten Auflagen und die Behörden verfolgen uns auf Schritt und Tritt. Hier versuchen wir, immer einen Schritt voraus zu sein und mehr zu tun als wir müssten. Ein Beispiel ist unsere Abwasserreinigungsanlage, die sicherlich die modernste ihrer Art ist. Aber ich glaube, es ist nicht allen Menschen bewusst, wie viel wir da tun.

Spüren Sie in der derzeitigen Klimadiskussion eine erhöhte Sensibilität seitens Ihrer Kunden?

Die meisten schauen vor allem auf den Preis. Nur im Automobilbereich und der Luftfahrt werden nun Standards und Zertifikate verlangt. Mein Ziel ist, dass wir den Kunden sagen, wir kosten zwar mehr als der Wettbewerb, aber dafür schonen wir Ressourcen, übererfüllen die Auflagen und behandeln die Mitarbeiter gut.

Wie nutzt Collini die Möglichkeiten der Digitalisierung?

Unsere Anlagen haben einen hohen Automatisierungsgrad. Wir setzen auf moderne Anlagensteuerungen und setzen Sensorik, Kameras und Aktuatoren ein. Vor zwei Jahren haben wir ein Start-up übernommen, das ein Bauteil entwickelt hat, das digital die aufgetragene Schichtdicke messen kann. Mit Kunden haben wir einen elektronischen Datenaustausch. So können wir die Einsätze der Anlagen optimal planen.

Wie ist der aktuelle Stand zum geplanten Neubau am Standort Hohenems?

In Kombination von wirtschaftlichem Ausblick und Bedarf an Erneuerung sehen wir die Notwendigkeit, hier etwas zu tun. Unser Plan wäre, heuer mit der Planung zu beginnen und Anfang 2021 mit dem Spatenstich. Die Entscheidung ist aber letztlich noch abhängig von den Gremien im Haus.