„Am Sparbuch ist das Geld irgendwann weg“

Markt / 13.02.2020 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Schoellerbank sieht Qualitätsaktien weiterhin alternativlos.

Schwarzach Konjunkturelle Eintrübung, Handelsstreit, Coronavirus: Global sind einige Herausforderungen sichtbar. An Aktien führt dennoch kein Weg vorbei, sagt Christian Fegg, Vorstand der Schoellerbank Invest, im VN-Gespräch. Sorgen gebe es an den Kapitalmärkten immer. Deshalb dürfe man sich nicht abschrecken lassen, sondern müsse langfristig denken.

„Wenn ich 50.000 Euro langfristig, also 40 Jahre, auf einem Sparbuch liegen habe, bleibt am Ende nichts davon übrig“, gibt er ein Beispiel, wie Negativzinsen gegen das Ersparte arbeiten. Den Immobilienmarkt sieht er zwar „grundsätzlich attraktiv“, aber wenn die Babyboomer-Generation in Pension gehe, werde eine Besteuerung kommen. Deshalb bleibe letztlich der Aktienmarkt als Möglichkeit, um langfristig Renditen zu erzielen. Dabei sieht er aktuell Asien günstig bewertet. „Der Ausblick in Europa und den USA hingegen ist weniger rosig. Hier sind die Börsen sehr ehrgeizig bewertet“, sagt der Experte.

Bei Anleihen setzt die Privatbank, die rund 13 Milliarden Euro an Kundenvermögen verwaltet, auf sichere Häfen, die bei etwaigen Marktkorrekturen gefragt sein werden. So etwa Anleihen großer, kapitalstarker Firmen. Zusammen mit Qualitätsaktien sei das ein gutes Rezept gegen Korrekturen. Qualität bedeute dabei: Unternehmen mit schwer angreifbaren Geschäftsmodellen, gesunden Bilanzen und nachhaltigem Wachstum.

Anlegern empfiehlt er zum einen eine Dividendenstrategie. „Hier sollte man Aktien suchen, die zwischen zwei und drei Prozent ausschütten, dies dafür aber nachhaltig.“ Zum anderen sei auch eine ethische Strategie sinnvoll. Nicht nur aufgrund moralischer Gründe. Es gehe auch um die Performance. Laut großen Finanzstudien, die den Zeitraum seit 1970 analysieren, hätten ethische Veranlagungen einen kleinen Performance-Vorteil. Diesen sollte man nutzen, ist Fegg überzeugt, der es als sehr positiv bewertet, dass die Klimadiskussion nun die Vorstandsetagen erreicht hat. Auch die Pläne der Bundesregierung, dass es für Erträge aus ethischen Investments eine Befreiung von der Kapitalertragssteuer geben soll, seien wichtig. Schließlich sei der Klimawandel die größte Herausforderung. „Die Starkwetterereignisse nehmen massiv zu. Gleichzeitig ist die Gesellschaft hoch verschuldet. Das könnte zu einem großen Schaden führen.“

Indes sieht er Gold zwar derzeit attraktiv, als langfristige Kapitalanlage komme es für ihn aber nicht in Frage. Das zeige der historische Vergleich. In einem Portfolio könne man aber durchaus zwei bis drei Prozent beimischen.

Coronavirus und US-Wahl

Die größten Risiken für die Börsen sieht Fegg in China – aufgrund der hohen Schulden der chinesischen Unternehmer und des Coronavirus. Hier seien die Auswirkungen noch nicht absehbar. Zudem stehe die Präsidentenwahl in den USA an. „Gewinnt ein linker Kandidat, besteht die Gefahr, dass Trumps Steuerreform rückgängig gemacht wird. Diese Rechnung müssen dann die Unternehmer und Aktionäre zahlen. Bei Donald Trump besteht hingegen die Gefahr, dass der Handelskonflikt mit China wieder aufkeimt“, betont Fegg. Aber auch wenn Aktien Schwankungen unterliegen, sei das langfristig kein Grund zur Sorge. „Wenn jemand im Jahr 1926 100 Dollar in Aktien angelegt hätte, wären es heute 850.000 Dollar.“ VN-reh

„Marktkorrekturen gibt es. Sie können aber gut für günstige Zukäufe genutzt werden.“