Wozu die Kammer, Herr Präsident?

Markt / 14.02.2020 • 19:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hans Peter Metzler trat das Amt des Präsidenten Ende 2016 an. VN/Steurer
Hans Peter Metzler trat das Amt des Präsidenten Ende 2016 an. VN/Steurer

Ein Image zu ändern dauert, sagt Hans Peter Metzler. Er sei aber geübt darin zäh zu bleiben.

Hittisau „Hoffentlich reut es euch nicht.“ Das waren seine Worte bei der Antrittsrede vor drei Jahren, als der Hittisauer Hotelier Hans Peter Metzler zum Präsidenten der Wirtschaftskammer Vorarlberg gewählt wurde. „Mein Gefühl ist ein gutes. Viele spüren, dass ich es Ernst meine“, sagt er nun im VN-Gespräch. Auch wenn er zugibt, dass er doch länger gebraucht habe, sich in dem komplexen System zurechtzufinden. „Es war ein Lernprozess und die letzten drei Jahre entsprechend anspruchsvoll.“

Wie er heute die Außenwahrnehmung der Wirtschaftskammer sieht? „Das System Kammer wird kritisch beäugt. Viele zehren noch vom alten Bild. Es dauert lange, bis sich ein angestammtes Image ändert. Ich kann nach drei Jahren aber sagen, es ist eine spannende Institution. Mit den neuen Herausforderungen haben sich neue Kräfte entwickelt. Auch zu den Sozialpartnern wurden Brücken gebaut und neue Projekte initiiert“, nennt Metzler Beispiele wie die Marke Vorarlberg, Digital Campus oder Postgarage. Es sei teilweise Veränderung gelungen. Auch aus dem internen Strategieprozess seien 30 von 46 Projekten in Umsetzung.

Frage nach der Pflicht

Ebenfalls wird in regelmäßigen Abständen der Sinn der Pflichtmitgliedschaft infrage gestellt wird. Auch jetzt vor der Wahl, die Anfang März stattfindet. Als Beispiel für freiwillige Interessenvertretungen dient dabei gerne die Industriellenvereinigung. „Bei uns finanzieren die großen Unternehmen solidarisch Leistungen für die kleinen Unternehmen mit. Ohne Pflichtmitgliedschaft wäre dies nicht möglich. Und eine IV vertritt nur die Industrie, der ÖAMTC die Autofahrer. Wir haben vom Energieberater bis zum Tischler und Industriebetrieb alle Unternehmen unter einem Dach. Gäbe es das große Ganze nicht, würde man die Gruppen gegeneinander ausspielen. Das wäre für den politischen Ansprechpartner ein gefundenes Fressen“, ist der Präsident überzeugt.

Die Leistungen der Wirtschaftskammer nach außen zu transportieren, sei aber nicht einfach. Die Begeisterung für die Vertretung komme oft erst, wenn ein Betrieb ein Problem habe, das man lösen könne. „Wer zu uns Kontakt hat, ist überrascht und zufrieden. Erst dann sind wir erfolgreich.“

Hilfreich sei, dass sich der Kammerapparat auch österreichweit wandle und neue Köpfe am Werk seien. Durch neue Mitarbeiter und Unternehmensfunktionäre habe es einen neuen Schub gegeben. „Ich bin nicht Präsident, um eine wundervolle Repräsentationsaufgabe zu haben, sondern weil ich etwas bewegen will. Nur so macht das Spaß.“

Dass die Wahlbeteiligung bei der letzten Wahl bei nicht einmal 30 Prozent lag, sieht er im sehr komplexen Wahlprozess begründet. Das Feedback an ihn sei hauptsächlich positiv. „Dazu kommt, dass sich durch die neue Bundesregierung die Stimmung gedreht hat. Es wird generell weniger pauschal geschumpfen.“

Wieder als Präsident anzutreten, war für ihn dabei eine leichte Entscheidung. „Ewig“ will er das Amt zwar nicht ausfüllen, wie er sagt, aber es gebe noch einiges zu tun. „Wir haben viele neue Projekte in der Pipeline, die für ordentlich Schwung sorgen werden“, erklärt Metzler. Seine Rolle sieht er dabei auch – angelehnt an seine unternehmerische Tätigkeit – als Gastgeber. „Wir müssen verstärkt Leute zusammenbringen. Sein Wissen in Netzwerken zu teilen und zusammenzuarbeiten ist die neue Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen.“

Zäh bleiben im Tun

Um Dinge voranzutreiben, will er in seinem Tun jedenfalls zäh bleiben. Geübt darin sei er. „Auch bei Projekten wie der Käsestraße oder der Wälderhalle habe ich einen langen Atem gebraucht.“

„Ich bin nicht Präsident, um eine wundervolle Repräsentationsaufgabe zu haben.“