„Kurzarbeit bedeutet mehr netto“

Markt / 23.03.2020 • 19:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andreas Scalet (VN) und AMS-Chef Bernhard Bereuter im Livetalk.<span class="copyright">screenshot</span>
Andreas Scalet (VN) und AMS-Chef Bernhard Bereuter im Livetalk.screenshot

AMS-Chef Bernhard Bereuter stand in Fragestunde Rede und Antwort.

Bregenz Die Mitarbeiter des AMS haben derzeit alle Hände voll zu tun. Denn der Informationsbedarf ist hoch. Für die VN stand AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter gestern in einer interaktiven Sprechstunde Rede und Antwort.

Wieso ist es besser, Kurzarbeit zu beantragen, als die Mitarbeiter arbeitslos zu melden?

Unternehmen bekommen den Ausfall der Lohnkosten ersetzt und haben danach ihre Arbeitskräfte sofort wieder zur Verfügung. Das bedeutet mehr Wettbewerbsfähigkeit. Die Mitarbeiter bekommen zwischen 80 und 90 Prozent des letzten Nettolohnes. Das ist deutlich mehr, als sie an Arbeitslosengeld bekommen würden. Dort liegt die Rate zwischen 55 und 60 Prozent.

Mein Chef hat angekündigt, in der Situation nun in Pension zu gehen und die Firma zu schließen. Was sollen wir tun?

Das Kurzarbeitsmodell ist für wirtschaftlich vorrübergehende Einbußen gedacht. Aber man kann es auch nutzen, in der Hoffnung, dass sich für das Unternehmen danach eine Nachfolgeregelung ergibt.

Gibt es die Möglichkeit, in der Kurzarbeit beispielsweise als Erntehelfer zu arbeiten?

Die Zeit der Kurzarbeit gilt grundsätzlich als Freizeit, diese kann man individuell nutzen. Eine Verpflichtung von unserer Seite gibt es nicht.

Man hört aus der Gastronomie, dass sich viele Betriebe selbst die Kurzarbeit nicht leisten können.

Auch für sie taugt das Modell. Denn es kann rückwirkend mit 1. März beantragt werden. Wenn ich also im März noch 50 Prozent Arbeitsauslastung hatte, kann ich im April und Mai bis auf null Prozent heruntergehen. Denn der Durchrechnungszeitraum ist drei Monate.

Soll ich bei Kurzarbeit immer die maximalen Ausfallstunden von 90 Prozent beantragen?

Wichtig ist eine realistische Einschätzung, aber man kann tendenziell mehr Ausfallstunden beantragen, dann ist man auf der sicheren Seite. Bei der Beantragung wird der Durchschnitt ausgerechnet. Die Abrechnung erfolgt dann monatlich unter Berücksichtigung der tatsächlichen Ausfallstunden.

Für wen kann man Kurzarbeit beantragen?

Für alle Arbeitnehmer, außer für geringfügig Beschäftigte. Neu gilt die Regelung auch für Lehrlinge.

Muss ich vor der Kurzarbeit den alten Urlaub aufbrauchen?

Man kann den Urlaub vor oder während der Kurzarbeit konsumieren.

Ist Kurzarbeit auch möglich, wenn ein befristetes Dienstverhältnis bis Ende Mai besteht?

Ja, es muss allerdings ein Beschäftigungsverhältnis von mindestens einem Monat bestanden haben. Deshalb kann man neue Mitarbeiter nicht direkt in Kurzarbeit schicken.

Kann ich auch nur einen Teil der Belegschaft zur Kurzarbeit anmelden?

Ja, das ist möglich.

Soll ich Vorstellungstermine wahrnehmen?

Ja, das sollte man als Chance sehen.

Sind bei der Kurzarbeit erfolgsabhängige Provisionen Teil der Bemessungsgrundlage?

Nur wenn es fixe Lohnbestandteile sind. Einmalzahlungen/Prämien müssen herausgerechnet werden.

Bekomme ich in Kurzarbeit immer 80 bis 90 Prozent, egal wie viel Prozent ich arbeite?

Ja.

Wie ist es mit Krankenstand während der Kurzarbeit?

Das gilt nicht als Ausfallsstunde und zahlt der Arbeitgeber.

VN-STammtisch

Video zum Nachschauen

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