Sulzberg erhält sich den Gestaltungsspielraum

Markt / 30.06.2020 • 19:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit dem Instrument Genossenschaft kann die Gemeinde Sulzberg auch in schwieriger Zeit die Entwicklung weiter vorantreiben. FA/Atrium
Mit dem Instrument Genossenschaft kann die Gemeinde Sulzberg auch in schwieriger Zeit die Entwicklung weiter vorantreiben. FA/Atrium

Genossenschaft erlaubt es, ambitionierte Pläne umzusetzen.

Sulzberg Bürgermeister Helmut Blank wollte nach 25 Jahren im Amt eigentlich im März in jüngere Hände geben – daraus wurde aus den bekannten Gründen nichts – nun wird es Herbst werden, bis Blank abgibt. In der Zwischenzeit ist er damit beschäftigt, die Gemeinde durch die Krise zu führen. Immerhin rechnet er heuer mit Mindereinnahmen in der Höhe von rund 500.000 Euro. Die Voraussetzungen, dennoch gut durch die Coronawirren zu kommen, stehen gut, denn Sulzberg hat die Basis dafür bereits im Jahr 2006 gelegt, wie Blank im Gespräch mit den VN betont. Damals wurde ein Gemeindeentwicklungsprozess gestartet mit dem Ziel, dass junge Sulzberger im Ort sowohl wohnen als auch arbeiten können.

Grundstückskauf in der Krise

Sulzberg hat, um diesen Plan umzusetzen, als erste Gemeinde im Jahr 2008 eine Projekt- und Strukturgenossenschaft ((PSG) gegründet, fachlich unterstützt wurde sie dabei vom Dornbirner Institut für Standort-, Regional- und Kommunalentwicklung (ISK). Die Genossenschaft bewährt sich auch jetzt, so Blank, denn trotz der Krise konnte eine 7000 Quadratmeter große Wohnbaufläche erworben werden, ohne das Gemeindebudget zu belasten. Finanziert wird über die Genossenschaft, in der neben der Gemeinde die Raiffeisenbank Weissachtal und die Raiffeisenlandesbank Mitglieder sind, wobei die Gemeinde Käufe wie Verwendung der Flächen bestimmt. Der Finanzmitteleinsatz der Gemeinde reduziert sich bei diesem Modell, das es inzwischen schon elfmal in Österreich gibt, auf zehn bis 15 Prozent. Für das neu erworbene Entwicklungsgebiet Widum und Falz wurde vom Bezauer Architekturbüro Innauer Matt außerdem eine Bebauungsstudie erstellt, die sowohl Mehrfamilien- wie auch Einfamilienhäuser umfasst, sowohl Miet- wie Eigentumswohnungen. Dass das Projekt weitergeführt werden kann, ist für Blank ein wichtiges Zeichen an die Bevölkerung, dass es trotz der schwierigen Zeit weitergehe.

Dringliches Themenfeld

Eines der dringlichsten Themenfelder für Gemeinden – nicht nur für Sulzberg – sei eine aktive Bodenpolitik und ein professionelles Flächenmanagement. «Dazu gehören die Sicherung von Betriebsgebietsflächen, um die Kommunalsteuer zu halten und auszubauen und Arbeitsplätze zu generieren, die Sicherung von Grundstücken für leistbares Wohnen, aber auch von Flächen für strategisch relevante Entwicklungen der Gemeinde», erklärt dazu Gerald Mathis, Geschäftsführer des ISK, das dieses Modell genau für diesen Zweck entwickelt hat. Bodenpolitik müsse integrativer Teil der Gemeindepolitik sein, denn ohne Flächen ist Entwicklung nicht möglich, betonen Blank und Mathis. VN-sca

„Dank unserer Genossenschaft können wir auch jetzt wichtige Projekte umsetzen.“

Sulzberg erhält sich den Gestaltungsspielraum