Wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt

Markt / 29.07.2020 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt
Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich zwar etwas entspannt, doch wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt, kann derzeit nur gemutmaßt werden. APA

Zahl der Arbeitslosen leicht gestiegen. AK-Präsident fordert umfassende Maßnahmen.

Bregenz, Feldkirch Der seit der Coronakrise wöchentliche Arbeitsmarkt-Bericht zeigt sehr genau, wie sich die Lage entwickelt. In der vergangenen Woche gab es nach der kontinuierlichen Abnahme der Arbeitslosenzahlen seit April diesen Dienstag erstmals wieder eine leichte Zunahme der Arbeitslosenzahlen in Vorarlberg auf 14.766 – vier Personen mehr als vor einer Woche, das entspricht einer Zunahme von 0,02 Prozent, berichtet Katharina Neuhofer, stv. Geschäftsführerin des AMS Vorarlberg. In den Zahlen sind auch die Schulungsteilnehmer berücksichtigt. Die Zahl teilt sich auf 7540 Männer und 7226 Frauen auf. In Österreich sank die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer im Vergleich zur Vorwoche um knapp 1600 auf 432.000 Betroffene. Beim AMS Vorarlberg hat man schon Ende Juni angekündigt, dass erst im August wieder mit mehr Bewegung am Arbeitsmarkt zu rechnen sei.

„Wir werden deutlich mehr Investitionen in den zweiten Arbeitsmarkt brauchen.“

Hubert Hämmerle, Präsident Arbeiterkammer

In Kurzarbeit befinden sich in Vorarlberg derzeit 32.309 Personen. Die Zahl der Kurzarbeitenden in Österreich stieg im Wochenabstand um rund 18.500 auf 474.600. 5272 Betriebe im Land arbeiten derzeit kurz. Die nach wie vor hohen Zahlen und die Prognosen der Wirtschaftsforscher für den Herbst veranlassen auch Arbeiterkammer-Präsident Hubert Hämmerle, umfassendere Maßnahmen für die Jobsuche zu fordern. “Wir werden eine aktive, fantasievolle Arbeitsmarktpolitik brauchen und deutlich mehr Investitionen in den zweiten Arbeitsmarkt.“ Hämmerles Ansicht nach dürfen auch Hoffnungsbranchen wie die Gesundheits- und Sozialberufe nicht länger stiefmütterlich behandelt werden. „Hier nicht mehr zu investieren, heißt eine Chance verpassen.“ Faire Gehälter, Weiterbildung und gute Arbeitsbedingungen würden viele Menschen dazu bewegen „umzusatteln“. Das bestätigt auch das AMS. Und „wir werden in diesen Berufen viel mehr Kräfte brauchen, das wissen wir nicht erst seit Corona“, betont der AK-Präsident.

Er fordert auch, ein Hauptaugenmerk auf die jungen Arbeitnehmer zu legen. Denn obwohl am Lehrstellenmarkt, wie die VN in der Dienstagausgabe berichten, derzeit fast 900 Stellen ausgeschrieben sind, hat sich die Arbeitslosigkeit von Menschen unter 25 Jahren gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um 72,5 Prozent gesteigert. Deshalb müsse abseits der Kurzarbeit III ein Hauptaugenmerk auf den Jugendlichen liegen. Überhaupt glaubt er, dass die derzeit verhandelten und – so die Wirtschaftsministerin – heute, Mittwoch, verkündeten Regeln für die Kurzarbeit III noch für einen heißen Herbst sorgen, sollten die Unternehmen weniger lukrative Bedingungen vorfinden.

81.548 Arbeitslose in der Bodenseeregion

Konstanz Insgesamt waren im Juni 2020 81.548 Personen bei den Arbeitsmarktbehörden in der Bodenseeregion, also in den Schweizer Anrainerkantonen, in den deutschen Landkreisen am See, in Liechtenstein und Vorarlberg, als arbeitslos registriert. In den vergangenen fünf Jahren zeigt sich zunächst bis Ende 2016 eine leicht steigende und dann ab 2017 eine sinkende Tendenz bei den absoluten Arbeitslosenzahlen. Nun ist der Einfluss der Covid19-Pandemie auf den Arbeitsmarkt deutlich sichtbar. Insgesamt haben sich die Arbeitslosenzahlen gegenüber Juni 2015 um 20,6 Prozent erhöht. Der Anteil der Frauen an allen registrierten Arbeitslosen beträgt aktuell 44,8 Prozent. 28,9 Prozent aller registrierten Arbeitslosen in der Bodenseeregion sind 50 Jahre oder älter.

Ein direkter Vergleich der Arbeitslosenquoten über die Bodenseeregionen sei aufgrund der unterschiedlichen Erhebungs- und Rechtsgrundlagen nicht aussagekräftig. Innerhalb der jeweiligen Regionen zeige sich jedoch, dass die Bodensee-Arbeitslosenquoten zum Teil deutlich niedriger seien als die nationalen Werte. Während die Arbeitslosenquoten in den anderen Bodensee-Teilregionen in den vergangenen Monaten stetig angestiegen sind, ist die Arbeitslosenquote in Vorarlberg im März 2020 steil angestiegen und aktuell wieder gesunken, stellt die Statistikplattform Bodensee fest.

Arbeitsmarkt in Zahlen

14.766 Personen sind mit Stichtag 28. Juli in Vorarlberg arbeitslos oder in Schulungsmaßnahmen

32.309 Personen sind zum Stichtag 28. Juli in Vorarlberg in Kurzarbeit. Sie arbeiten in 5272 Betrieben

81.548 Menschen sind in der Bodenseeregion arbeitslos gemeldet – 44,8 Prozent davon sind Frauen

20.629 offene Stellen sind von den Unternehmen rund um den Bodensee bei den jeweiligen Arbeitsämtern gemeldet

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