Man lebt länger und geht gleich früh in Pension

Markt / 25.08.2020 • 12:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Man lebt länger und geht gleich früh in Pension
APA

Für Ökonom Dénes Kucsera muss das Pensionsantrittsalter jährlich steigen.

Schwarzach Der Anteil der Lebenszeit, die ein österreichischer Pensionist im Schnitt im Ruhestand verbringt, ist in den letzten Jahrzehnten kräftig angestiegen. Denn zum einen steigt die Lebenserwartung und zum anderen ist das Pensionsantrittsalter nahezu unverändert geblieben. Derzeit zahlen die Bürger im Schnitt weniger als 32 Jahre ein und sind dann mehr als 20 Jahre in Pension. Das ist eine sehr gute Nachricht für die Betroffenen, weniger jedoch für das Pensionssystem an sich. Denn dadurch verschärft sich der Druck auf die Finanzierbarkeit. Im vergangenen Jahr traten Männer laut Daten der Pensionsversicherungsanstalt ihren Ruhestand durchschnittlich mit 61,1 Jahren an, Frauen mit 59,3 Jahren.

Man lebt länger und geht gleich früh in Pension

Nicht nur die EU-Kommission, sondern auch führende Ökonomen empfehlen Österreich deshalb seit längerem mit Nachdruck eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters.

Pensionsloch wird größer

Eine Schätzung der Agenda Austria zeigt, dass das Pensionsloch – also der Unterschied zwischen Ein- und Auszahlungen – bis Ende dieses Jahres auf über 24 Milliarden Euro ansteigen wird. Diese Milliarden muss der Staat aus anderen Quellen zuschießen. „Zwar ist diese Zahl im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt relativ konstant, man sieht aber, wie die Schere zwischen Ein- und Auszahlungen aufgeht. Statt gegenzusteuern, macht der Staat einfach weiter und tut so, als wäre alles bestens“, kritisiert Agenda-Austria-Ökonom Dénes Kucsera. Im EU-Vergleich seien die Pensionsausgaben relativ hoch.

Verschärft werde die Schieflage des Systems dadurch, dass die Pension immer länger bezogen wird und sich das Verhältnis von Einzahlern zu Pensionisten zunehmend verschlechtert, so Kucsera. „Die Menschen leben länger, gehen aber mit dem gleichen Alter in Pension.“ Zudem werde sich die Lage weiter verschlimmern, weil demnächst die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Pension gehen. Kamen 1970 auf einen Pensionisten noch 2,05 Erwerbstätige, sind es heute nur mehr 1,7. Und die Zahl der Pensionsbezieher steigt. Bis zum Jahr 2030 gebe es laut Agenda Austria in Österreich um 500.000 mehr über-65-Jährige als heute.

Zwei Monate pro Jahr mehr

Um dieses Problem nicht alleine den zukünftigen Generationen umzuhängen, sollte laut Kucsera das Pensionsantrittsalter mit der Lebenserwartung gekoppelt werden. Konkret müsste es ab sofort jedes Jahr um zwei Monate angehoben werden, bis ein Antrittsalter von 67 Jahren erreicht ist. In anderen europäischen Ländern sei das bereits Realität.

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