Huber Gruppe schafft Sanierung: “Zusammenarbeit aller Beteiligter als Schlüssel”

Markt / 28.08.2020 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Huber Gruppe schafft Sanierung: "Zusammenarbeit aller Beteiligter als Schlüssel"
Die Huber Shops bleiben alle erhalten. HUBER

Wie ein Solidaritätseffekt der Kunden, Eigentümermillionen und Vertrauensbasis zur geglückten Sanierung führten.

Götzis Für die wirtschaftlich schwer angeschlagene Vorarlberger Huber Gruppe, die im Mai über die Huber Holding, die Huber Shop GmbH, die Huber Tricot Gesellschaft mbH. sowie die Arula GmbH je ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnen musste, gibt es gute Nachrichten.

Am Donnerstag wurde im Rahmen der Sanierungsplantagsatzung eine Einigung erzielt. Das heißt, die Gläubiger haben die Sanierungspläne des Wäscheherstellers, der durch die Covid19-bedingten Shopschließungen 15 Millionen Euro Umsatz einbüßte, mehrheitlich angenommen und akzeptieren die vorgeschlagene Quote von 30 Prozent. Über 80 Millionen Euro an Forderungen wurden insgesamt angemeldet.

Dass eine Schließung verhindert werden konnte, ist laut den Beteiligten mehreren Umständen zu verdanken. So wurden in den vergangenen Monaten in allen Geschäftsbereichen die Kosten gesenkt sowie an der Personalschraube gedreht. 70 Mitarbeiter in Verwaltung und Produktion wurden zur Kündigung angemeldet, wobei man ursprünglich von rund 120 gestrichenen Stellen ausgegangen war. Somit behalten 1232 Mitarbeiter ihren Job, 322 davon in Vorarlberg. Entscheidend für die Annahme der Sanierungspläne war neben diesen Maßnahmen auch die Tatsache, dass Eigentümer Robert Ng einen Betrag in Millionenhöhe zuschoss. Er habe sämtliche Bankverbindlichkeiten abgelöst. Dieses frische Geld sei, so heißt es, als positives Signal für den Standort gewertet worden.

Alle Shops bleiben

Die Produktion in Mäder sowie die 70 Huber Shops, von denen einige von einer Schließung bedroht waren, bleiben indes alle erhalten. Möglich wurde das, weil man mit den Vermietern der Flächen beim Mietzins erfolgreich nachverhandeln konnte. Zudem habe es nach Eröffnung des Verfahrens Ende Mai einen großen Solidaritätseffekt bei den Kunden gegeben. Die Umsatzentwicklung in den Geschäften sei spürbar nach oben gegangen. Huber-Vorstand Michael Krauledat ist jedenfalls erleichtert. Mit der Annahme der Sanierungspläne sei der wichtigste Schritt getan. „Mit den beschlossenen Maßnahmen bin ich zuversichtlich, dass wir gestärkt aus den vergangenen Monaten hervorgehen und für die bevorstehenden Zeiten gerüstet sind.“

Die Sanierung des österreichweit führenden Textilunternehmens, das für die Marken Hanro, Huber und Skiny bekannt ist, wurde von den Kanzleien Abel Rechtsanwälte und Völkl Rechtsanwälte begleitet. Eine Herausforderung sei die enge Verflechtung der Konzerngesellschaften im In- und Ausland gewesen. Dazu kam die Aufgabe, alle Geschäftspartner weltweit ins Boot zu holen, sowie die zahlreichen Rechtsfragen, die es auch im Zuge der Corona-Kurzarbeitsförderung zu lösen galt.

Sehr gute Zusammenarbeit

Insolvenzrechtsexperte Matthias Prior (Abel Rechtsanwälte) spricht im VN-Gespräch von einer sehr guten Zusammenarbeit aller Beteiligten, von den Beraterteams über die Sanierungsverwalter bis hin zu den Arbeitnehmervertretern und dem Landesgericht Feldkirch. Das sei letztlich der Schlüssel zum Erfolg gewesen. „Um eine Sanierung erfolgreich zu gestalten, braucht es eine Vertrauensbasis. Bei Huber war die Zusammenarbeit sehr professionell. Zudem waren Mitarbeiter und Vorstand sehr engagiert dabei“, sagt der Rechtsanwalt. So sei die Huber Gruppe die erste große Konzernsanierung in Österreich, die durch die Covid19-Krise ausgelöst und nun positiv abgeschlossen wurde.

Insolvenzrechtsexperte Matthias Prior (Abel Rechtsanwälte). <span class="copyright">wurnig</span>
Insolvenzrechtsexperte Matthias Prior (Abel Rechtsanwälte). wurnig