ETH-Professor Detlef Günther: So gewinnen Unternehmen die besten Köpfe

Markt / 09.09.2020 • 09:48 Uhr
ETH-Professor Detlef Günther: So gewinnen Unternehmen die besten Köpfe
ETH-Professor und Vizepräsident Detlef Günther.

Der Vizepräsident der Hochschule weiß um die starke Synergie zwischen Universität und Industrie.

Schwarzenberg Der Klimawandel ist eines der größten Themen unserer Zeit und die Fakten wiegen schwer: Zwei Drittel der Gletscher werden bis im Jahr 2100 verschwunden sein. „Wir haben eine Verantwortung gegenüber globalen Herausforderungen“, sagt Professor Detlef Günther beim VN Business Circle in Schwarzenberg.

Mobilität sei eine der Herausforderungen, die es zu bewältigen gebe, erklärt der Professor mit Schwerpunkt analytische Chemie und Vizepräsident für Forschung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich.  

Flüssige Treibstoffe

Die ETH selbst forscht in sehr vielen Bereichen, von der Elektromobilität hin zu autonomem Fahren oder Transportströmen. Genauso haben Forschende eine Technologie entwickelt, die aus Sonnenlicht und Luft synthetische flüssige Treibstoffe herstellt. „Die Forschung ist essenziell auf dem Weg zu einer Co2-neutralen Gesellschaft. Verbrennungsmotoren werden sich nicht einfach abschaffen. Die Frage ist deshalb, ob es gelingt, einen chemischen Weg zu finden, der nicht die Nahrungskette beschädigt“, so Günther.

Wichtig sei dabei aber die Zusammenarbeit mit den Partnern aus der Industrie und die direkte Anwendung. So wurden an der ETH Zürich seit dem Jahr 2010 242 Unternehmen gegründet. Allein im vergangenen Jahr haben ETH-​Forschende 30 neue Firmen gegründet. Diese Spin-offs werden nicht nur bei ihrer Gründung, sondern auch während den ersten Jahren ihres Bestehens durch Beratung, Lizenzierung und Kontakte unterstützt. Für Günther ist es wichtig, dass aus innovativen Technologien der Grundlagenforschung letztlich Unternehmen und somit neue Arbeitsplätze entstehen.

Großes Interesse

Insgesamt sieht er sehr große Synergien zwischen Universitäten und Industriepartnern. Der Raum Zürich beispielsweise profitiere sehr stark von der ETH, sagt der Professor. Denn mittlerweile seien große Player der Informationstechnologie hier angesiedelt. Google mit 5000 Arbeitsplätzen ist nur ein Beispiel. Genauso hätten sich zahlreiche asiatische Firmen niedergelassen. Der eigene Flughafen zusammen mit den Talenten biete einen entsprechenden Vorteil.

Die ETH selbst habe aktuell 240 Professuren mehr als noch im Jahr 2003 und auf die Doktorandenstellen kämen eine sehr hohe Anzahl an Bewerbungen. Insgesamt gebe es in der Region ein funktionierendes Ökosystem. Dieses sei enorm wichtig für einen Universitätsstandort. Einfach nur eine neue Universität zu bauen, reiche letztlich nicht aus. Es brauche ein Gesamtgefüge und eine Diskussion im Land.

Den Universitäten in Europa stellt der Professor insgesamt ein gutes Zeugnis aus. Was oft fehle, sei aber der Mut. „Man hat immer den Blick ins Wunderland Silicon Valley. Dabei gibt es hier genügend brillante Köpfe und Ideen, in die es sich auch lohnt, zu investieren.“

Kampf um Talente

Wie aber kann sich eine Region wie Vorarlberg gegen eine Region wie Zürich im Kampf um die besten Fachkräfte behaupten? „Man muss als Unternehmen den Absolventen knackige Anwendungsthemen geben und ihnen Möglichkeiten aufzeigen“, sagt der ETH-Vizepräsident. Zudem könnte die Region Vorarlberg sehr vom Thema Weiterbildung profitieren. „Eine Möglichkeit wäre, wenn die stärksten Industriepartner gemeinsam die wichtigsten Skills definieren und diese dann in Weiterbildungsformaten angeboten werden. Das Angebot lässt man wachsen und dann spricht sich das sehr schnell herum.“