Darum sind die Reisebüros erzürnt über die EU

Markt / 18.09.2020 • 23:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Darum sind die Reisebüros erzürnt über die EU
Reisebüro-Sprecher Herburger: „EU-Beamte treiben uns in den Ruin.“ VN/PHILIPP STEURER

Gerangel um Fixkostenzuschuss II: Reisebüros greifen EU-Vertreter frontal an.

DORNBIRN, Wien, Brüssel Katastrophe oder Wirtschaftskrise. Das ist, selbstverständlich verkürzt, die Frage, über die sich Österreich mit der EU derzeit in Sachen Fixkostenzuschuss II streitet. Bei einer Naturkatastrophe würde der Zuschuss für die am härtesten betroffenen Branchen nämlich Zustimmung finden, andernfalls eben nicht. Der Vertreter der Vorarlberger Reisebüros, Klaus Herburger, kann es nicht fassen, dass mit „Spitzfindigkeiten“ die Existenz seiner Branche und vieler anderer schwer betroffener Betriebe, etwa der Stadthotellerie, aufs Spiel gesetzt wird. Die EU-Blockade hat auch einen Namen: Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, der die Einreichung als falsch formuliert bezeichnete. „Die Einreichung ist korrekt, droht aber wegen juristischer Spitzfindigkeiten abgelehnt zu werden“, so Herburger.

Spiel mit ungleichen Regeln

Überhaupt: Corona sei eine Katastrophe, in der wir noch mittendrin sind, die Wirtschaftskrise folge erst jetzt. Mit Spitzfindigkeiten, so der Reisebürobetreiber, gefährde Brüssel Tausende Arbeitsplätze in Österreich. Die Reisebürobranche habe seit dem Lockdown sehr viel Arbeit, aber keine nennenswerten Einkünfte. Hauptsächlich sei man darum bemüht, die von Stornierungen betroffenen Kunden zu betreuen, auch das ein Spiel mit ungleichen Regeln. Denn nach wie vor hapert es laut Herburger an den Rückzahlungen durch Fluggesellschaften und Reisekonzerne. „Den Ärger bekommen oft wir ab, obwohl wir dafür gar nichts können.“ Überhaupt verstehe er nicht, dass der österreichische Fixkostenzuschuss II blockiert werde, während der weltgrößte Reisekonzern TUI vom deutschen Staat drei Milliarden Euro an Soforthilfe und die Lufthansa sogar neun Milliarden Euro an einer ähnlichen Direkthilfe mit Zustimmung der EU-Kommission erhalten durften. Es dränge sich der Verdacht auf, dass im großen Stil Österreich von seinen klein- und mittelständischen Reisebüros bereinigt werden soll. Der EU-Vorschlag, dass ein mit 800.000 Euro gedeckelter Fixkostenzuschuss II genehmigt würde, sei eine Mogelpackung und auf jeden Fall abzulehnen. Es sind bereits gewährte Zuschüsse gegenzurechnen. Helfen werde der Branche nur eine Genehmigung des Fixkostenzuschusses II, so Herburger.

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