„Der härteste Job der Welt“

Markt / 03.11.2020 • 22:21 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Anton Pfanner hat in den vergangenen 30 Jahren über 2000 Patente angemeldet, ein Meilenstein war die Entwicklung des Sicherheitshelms Protos. VN/Steurer
Anton Pfanner hat in den vergangenen 30 Jahren über 2000 Patente angemeldet, ein Meilenstein war die Entwicklung des Sicherheitshelms Protos. VN/Steurer

30 Jahre Pfanner Schutzbekleidung – trotz Corona starkes Wachstum im Jubiläumsjahr.

Koblach Jahrelang ließ es Anton Pfanner keine Ruhe, dass seine Kunden ihr wertvollstes Körperteil, den Kopf, nicht richtig schützen können. Das kostete den Unternehmer Tausende Stunden und Millionen Euro an Investitionen in Forschung und Entwicklung. Und viele Nerven, denn er war damit ein einsamer Rufer in der Wüste – oder besser gesagt: im Wald. Denn Maßstab für alle Entwicklungen, auch für den Helm Protos, des Unternehmens Pfanner Schutzbekleidung, ist der „härteste Job der Welt, der des Holzfällers“. Es gibt nichts was herausfordernder wäre“, so Pfanner, Kleinste Fehler, unvorhergesehene Reaktionen, die es beim Fällen von Bäumen immer geben kann, können zu großen Katastrophen und tödlichen Verletzungen führen.

Start in der Garage

Angefangen hat Pfanner vor 30 Jahren ganz klassisch – in der Garage. Als kleiner Händler, das musste er gleich feststellen, blieb ihm der Vertrieb großer und anerkannter Marken verwehrt. Er musste selbst tätig werden, selbst Arbeitsbekleidung entwickeln, herstellen und produzieren lassen. Dabei zeigten sich die Tugenden eines Unternehmers, denn Pfanner schaute genau, was seinen Kunden aus der Holzwirtschaft das Leben leichter und vor allem sicherer machte. Das löste einen wahren Innovationssturm aus, der bis heute anhält: Rund 2000 Patente hat das Unternehmen inzwischen angemeldet, und es sollen noch mehr werden. Denn der Firmengründer hat einen Plan: Heute 63 Jahre alt, will er noch drei Jahre an der Spitze des Unternehmens bleiben, außerdem feiert dann die Firma ihren 66. Geburtstag. Bis dahin sollen noch 33 Patente folgen.

Das ist Pfanner durchaus zuzutrauen, denn mittlerweile wird das Unternehmen, das mit Textilien begonnen hat, zum digitalen Player. Und da kommt wieder der Helm Protos ins Spiel. In den vergangenen Monaten entwickelte Pfanner zusammen mit dem deutschen Freizeitpark Europapark Rust YULLBE 30 für innovative Virtual Reality-Erlebnisse, bei denen sich die Grenzen der gewohnten Realität auflösen Mit Full-Body-Tracking, Free Roaming mit Helm, Rucksack sowie Hand- und Fußtrackern wird man Teil einer Geschichte, berichtet der Unternehmer über ein spannendes Projekt, das in Zukunft weiter ausgerollt werden soll. Ebenso wie Microsoft HoloLens, ein Mixed-Reality-Gerät das AI-fähige Technologien verarbeiten kann. Einsatzbereiche hiefür sind Polizei- und Feuerwehreinsätze, aber auch schwierige Montagen im Baubereich. Immer ist der Helm Träger der neuen Technologie, die Möglichkeiten seien noch gar nicht alle ausgelotet, berichtet Pfanner über die Zusammenarbeit in diesen Bereichen.

Rot statt grün

Den Ursprung des Unternehmens, die Intentionen, die das Koblacher Unternehmen groß gemacht haben, wird dabei nicht außer Acht gelassen, ein Fokus ist immer auf den Einsatz bei schwierigen und gefährlichen Arbeiten gerichtet. Das gilt auch für die Schutzbekleidung, die Pfanner im Firmennamen verankert hat. Zahlreiche Neuerungen, etwa neue Berufskleidung wie der schlagfesten Hose oder für die harte Arbeit maßgeschneiderte Arbeitsschuhe sind heute in der Branche Standard. Genauso wie die Farbe Rot für die Kleidung der Forstarbeiter, die am Anfang von der Branche kritisch gesehen wurde, weil es nicht das gewohnte Forstgrün war, und heute selbstverständlich ist.

Neue Märkte erobern

Heuer hat Pfanner auch mit dringend benötigten Masken für verschiedene Anwendungen reüssiert. Doch das heuer erzielte Umsatzwachstum von rund 40 Prozent hänge nicht an den Masken, sondern an den höheren Ansprüchen an Funktionskleidung und Arbeitssicherheit, so der Hohenemser, der sich wie viele Firmengründer schwer tut, sein Werk in neue Hände zu übergeben. Bislang fand er noch keinen Nachfolger, der seinen Ansprüchen genügt, doch er sei guter Dinge, dass dies in den nächsten Jahren gelingen werde, so Pfanner, der die ständige Weiterentwicklung der rund 400 Produkte, die in der Region oder mit langjährigen europäischen Partnern gefertigt werden, dem intensiven Kontakt mit dem Kunden bei Messen und Veranstaltungen schuldet. Heuer macht das Unternehmen – passend zum 30sten Jubiläum – über 30 Millionen Euro Umsatz, längst nicht mehr mit den Holzfällern, sondern mit Rettungs- und Polizeiorganisationen, mit Firmen und im privaten Freizeitbereich, erzählt der Gründer und Geschäftsführer. Was ihn angetrieben hat? „Dass es gelungen ist, mit unseren Entwicklungen Leben zu retten und zu schützen“, ist die Antwort, die ohne zu zögern über die Lippen von „Erfinder“ Anton Pfanner kommt. VN-sca

Pfanner Schutzbekleidung

Gegründet 1990

Geschäftsführer und Inhaber Anton Pfanner

Mitarbeiter 60

Umsatz 2019 über 30 Millionen Euro

Export weltweit

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