Hotelier Markus Kegele: “Ausländische Investoren warten schon”

Markt / 05.11.2020 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gute Lagen sind bei Investoren beliebt. <span class="copyright">VN</span>
Gute Lagen sind bei Investoren beliebt. VN

Tourismussprecher warnt vor Ausverkauf von Hotels in guten Lagen.

Stuben Markus Kegele ist fassungslos. Nach dem Lockdown im März, den Vorschriften und Bestimmungen zur Öffnung und der vorgezogenen Sperrstunde um 22 Uhr wurde nun die gesamte Tourismusbranche behördlich dichtgemacht. „Alle anderen Branchen können offenhalten, nur wir nicht und das, obwohl wir sämtliche Vorgaben erfüllt und alle notwendigen Vorkehrungen getroffen haben“, sagt der Hotelier (Hotel Mondschein, Stuben) und Sprecher der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in Vorarlberg.

Kegele macht sich nun ernsthafte Sorgen um seine Branche. Denn, was nach dem November ist, liege völlig im Dunkeln. Niemand wisse, was danach kommt. Kaum vorstellbar ist es für ihn, dass Länder wie Deutschland oder Holland ihre Reisebeschränkungen bis dahin lockern werden. „Wir hatten im vergangenen Winter in Vorarlberg 1,2 Millionen Gäste und fünf Millionen Nächtigungen“, gibt Kegele ein Beispiel, weshalb ein Winter ohne die Gäste dieser wichtigen Märkte kaum funktionieren kann.

Keine Planungssicherheit

Das Hauptproblem an der Situation sieht er in der nicht vorhandenen Planbarkeit. Denn normalerweise würde Kegele, genauso wie seine Berufskollegen, gerade Arbeitsverträge mit den Mitarbeitern schreiben und die Warenlager bestücken, bevor Anfang Dezember die Skigebiete aufsperren. „Der Plan der Regierung geht nur bis Ende November. Und auch wenn der Fall einträte, dass wir beispielsweise am 15. Dezember aufmachen können, wer garantiert uns, dass wir im Jänner nicht wieder zusperren müssen?“, ärgert sich Kegele. Nicht zu erwähnen, dass bei solcher Kurzfristigkeit wohl auch kein Personal mehr zu finden sei.

Markus Kegele, Hotelier und Sprecher der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. <span class="copyright">Sams</span>
Markus Kegele, Hotelier und Sprecher der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Sams

Viele Betriebe würden derzeit überlegen, gar nicht erst aufzusperren. Das wäre dann zumindest planbar. „Auch ich habe Berechnungen angestellt, ab welchem Punkt es sich nicht mehr rentiert, das Hotel zu öffnen. Das machen derzeit sehr viele“, betont der Hotelier, der darauf verweist, dass die Buchungsvorschau über den Winter derzeit im Schnitt zwischen 15 und 30 Prozent liegt. „Selbst wenn sich die Zahl noch verdoppelt, reicht es nicht.“

Hotels begehrte Objekte

Zudem warnt er vor noch weitreichenderen Konsequenzen. „Die ausländischen Investoren warten bereits. Es ist zu befürchten, dass in den Tourismusregionen ein Ausverkauf der guten Immobilien und Bauplätze beginnt. Denn Hotels in guten Lagen sind für Konzerne begehrte Objekte. Nur, in den meisten Fällen, entstehen daraus dann letztlich keine Hotels mehr, sondern Luxusappartements, die keine Wertschöpfung generieren.“

Mit Wertschöpfung spricht Kegele jenen Fakt an, dass die Investitionen und Ausgaben der Hotel- und Gastronomiebetriebe im Land vor allem in Branchen wie Handwerk oder Handel fließen. „2019 lag die direkte und indirekte Wertschöpfung des Tourismus in Vorarlberg bei zwei Milliarden Euro. Jeder siebte Arbeitsplatz im Land hängt an unserer Branche. Wir investieren und kaufen zu 80 Prozent regional.“

“Es braucht Szenarien”

Was Markus Kegele vermisst, sind konkrete Lösungen. Den 80-Prozent-Umsatzersatz für November begrüße er, aber es sei mehr eine schöne Überschrift ohne Inhalt. Schließlich gebe es hier noch keine Details. „Als Betriebe können wir ja nicht nur bis Ende November denken. Wir brauchen konkrete Szenarien für den Winter.“

Das bedeute, man benötige beispielsweise ein konkretes Szenario, was passiert, wenn Ende November die Pandemiesituation gleich ist wie heute. „Das würde ich unter Führungsqualität verstehen. Nun aber steht alles auf dem Spiel – Existenzen wie Arbeitsplätze“, spricht Kegele auch die Qualität und das Know-how an, das sich die Tourismusbranche über Jahrzehnte aufgebaut habe. „Derzeit ist eine komplette Branche ohne Arbeit und ohne Perspektive. Hier ist nun eindeutig eine rote Linie überschritten.“

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