Warum sich Firmen gegen Homeoffice-Pflicht wehren

Markt / 09.11.2020 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Warum sich Firmen gegen Homeoffice-Pflicht wehren
Wissenschaftler fordern eine Homeoffice-Pflicht für Firmen. Doch das funktioniere in vielen Fällen nicht, sagen Unternehmer.  APA

Österreichische Wissenschaftler fordern Homeoffice-Pflicht, um Corona einzudämmen.

Rankweil, Wien, Schwarzach Die Corona-Infektionszahlen steigen nicht nur in Österreich und Vorarlberg weiterhin  ungebremst. Das hat nun eine Gruppe österreichischer Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen auf den Plan gerufen, die einen deutlich strengeren Lockdown fordern. Sie sprechen sich in einer Aussendung für die sofortige Schließung aller Schulen, die „Pflicht zu Homeoffice, wo immer möglich“ sowie die Erhöhung des Mindestabstands von einem auf zwei Meter aus, andernfalls würden Österreich überlastete Spitäler und Triage, also medizinischer Hilfeleistung bei unerwartet hohem Aufkommen an Patienten und unzureichenden Ressourcen, drohen.

„Ich halte eine Homeoffice-Pflicht für völlig praxisfern, das muss freiwillig bleiben.“

Karlheinz Kopf, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich

„Der ‚Lockdown light‘ setzt, im Gegensatz zum rigorosen Lockdown im Frühjahr, teils auf die falschen Maßnahmen und ist viel zu locker“, meinen der Mathematiker Peter Markowich, der Informatiker Georg Gottlob und die beiden Physiker Christoph Nägerl und Erich Gornik, allesamt Träger des Wittgenstein-Preises – der höchste Wissenschaftsförderpreis Österreichs – aus den vergangenen Jahrzehnten, in einer der Nachrichtenagentur APA übermittelten Stellungnahme. Sie fordern deshalb eine sofortige Schließung aller Schulen, aber auch die Pflicht zu Homeoffice. Betriebe sollten sofort herunterfahren, speziell Großraumbüros, und eine „Pflicht zu Homeoffice, wo immer möglich“ eingeführt werden.

Wirtschaft sperrt sich

Ein Ansinnen, das in der Wirtschaft nicht auf Zustimmung trifft. Zum einen ist Homeoffice nur für einen Teil der Arbeitnehmer eine Option, Produktionsarbeitsplätze können nicht nach Hause ausgelagert werden, „selbst bei Verwaltungstätigkeiten geht das nicht immer“, stellt der Altacher Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf auf VN-Anfrage fest.“Ich halte eine Homeoffice-Pflicht für völlig praxisfern, das muss freiwillig bleiben“, gibt er ein klares Statement ab und verweist darauf, dass in Firmen sehr auf Einhaltung der Maßnahmen gesetzt wird und diese auch geeignet seien, die Mitarbeiter zu schützen. Beim Rankweiler Automotive-Zulieferer Hirschmann jedenfalls setzt man auf die Präsenz der Mitarbeiter, wie Geschäftsführer Volker Buth im Gespräch mit den VN feststellt. Bei der intensiven Entwicklungstätigkeit sei diese unabdingbar, sagt Buth, „da sind 30 Meter Abstand oft schon zuviel, da geht es um intensive Kommunikation“. Die Maßnahmen seien jedenfalls sehr gut, „seit Einführung der Regeln haben wir keinen einzigen Coronafall in der Firma gehabt“. Sollten die Zahlen weitersteigen, werde man das situationsbedingt neu bewerten.

„Bei der intensiven Entwicklungstätigkeit bei uns ist die Präsenz in der Firma notwendig.“

Volker Buth, Geschäftsführer Hirschmann Automotive

Auch ein nicht genannt werden wollender Geschäftsführer eines Handelsunternehmens im unteren Rheintal spricht sich gegen die Homeoffice-Pflicht aus, da die Face to Face-Kommunikation sehr wichtig sei in der Branche und in der Firma. „Wenn die Mitarbeiter im Homeoffice sind, geht auch Produktivität verloren“, berichtet er über die Erfahrungen im ersten Lockdown. Auch sein Unternehmen ist bislang gut gefahren mit großen Abständen in den Büros und in den Lagerräumlichkeiten. Auch seien es oft die Mitarbeiter, die – wenn alle Maßnahmen wie kontingentierte Sitzungsteilnahmen, große Abstände, Maskenpflicht etc. stimmen – lieber im Betrieb arbeiten. „In vielen Haushalten ist auch der Platz nicht vorhanden, um störungsfrei arbeiten zu können.”

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