Was Karlheinz Kopf gegen die Verzweiflung der Betriebe unternimmt

Markt / 12.11.2020 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Was Karlheinz Kopf gegen die Verzweiflung der Betriebe unternimmt
Kopf: “Im Moment sind wir noch nicht am Höhepunkt der Gefahr für die Wirtschaft.” WKÖ

WKÖ-General Karlheinz Kopf will die Wirtschaft am Laufen halten.

SChwarzach Der Altacher Karlheinz Kopf ist derzeit ein gefragter und von den Ereignissen getriebener Mann, nur selten gelingt es ihm, ein Wochenende zuhause in Vorarlberg zu verbringen. Als Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich ist er im ganzen Land und vor allem in Wien derzeit an vielen Fronten aktiv, um die Auswirkungen der Coronapandemie und des nunmehr zweiten Lockdowns für die Mitgliedsunternehmen bestmöglich auszugleichen. Eine Aufgabe, die an sich schon schwierig ist. Doch auch viele Betriebe üben immer wieder Kritik an der Interessenvertretung. „‘Ich kann die Verzweiflung, die bei vielen Unternehmern herrscht, sehr gut verstehen“, sagt Kopf im Gespräch mit den VN, „oft dauert es zulange bis die Hilfsmaßnahmen eintreten und oft sind sie viel zu wenig“.

Guten Job gemacht

Dennoch habe die Wirtschaftskammer Österreich seit März einen guten Job gemacht, den keine andere Organisation zu leisten in der Lage gewesen wäre. Über 100.000 Anrufe und Mails habe man bearbeitet, doch in manchen Bereichen habe auch die Kammer mit nicht immer schlüssigen Verordnungen arbeiten müssen, nimmt er auf den Härtefonds Bezug. Über 700 Millionen Euro seien bislang an 200.000 Berechtigte ausbezahlt worden, das hätte das Finanzministerium nicht geschafft. Aus dem ersten Lockdown habe man aber auch gelernt, die Maßnahmen, die nun für den zweiten Lockdown geschaffen wurden, seien nun besser zu handhaben und sollten auch schnell fließen. Als nächster Schritt, so der Wirtschaftkammer-General, müsse man sich nach der Gastronomie und Hotellerie um die direkten Zulieferer dieser Branche kümmern und ihnen Hilfe bieten. „Diese sind genauso betroffend und brauchen dringend Unterstützung.“

Gegen Schließungen

Dass der Umsatzersatz nun mit 800.000 Euro dotiert oder gedeckelt ist – wie man es sehen will – sei eine richtige Entscheidung der Regierung gewesen, blickt er auf die Diskussion mit der EU zurück, die er aus österreichischer Sicht nicht wirklich nachvollziehen könne. Jetzt könne jedenfalls schnell geholfen werden. Die Wirtschaftskammer sei in das Krisenmanagement massiv eingebunden, man habe deshalb auch vor dem zweiten Lockdown mit allen Mitteln gegen eine Schließung des Handels gekämpft, auch dafür, dass die Dienstleister weiterhin offenhalten können, „wissend dass das sehr schwierig ist, weil die Frequenz fehlt“.

Wenig Zuversicht

Für die Wirtschaft sind die neuerlichen Maßnahmen niederschmetternd, „die Zuversicht ist damatisch zurückgegangen. Das zeigen auch Umfragen unter den Unternehmern.“ Auch wenn einige Brauchen und Firmen zuversichtlich sind, solle man sich nicht täuschen lassen, denn nach wie vor drohen im kommenden Jahr die derzeit verzögerten oder ausgesetzten Insolvenzen, betont Kopf. Dabei könnten auch die bis 15. Jänner gestundeten Steuern ein Problem werden. „Wir verhandeln, dass dieser Termin nochmals ein halbes Jahr hinausgeschoben wird.“

Besonders die Tourismusbranche stehe aufgrund der Infektionszahlen und der damit verbundenen Reisebeschränkungen nach einem für Teile der Branche guten Sommer vor einem ganz schwierigen Winter. „Aber das können wir nicht alleine in Österreich bestimmen.“ Genauso sei es auch beim Export, darauf werde man mit einer Internationalisierungsoffensive antworten. Richtig und wichtig sei die Investitionsprämie, die von zwei auf drei Milliarden aufgestockt werden soll. Ein wichtiger Impuls für den privaten Konsum sei die Steuersenkung gewesen. Doch auch im Handel gibt es derzeit Unwägbarkeiten, so steht eine Schließung der Geschäfte im Raum. Gut möglich, dass es einen weiteren Einsatz der Unternehmervertretung braucht, um diesen Unternehmen das Weihnachtsgeschäft zu retten. Solange das Virus weiter wütet, ist für Kopf nicht mit ruhigeren Zeiten zu rechnen.

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