Deshalb läuft die Vorarlberger Wirtschaft Sturm

Markt / 15.11.2020 • 19:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Lockdown in der Produktion würde Industrie und Gewerbe ins Mark treffen. Rund 60.000 Mitarbeiter wären davon betroffen. <span class="copyright">VN/Symbolbild</span>
Ein Lockdown in der Produktion würde Industrie und Gewerbe ins Mark treffen. Rund 60.000 Mitarbeiter wären davon betroffen. VN/Symbolbild

Umweltlandesrat Johannes Rauch sorgt mit Lockdown-Stellungnahme für heftige Reaktionen.

Bregenz Dass Politiker gerne direkt ihre Wähler ansprechen und sich dafür der sozialen Medien bedienen, ist bekannt. Und dass nicht nur abgewählte Präsidenten damit polarisieren können, sondern auch Vorarlberger Lokalpolitiker, bewies Umweltlandesrat Johannes Rauch. Im Vorfeld der Bekanntgabe von neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie twitterte er folgendes: „Klartext: „Wenn Lockdown verschärft wird, kann es nicht sein, dass zwar alle Schulen schließen, aber Produktionsbetriebe weiterlaufen. Entweder so wie in Israel (alles dicht für zwei Wochen) oder KiBe und Unterstufe offen. Alles andere ist nicht argumentiertbar.“

“Arbeiten statt twittern”

Dass daraufhin die Wirtschaft tobte, das führt sein Landtagskollege und grüne Wirtschaftssprecher Bernie Weber darauf zurück, dass das Posting in den Medien „völlig verkürzt wiedergegeben und missinterpretiert“ wurde. Nur: Bei einem Tweet, der maximal 280 Zeichen hat, gibt es nicht vieles, was zu verkürzen und zu missinterpretieren wäre. Das fanden zumindest die Vetreter der Vorarlberger Wirtschaft, die scharf auf das Posting reagiert haben. Nun auch mit einem offenen Brief der Branchensprecher und dem Präsidium der Vorarlberger Wirtschaftskammer: „Mit großem Entsetzen haben wir Ihren Vorschlag, dass die produzierenden Betriebe ihre Arbeit stilllegen sollen, aus den Medien entnommen. Ihren Aussagen zur Folge haben Sie offensichtlich nicht mitbekommen, was die Corona-Krise in den vergangenen Monaten an wirtschaftlichen Schaden angerichtet hat. Jetzt die Produktion einzustellen, würde einem Super-Gau der Vorarlberger Wirtschaft gleichkommen und zahlreiche Arbeitsplätze vernichten. Sie lassen mit diesem Vorschlag jegliche Wirtschaftskompetenz vermissen und missachten augenscheinlich den Kreislauf von unternehmerischem Wirken und Lebensqualität. Wir laden Sie gerne ein, sich vor Ort in einem der Vorarlberger Produktionsbetriebe ein Bild davon zu machen, wie Wirtschaften in Zeiten von Corona überhaupt möglich ist.“

„Die allermeisten Firmen haben sich bemüht, die Vorgaben über Gebühr umzusetzen.“

Bernhard Weber, Wirtschaftssprecher der Grünen

Weber bemüht sich, die Wogen zu glätten, er versichert, “Die Grünen Vorarlberg sind nicht gegen Industrie und Wirtschaft, sondern für einen gemeinsamen, zukunftsfähigen Weg, der uns aus dem Covid-19-Jammertal und aus der Klimakrise in eine prosperierende Zukunft für die nächsten Generationen führt.“

Von Landesrat Rauch selbst, dem sein Regierungspartner Landeshauptmann Markus Wallner ausrichtete, „er sollte ein bisschen weniger twittern und mehr arbeiten“, ist nichts zu hören. Er freut sich in einer offiziellen Aussendung derweil darüber, dass die Vorarlberger Sonnenkindergärten den österreichischen Solarpreis erhalten haben: „„Wunderbar, dass sich unsere Jüngsten mit diesem wichtigen Thema beschäftigen“. Mit dem Thema Wirtschaft wird er sich nach seinem Tweet allerdings doch noch auseinandersetzen müssen. Ob dafür 251 Zeichen wie in seinem Originaltweet ausreichen, ist eher fraglich.

Statements

Martin Ohneberg, IV-Präsident Vorarlberg: „Grünen-Chef im Ländle / Mitglied der Landesregierung / kann ja wohl nicht wahr sein….“

Markus Comploj, Sprecher der Sparte Industrie, Getzner Holding: „Offensichtlich war er schon lange nicht mehr in einem Betrieb. Anders kann ich mir nicht erklären, wie ein Mitglied der Vorarlberger Landesregierung so praxisfern und offensichtlich ohne jegliche Kenntnisse der Probleme und Herausforderungen in den Vorarlberger Produktionsstätten so einen Schwachsinn von sich geben kann.“

Edi Fischer, Vizepräsident WKV, Obmann Freiheitliche Wirtschaft: „Mit seiner unqualifizierten Aussage hat LR Rauch deutlich gemacht, dass die Grünen nicht regierungsfähig sind.“

Bernhard Feigl, Sprecher des Vorarlberger Handwerks, Firma Glas Marte: „Diese Aussage zeigt uns, wie weit Rauch sich ideell von den über 30.000 Vorarlberger Handwerkern und Gewerbetreibenden entfernt hat. Kaum eine Maßnahme würde die nachhaltige Landesentwicklung mehr schädigen und Massenkündigungen verursachen, wie die Umsetzung dieser Äußerung!“

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