Was für Franz Schellhorn “die einzige Hoffnung auf Rettung“ ist

Markt / 18.11.2020 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Was für Franz Schellhorn "die einzige Hoffnung auf Rettung“ ist
Franz Schellhorn drängt auf Einsparungen in der Verwaltung, statt Steuern zu erhöhen, um die Kosten der Coronapandemie zu bezahlen.  VN/PAULITSCH

Agenda-Austria-Ökonom zur aktuellen Situation in der Wirtschaft und dem Krisenmanagement.

Schwarzach Die Wirtschaftshilfen im ersten Lockdown in Österreich waren großzügiger als in vielen anderen Ländern. Doch nicht alle werden genutzt: „Alle Hilfen, die nicht genutzt werden, sind gut für den Steuerzahler“, betont Franz Schellhorn, Direktor des wirtschaftsliberalen Think Tanks Agenda Austria im Gespräch mit den VN und vergisst dennoch nicht, eine Forderung der Agenda Austria zu wiederholen: „Was es braucht, ist ein One-Stop-Shop für die Hilfen“, das steigere die Effizienz und das Tempo. Doch wie entwickelt sich die Situation in der Wirtschaft überhaupt angesichts der massiven Zunahme an Covid-Infizierten, wie lange kann der Staat noch die Unternehmen unterstützen, was ist sinnvoll, was zu hinterfragen?

„Typisch österreichisch“

Ein Lockdown, der kurz und dafür streng ist, so Schellhorn, sei in der jetzigen Situation wahrscheinlich das richtige Mittel. Wirkliche Entspannung sieht er aber erst, wenn der Impfstoff auf dem Markt ist. Dass Österreich nach einem guten Krisenmanagement im zweiten Lockdown mit Rekordwerten zu kämpfen hat, sei „typisch österreichisch, das ist wie im Fußball“. Nach einer ersten guten Halbzeit habe man sich auch in der Pandemie sicher gefühlt und zu wenig unternommen, um sich auf den Herbst vorzubereiten. Das hätte doch möglich sein müssen, so Schellhorn. „Wenn es einer kleinen Firma gelingt, in acht Monaten einen Impfstoff zu entwickeln, dann sollte es dem Staatsapparat möglich sein, entsprechende Strukturen für einen zweiten Lockdown oder auch für die Zukunft zu schaffen.“

„Dänemark und Schweden haben in guten Zeiten ein finanzielles Polster geschaffen.“

Franz Schellhorn, Direktor Agenda Austria

Das gelte auch im Bildungsbereich: Nach wie vor hapere es bei den Datenleitungen für die Schulen und bei Laptops für die Schüler, die nun wieder zu Hause lernen müssen. „Das muss saniert werden, die Eltern können das nicht.“ Viele Eltern seien mit dem Homeschooling auch überfordert, das werde sich langfristig rächen, wie auch eine Untersuchung aus den Niederlanden zeige. „20 Prozent des Lernstoffs gehen dort verloren“. Die Digitalisierung an den Schulen habe man schon seit fünf Jahren diskutiert, passiert sei aber nichts. „Nun müssen wir die Lehren daraus ziehen und dieses Defizit so schnell wie möglich beseitigen, um den Schülern eine solide Grundausbildung und damit einen guten Start ins Berufsleben zu ermöglichen.“

Sünden der Vergangenheit

Der Ersatz von 80 Prozent des Umsatzes für verschiedene Branchen ist für Schellhorn eine großzügige Hilfe. Die beste Unterstützung aus Sicht der Agenda Austria sei aber der Verlustrücktrag, der Firmen wirklich helfe. Bei der Corona-Kurzarbeit müsse man überlegen, wie man einen Ausweg finden kann, denn eigentlich sei eine solche Maßnahme nur über einen kurzen Zeitraum wirksam. Wie lange überhaupt noch Unterstützungen bezahlt werden können, ist eine Frage. „Da rächen sich jetzt die Sünden der Vergangenheit“, so Schellhorn und verweist auf die skandinavischen Länder, die einen längeren finanziellen Atem haben. „Dänemark und Schweden haben in guten wirtschaftlichen Zeiten ein Polster geschaffen, das ihnen jetzt mehr Spielraum gibt, das haben wir in Österreich verabsäumt.“ Um die hohen Schulden wieder abzubauen, rät der Ökonom davon ab, die Steuern zu erhöhen, vielmehr müssen Einsparungen in der Verwaltung realisiert werden, so Schellhorn. Prognosen, wie und wann wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein wird, will er nicht abgeben. „Da gibt es keine Prognostizierbarkeit“, das Einzige, was so was wie eine Zukunftsplanung gestatte, sei, wenn es einen neuen Impfstoff gibt. „Das ist die einzige Hoffnung auf Rettung“, so Schellhorn.

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