Hubert Rhomberg

Kommentar

Hubert Rhomberg

Alternatives Managementdenken

Markt / 20.11.2020 • 21:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Fachkräftemangel gilt als eines der größten Probleme unserer Wirtschaft heutzutage. Ich glaube allerdings, dass das Defizit hochqualifizierter Mitarbeitender lediglich ein Symptom ist. Das eigentliche Problem liegt woanders: im überholten Denken vieler Manager.

Die Verantwortlichen in den Führungsetagen der Wirtschaft und insbesondere der Industriebetriebe agieren und entscheiden nach gelernten, lange Zeit erfolgreichen, inzwischen aber längst überholten Mustern: Tayloristisches Top-down-Managen, massenweise Hierarchien mit Wissensvorsprung, institutionalisierte Führungskräfte-Entwicklungsprogramme… Sie versuchen, Maschinen-Logiken auf Menschen anzuwenden und die heutige, komplexe und dynamische Welt nach wie vor zentral zu steuern. Der ständig zunehmenden Spezialisierung begegnen sie mit noch detaillierteren Stellenbeschreibungen, noch mehr Berufsbildern. Das funktioniert aber nicht mehr. Im Gegenteil. Es macht alles nur schlimmer. Die Überbürokratisierung, der Dokumentationswahnsinn, die Mengen an Vorgaben, die zentrale Steuerung nehmen den Menschen die Luft zum Arbeiten. Mittlerweile ist der Ausbildungsmarkt ist ein einziges, gigantisches Potpourri, leider aber kein wohlriechendes.

Denn: Komplexität lässt sich nicht vereinfachen und schon gar nicht zerstückeln. Wer es dennoch versucht, ruiniert die Arbeit, macht sie wirkungsloser, ineffizienter und unattraktiver. Und kreiert Organisationssysteme, die die Menschen verscheuchen, behindern, infantilisieren und sie nicht ihr Handwerk machen lassen.

Wir brauchen Alternativen. Doch kann man in Österreich mit einem innovativen, erfolgreichen Organisationsmodell seinen Platz finden? Einem, das nicht allein dem klassischen, hierarchisch gegliederten Ansatz folgt? Oder haben wir einen Organisationsmodell-Notstand? Das ist eine Frage, über die es sich nachzudenken lohnt. Und wenn wir schonmal beim Nachdenken sind, sollten wir direkt die Überreglementierung, die Intransparenz und alle anderen Punkte, die Leistungen schmälern und schädigen, mit dazu nehmen. Vielleicht finden wir dann einen Rahmen, den der Staat schaffen muss, damit Innovationen mit Marktbezug wieder möglich werden. Als Unternehmen sind wir da aber wohl auch gefordert.

„Doch kann man in Österreich mit einem innovativen, erfolgreichen Organisationsmodell seinen Platz finden?“

Hubert Rhomberg

markt@vn.at

Hubert Rhomberg ist Baumeister und Geschäftsführer der Rhomberg Holding.

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